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19.01.2017

17:04 Uhr

Ölpreis-Analyse

Der Optimismus der Opec

VonMatthias Streit

Seit Jahresanfang gelten die Produktionskürzungen beim Öl. Bislang scheint der Plan aufzugehen. Doch Saudi-Arabien verkündet nun, dass man die Vereinbarung schon bald nicht mehr benötige. Warum Skepsis angebracht ist.

Das Land halte sich trotz rekordhoher Exporte an die vereinbarten Förderkürzungen, sagt es. Die Opec zeigt sich überzeugt, dass das Abkommen eingehalten wird. dpa

Ölfeld im Irak

Das Land halte sich trotz rekordhoher Exporte an die vereinbarten Förderkürzungen, sagt es. Die Opec zeigt sich überzeugt, dass das Abkommen eingehalten wird.

FrankfurtDie alles bestimmende Frage am Ölmarkt dieser Tage lautet: Halten sich die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) an ihre Kürzungsversprechen? Seit dem 1. Januar ist das Abkommen des Ölkartells in Kraft. Beteiligt haben sich sechs weitere Länder, darunter mit Russland der größte Ölproduzent der Welt.

Nach etwas mehr als zwei Wochen scheinen zumindest die Mitglieder des Ölkartells ihre Pläne umzusetzen, 1,2 Millionen Barrel (à 159 Liter) pro Tag weniger zu fördern. Eine Reihe von Nicht-Opec-Staaten, darunter Russland, wollen ihrerseits zusätzliche 600.000 Barrel weniger fördern.

Der saudische Ölminister gibt sich überzeugt, dass sich die Opec an die vereinbarten Förderkürzungen hält. Reuters, Sascha Rheker

Khalid Al-Falih

Der saudische Ölminister gibt sich überzeugt, dass sich die Opec an die vereinbarten Förderkürzungen hält.

Obwohl der Deal erst seit wenigen Tagen umgesetzt werden soll, meldet das Ölkartell schon erste Erfolge: Der Ölminister von Saudi-Arabien, Khalid Al-Falih, hat in der vergangenen Woche erklärt, dass sein Land derzeit weniger als zehn Millionen Barrel pumpe. Das sind im Vergleich zum Oktober 2016 über 600.000 Fass weniger. Doch nicht nur die Saudis melden Vollzug. Zu ihnen gesellt sich neben Kuwait und Venezuela auch der Irak, der trotz aktueller Ölexporte auf Rekordniveau betont, sich an die Abmachung zu halten. Das lässt Hoffnung aufkeimen. Der saudische Ölminister prescht vor: Nach der ersten Jahreshälfte werde es die Kürzungen wohl nicht mehr brauchen.

Seit Verkündung des Opec-Abkommens ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent um 13 Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn hält er sich relativ stabil um 55 Dollar.

Wohlgesonnen dürfte die Opec auch den heute veröffentlichten Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur aufnehmen. Demzufolge sind die Öl-Lagerbestände in der OECD im November zum vierten Mal in Folge gefallen. „Unser Hauptziel ist es, den Lagerabbau zu beschleunigen“, sagte der Generalsekretär der Opec, Mohammed Bargkindo der Nachrichtenagentur Reuters.

Was die Einigung des Ölkartells nach sich zieht

Ist der Ölpreis-Anstieg nachhaltig?

Zumindest für die kommenden Monate sagen die meisten Analysten einen höheren Preis voraus. Die Nordea-Bank etwa rechnet für 2017 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 57 Dollar je Fass - das wäre gut ein Viertel mehr als im ablaufenden Jahr. Allerdings erwarten etwa die Experten von Barclays für die zweite Jahreshälfte 2017 wieder fallende Preise. Ein Grund dafür: Die Produzenten von Schieferöl, das mit Hilfe des technisch aufwendigen und teuren Fracking-Verfahrens gewonnen wird, dürften ihre Produktion hochfahren, weil sich dies für sie ab einem bestimmten Preisniveau wieder lohnt. Experten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank zweifeln zudem, ob die Förderländer ihre Vereinbarung vollständig umsetzen werden.

