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20.01.2016

16:14 Uhr

Ölkrise

Warum Benzin nicht mehr viel billiger werden kann

Bleiben die Benzinpreise so günstig, kann ein durchschnittlicher Autofahrer in diesem Jahr mehr als 200 Euro einsparen. Doch viel billiger kann es nicht mehr werden. Das liegt an den Steuern.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Die Ölpreise müssen wieder steigen!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Wenn Ölpreise nicht steigen, wird das Deutschland bitter zu spüren bekommen!

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HamburgDer Ölpreis ist seit Jahresbeginn nochmals um rund ein Viertel gefallen. Die Nordsee-Sorte Brent kostet nur noch 28 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit sind auch Ölprodukte auf dem deutschen Markt deutlich billiger geworden. Heizöl kostet weniger als 40 Euro je 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt.) und damit halb so viel wie vor zwei Jahren. Der Liter Diesel ist im bundesweiten Durchschnitt für 94 Cent zu haben, Superbenzin E10 kostet ungefähr 1,18 Euro je Liter. Das sind 30 Cent weniger als der Höchststand der vergangenen 12 Monate.

Bleiben die Preise so günstig, kann ein durchschnittlicher Autofahrer in diesem Jahr mehr als 200 Euro bei den Benzinkosten einsparen. Doch viel billiger kann es nicht mehr werden. Das liegt an den Steuern. Auf Benzin lastet eine Energiesteuer von 65,45 Cent je Liter, beim Diesel sind es 47,04 Cent. Bei Heizöl verlangt der Fiskus lediglich 6,14 Cent je Liter. Dazu kommt jeweils die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die sowohl auf die Energiesteuer wie auf den Warenpreis erhoben wird. Die staatlichen Einnahmen aus der Energiesteuer betragen rund 40 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Bei einem Benzinpreis von 1,20 Euro je Liter entfallen 85 Cent oder 71 Prozent auf Steuern und Abgaben. Der Einkaufspreis macht 31 Cent oder 26 Prozent aus, der Rest sind Kosten und Gewinn. Der Einkaufspreis bezieht sich nicht direkt auf Rohöl, sondern auf das Endprodukt aus der Raffinerie, das einen eigenen Markt bildet. Sollte sich der Rohölpreis zum Beispiel nochmals halbieren, auf 14 Dollar je Barrel, so würden an der Tankstelle nur noch einige Cent ankommen.

So ganz genau lässt es sich nicht ausrechnen, aber ein Benzinpreis unterhalb von 1,10 Euro je Liter ist möglich, unter einem Euro eher nicht. Diesel kann bis auf 85 Cent je Liter sinken. Am ehesten Luft nach unten hat wegen des niedrigen Steueranteils der Heizölpreis, der bei einem weiteren Preisverfall des Rohöls noch bis auf unter 30 Euro je 100 Liter zurückgehen könnte.

Von

dpa

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