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01.09.2015

14:45 Uhr

Ölmarkt

Warum auch die Ölpreise auf Achterbahnfahrt gehen

VonRegine Palm

Die Ölmärkte kommen nicht zur Ruhe. Der stärksten Preissteigerung seit dem ersten Golfkrieg vor 25 Jahren folgen heute Gewinnmitnahmen. Die Preise rutschen wieder deutlich ins Minus. Die Gründe für die Achterbahnfahrt.

Die Ölpreise belastet auch die schwache Konjunktur in China. dpa

Ölpreise

Die Ölpreise belastet auch die schwache Konjunktur in China.

DüsseldorfDie Ölpreis-Rally kommt am Dienstag um Erliegen. Nach dem stärksten Preisanstieg seit dem ersten Golfkrieg vor 25 Jahren nutzen viele Investoren die Gunst der Stunde für Gewinnmitnahmen. Am Dienstag sank deswegen der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent um 3,8 Prozent auf 52,11 Dollar. Der Preis des US-Leichtöls WTI sank um 3,7 Prozent auf 47,40 Dollar.

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Der rasante Ölpreisverfall setzt Förderstaaten, Schwellenländer und Konzerne stark unter Druck. Eine Wende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten erwarten immer neue Tiefstände. Der Grund ist einfach.

Neben den Gewinnmitnahmen belasteten am Dienstag Händlern zufolge auch enttäuschende Konjunkturdaten aus China die Preise. Die Industrieproduktion im August abermals zurückgegangen und hat damit die Furcht vor einer immer stärker abflauenden Konjunktur genährt. Auch der Dienstleistungssektor verlor an Schwung. China ist einer der größten Konsumenten von Industrierohstoffen wie Öl und Kupfer.

Die heftigen Schwankungen an den internationalen Ölmärkten setzen sich damit fort. Schneller als die Preise zuvor gefallen sind, zogen die Preise wieder an. In Europa wurde erstmals seit Anfang August wieder die Marke von 50 Dollar nach oben durchbrochen. Rohöl hat sich in nur einer Woche um fast 30 Prozent verteuert. „Es ist total verrückt, was sich zurzeit am Ölmarkt abspielt“, sagt Frank Schallenberger, Energieexperte der Landesbank Baden-Württemberg.

Wie nachhaltig der jüngste Preisanstieg ist, wird sich erst noch erweisen müssen. Denn zuletzt schien die Talfahrt der Ölpreise unaufhaltsam. Ende Juni kostete ein Barrel des europäischen Brent-Öls noch über 60 Dollar. Im vergangenen Jahr lag der Preis sogar weit über 100 Dollar. Von diesem Marken ist man derzeit weit entfernt. Schlimmer noch: an den Märkten wird bereits spekuliert, wann in Europa die 40-Dollar-Marke durchbrochen wird. Das amerikanische Leichtöl WTI ist zwischenzeitlich bereits unter diesen Grenzwert gefallen. Doch auch hier geht es steil nach oben, rücken die 50 Dollar wieder in Reichweite.

Ähnliche Preissprünge wie in den vergangenen Tagen wurden zuletzt vor 25 Jahren beobachtet. Laut Commerzbank ist es bei beiden Ölsorten der „stärkste Drei-Tagesanstieg seit August 1990“. Damals hatte der Einmarsch des irakischen Diktators Saddam Hussein in das benachbarte Kuwait die Ölpreise nach oben schnellen lassen.

Die jüngsten Preisturbulenzen am Ölmarkt haben mehrere Ursachen. Analysten begründen die Verteuerung bei Öl zum einen durch die Eindeckung von Shortpositionen schon zum Wochenwechsel. „Die Eindeckung von Leerverkäufen setzte sich fort und gab den Ölpreisen erneut kräftig Auftrieb“, haben die Analysten der Commerzbank beobachtet. „Dabei spielt die Stimmung eine maßgebliche Rolle“, sagt Carsten Fritsch, Ölexperte der Commerzbank.

Kommentare (3)

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Frau Rosi Raubbau

01.09.2015, 14:04 Uhr

Die Ära des schwarzen Gold ist am Untergehen und es heisst, rette sich wer kann...Der Wandel der Wirtschaft, der Börse und Preise ist ein natürlicher Prozess, denn das Ölzeitalter kann nicht ewig auf Hochtouren laufen - wir haben die Erde schon seit einem Jahrhundert ausgepumpt und auf Fracking & co.folgten gefährdende Naturkatastrophen. Wenden wir uns dem aktuellen Aufkommen innovativer Neuheiten auf dem Energiesektor zu. Weltweit starten Neutrino-Projekte - die beweisen, dass Neutrino-Technologie solare Neutrino-Energie zu Strom wandeln kann. Prof Krause, Wissenschafler im Team der Berliner Neutrino Inc.erklärte dazu - die permanente Neutrino-Energy eignet sich hervorragend, um mit mobilen Kleinkraftwerke mittels Wabentechnologie emissionsfreien Strom zu wandeln, der für die Versorgung von Haushalten und unsere Mobillität dient. Ich bin überzeugt, dass Investitionen in neue Technologien übermorgen bzw. bereits morgen schon zu wirtschaftlichem Aufschwung beitragen.

Herr Peter Noack

01.09.2015, 18:00 Uhr

Der Beitrag glänzt damit, worüber nichts geschrieben wird.
Man darf nicht einmal erwarten, dass die Kursbewegungen beim Ölpreis seit dem 24. August bis zum 1. September betrachtet werden. Das sind immerhi9n 6, in Worten sechs, Handelstage. Von 38,15 Dollar je Fass stieg der Preis bis 31. August auf über 48 Dollar oder über 27 Prozent, um anschließend wieder deutlich zu sinken. Lapidar wird bemerkt, dass es Gewinnmitnahmen gab. Also rein spekulativ. Genau so, wenn Leerverkäufe durch Käufe glattgestellt werden mussten. Bei Angebot und Nachfrage gab es keine nennenswerte Veränderung. Die Senkung der Ölförderung in den USA um 100.000 Fass täglich ist bei einem Überangebot von drei Millionen Fass nicht einmal marginal. Das ist als Grund für Preisschwankungen völlig abwegig. Wenn Banken und Fonds sich darauf einlassen, ist es kein Wunder, dass die Verluste astronomisch anwachsen. Dann ruft doch gleich nach Staatshilfe.

Herr Peter Noack

01.09.2015, 18:10 Uhr

Man kann gar nicht genug Enttäuschung vortragen.
Die deutsche Ölrechnung betrug 2014 rund 96 Milliarden Euro, schrieb destatis schon im März. Wie hoch wird denn die Ölrechnung 2015 ausfallen? Sehen sich Rohstoffanalysten und Wirtschaftsredakteure außer Stande das zu errechnen oder zu recherchieren? Muss man das alles als Leser selber machen?

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