Zieht die Inflation in Europa wieder an?

Nein. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone dürfte nach Prognose von Sal.-Oppenheim-Chefvolkswirt Martin Moryson ihren Zenit überschritten haben. Im ersten Quartal war die Inflationsrate wegen des starken Ölpreisanstiegs zeitweise an die Marke von 2,0 Prozent herangereicht. Dieser Effekt läuft nun aus. Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl haben einen hohen Anteil am Warenkorb, mit dessen Hilfe die Inflation berechnet wird. Deshalb schlagen höhere Ölpreise auf die Teuerungsrate durch.

Welche Folgen hat das für die Wirtschaft?

Wegen steigender Preise an den Zapfsäulen und für Heizöl bleibt den Verbrauchern weniger Geld im Portemonnaie. „Mit anziehender Inflation wird der Kaufkraftgewinn durch Lohnsteigerungen geringer“, sagt BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. „Auch steigen die Produktionskosten vieler Unternehmen, wenn Rohstoffe teurer werden.“ Das sieht Nordea-Europachefvolkswirt Holger Sandte ähnlich. „Zwar wird sich die Importnachfrage Russlands und anderer Ölexportländer erhöhen und damit die Nachfrage nach europäischen Exporten gestützt“, erläutert der Ökonom. „Aber der Schwung beim privaten Verbrauch dürfte nachlassen.“ Das sei einer der Gründe, warum die Wirtschaft in der Währungsunion 2017 nur um 1,3 Prozent wachsen dürfte.

Was heißt das für Anleger?

An den Anleihenmärkten wird es im kommenden Jahr kaum etwas zu verdienen geben, erwartet Sal.-Oppenheim-Anlagestratege Lars Edler. Denn die steigende Inflation zehrt massiv an den ohnehin niedrigen Renditen. So dürfte etwa die zehnjährige Bundesanleihe sogar eine negative Gesamtrendite von etwa einem Prozent abwerfen, wenn man die Teuerung einrechnet. Auch am Devisenmarkt könnten viele Anleger umdenken: Die Währungen von Ölförderländern wie Norwegen und Russland legten wegen der höheren Ölpreise bereits merklich zu.

Wie reagiert der Aktienmarkt?

Hier gibt es viele Gewinner, aber ebenso viele Verlierer. Papiere von Öl- und Gasförderern wie der italienischen Eni waren nach der Einigung auf eine Förderbremse gefragt. Auf der anderen Seite leiden Fluggesellschaften wie die Lufthansa, weil der Kerosinpreis ein großer Kostenfaktor ist. Üblicherweise werden auch energieintensive Unternehmen und Konsumgüterhersteller besonders belastet, wenn die Ölpreise anziehen.

Die Situation in den USA ist allerdings gegensätzlich. Die steigenden Preise reizen einige Schieferölunternehmen wieder mehr Öl zu pumpen. Der Boom dieses Sektors hat den Ölpreis von über 110 Dollar je Barrel 2014 erst zu Fall gebracht und zwischenzeitlich auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 27 Dollar gedrückt.

Seit einigen Monaten steigt wieder die Zahl der Ölbohrlöcher. Sie liegt jedoch immer noch bei weniger als der Hälfte des bisherigen Rekordniveaus. Die US-Energiestatistikbehörde EIA hat auch prompt ihre Prognose für die kommenden beiden Jahre erhöht. Im Schnitt werden die USA in diesem Jahr 9,0 Millionen Barrel pro Tag fördern, 2018 werden es schon 9,3 Millionen sein – jeweils 200.000 Fass mehr als bislang angenommen.

Die Industrie in den USA ist gekommen, um zu bleiben – und anpassungsfähig, wie die Internationale Energieagentur betont. „Egal ob es um kürzere Bohrzeiten oder größere Ölfördermengen pro Bohrloch geht: Die US-Schieferölindustrie ist aus der 30-Dollar-je-Barrel-Welt von vor einem Jahr viel schlanker und fitter hervorgetreten“, heißt es in ihrem Bericht.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

20.01.2017, 17:35 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel,Grande, Dirnberger,Trautmann....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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