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06.11.2016

13:17 Uhr

Ölaktien

Die Rückkehr des schwarzen Goldes

VonFrank Doll
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Baisse am Ölmarkt ist vorbei. Das Überangebot verringert sich, die Nachfrage bleibt robust. Damit steigen nicht nur die Preise an der Tankstelle. Auch Ölaktien stehen vor einem neuen Aufwärtstrend.

Die Aussichten für Ölförderer sind gut. dpa

Riesiges Ölfeld in Alaska

Die Aussichten für Ölförderer sind gut.

DüsseldorfEigentlich sollte die weltweite Ölförderung längst ihr Maximum überschritten haben. Zumindest wenn es nach der von Geologen entwickelten Peak-Oil-Theorie geht. Sie stellten vor 60 Jahren in Aussicht, dass zur Jahrtausendwende die maximale Menge an Öl gefördert werde, bevor ein stetiger Rückgang einsetze. Doch wie so viele Theorien starb auch diese in der Praxis. Wer Öl fördert, will nämlich von einem Abschwung nichts wissen. Im Gegenteil. In der Branche gilt die Weisheit: Öl gibt es genügend. Es ist nur die Frage, wo. In den Achtzigerjahren lautete die Antwort: in der Nordsee. Zuletzt hieß sie: in den USA wegen der großen Schieferölvorkommen. Deutlich wird damit, dass der Welt das Rohöl bis heute nicht ausgegangen ist.

Aktuell macht eine neue Peak-Oil-Theorie die Runde. Nur ist es jetzt nicht die Theorie vom Höhepunkt der Förderung, sondern die vom Maximum der weltweiten Ölnachfrage. Sollte das Tempo bei der Einführung von erneuerbaren Energien, E-Autos und anderen „disruptiven“ Technologien anhalten, dann werde der weltweite Ölverbrauch bereits 2030 den Zenit erreichen und anschließend fallen, prognostiziert der World Energy Council (WEC).

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Für Anleger bedeuten alle diese Theorien in der Praxis vor allem eines: Antizyklisch in Ölaktien zu investieren ist eine gute Idee. Denn nur, weil alle plötzlich über eine Welt ohne Öl reden, wird daraus noch längst keine Wirklichkeit.

Immerhin sind die Ölpreise, die wichtigsten Treiber also für Ölgesellschaften und deren Aktienkurse, aus ihrem Winterschlaf bereits erwacht. Gemessen am Januartief bei weniger als 28 Dollar pro Barrel, legte der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent um 90 Prozent zu und steht nun unmittelbar davor, den Preiswiderstand bei 52 Dollar zu knacken. Gleiches gilt für die US-Sorte WTI, die sich von ihrem Preistief erholt und inzwischen fast verdoppelt hat. Aus charttechnischer Sicht könnte es weiter in Richtung 70 Dollar gehen (siehe Chart).

Das würde Ölaktien noch mehr Schub geben. Zählten sie 2015 noch zu den schwächsten Börsenwerten, so haben sie im bisherigen Jahresverlauf die meisten anderen Branchen abgehängt. Der weltweite Öl-Sektorindex des Indexanbieters MSCI liegt 16 Prozent vorne. Zum Vergleich: Der allgemeine Industrieländerindex MSCI World stieg nur um magere drei Prozent.

Rohstoffe : Steigende Erdölreserven drücken den Preis

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Steigende Erdölreserven drücken den Preis

Der US-Mineralölverband API hat seine monatlichen Bestandsdaten veröffentlicht und dabei den Anstieg der Rohölreserven bekanntgegeben. Als Reaktion darauf gingen die Ölpreise am Mittwoch leicht zurück.

Für den jüngsten Preissprung über 50 Dollar pro Barrel sorgte ausgerechnet die Organisation erdölexportierender Länder, kurz Opec. Erstmals seit acht Jahren verständigte sich das Kartell auf eine Produktionskürzung. Auch Nicht-Opec-Länder wie Russland signalisierten Bereitschaft, sich zu beteiligen. Welches Opec-Mitglied seine Produktion überhaupt und um wie viel Barrel kürzen wird, müssen die Ölförderländer allerdings noch diskutieren. Es bleiben Zweifel, ob ein gemeinsamer Schritt diesmal gelingt.

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank sehen in der Ankündigung eher den Versuch, den Ölpreis hochzureden. Aktuell produziert die Opec, die 40 Prozent des weltweiten Ölangebots stellt, noch auf Rekordniveau – laut Börsendienst Bloomberg stieg die Opec-Fördermenge im September auf 33,75 Millionen Barrel pro Tag. Auch außerhalb der Opec wird noch bis zum Anschlag gepumpt. Russland etwa förderte im September 11,11 Millionen Barrel pro Tag, so viel wie noch nie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Entscheidend für die nähere Preisentwicklung wird also sein, ob die Produktion wirklich sinken wird.

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