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20.01.2016

11:33 Uhr

Ölpreis

Auf zu neuen Tiefständen

Der Iran drängt an den Markt, die Opec weigert sich, ihre Förderung zu reduzieren und der starke Dollar verteuert den Rohstoff zusätzlich – beim Preisverfall des Öls ist kein Ende in Sicht.

Angesichts des starken Negativtrends dürften Ölunternehmen wie Investoren hoffen, dass die Preise einfrieren. dpa

Erdölförderung in Niedersachsen

Angesichts des starken Negativtrends dürften Ölunternehmen wie Investoren hoffen, dass die Preise einfrieren.

Frankfurt/London/WienAm Rohölmarkt kehrt keine Ruhe ein: Die Ölpreise sind am Mittwoch erneut auf Talfahrt gegangen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur März-Lieferung kostete am Vormittag 27,95 US-Dollar und damit 81 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel noch etwas stärker um 1,07 Dollar auf 27,39 Dollar.

Der Preis für US-Rohöl rutschte damit auf den tiefsten Stand seit über zwölf Jahren. Händler erklärten die sinkenden Preise mit der Aussicht auf steigende Ölreserven in den USA. „Derzeit sind die Aussichten für den Ölmarkt ziemlich negativ“, sagte Rohstoffexperte Angus Nicholson vom britischen Handelshaus IG Group. Zuletzt habe die Aussicht auf steigende Ölexporte durch den Iran nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen den Preisdruck verstärkt.

Am Dienstag hatte die Internationale Energieagentur IEA in drastischen Worten davor gewarnt, dass der Ölmarkt im Überangebot zu „ertrinken“ drohe. Führende Banken übertreffen sich mit immer niedrigeren Prognosen für die Ölpreise. Während die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley von einem Tiefpunkt bei 20 Dollar ausgehen, hatte die britische Bank Standard Chartered ein Abrutschen bis auf 10 Dollar nicht ausgeschlossen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Trotz immer neuer Tiefstände gibt es in der Ölbranche Aussagen, wonach die Preise künftig wieder steigen werden. Es sei einfach nur eine Frage der Zeit, sagte beispielsweise der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al Mazrouei, am Mittwoch vor Journalisten in Abu Dhabi.

Die Hoffnung erklärt sich unter anderem damit, dass sich wegen der billigen Ölpreise eine vergleichsweise teure Förderung in Ländern außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nicht mehr rechnet. Die Folge wäre ein Rückgang des Angebots auf dem Weltmarkt.

Zu den Profiteuren sinkender Ölpreise zählen Verbraucher sowie Unternehmen in Ölimportländern wie Deutschland. Verlierer sind dagegen Unternehmen und Länder, die an dem Verkauf von Rohöl verdienen.

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Der anhaltende Ölpreisverfall belastete auch Aktienmärkte weltweit. Der deutsche Leitindex Dax fiel am Mittwoch um 3,20 Prozent auf 9354,77 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit Ende September.

Der freie Fall der Ölpreise hatte am frühen Morgen bereits die Börsen in Asien erneut kräftig durchgeschüttelt. In Tokio ging es zusätzlich belastet vom starken Yen, der Exporte verteuert, um fast 4 Prozent auf das Niveau von Herbst 2014 abwärts. In Hongkong sank der Leitindex Hang Seng auf den tiefsten Stand seit Mitte 2012.

Von

dpa

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