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12.01.2015

14:20 Uhr

Ölpreis

Brent erneut unter 50 Euro

Das Angebot auf dem Weltmarkt setzt die Ölpreise weiter unter Druck, zu Beginn der neuen Woche brechen die Preise weiter ein. Ein Barrel Brent kostet weniger als 50 Euro. Die Opec lehnt eine Produktionskürzung weiter ab.

Die Ölpreise sind seit Sommer um über die Hälfte eingebrochen. dpa

Die Ölpreise sind seit Sommer um über die Hälfte eingebrochen.

SingapurDie Ölpreise haben zu Wochenbeginn ihre Talfahrt fortgesetzt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete am Montag zeitweise 48,95 Dollar. Das waren 1,15 Dollar weniger als am vergangenen Freitag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 95 Cent auf 47,40 Dollar.

Mitte vergangener Woche war der Preis für Nordsee-Öl erstmals seit fünfeinhalb Jahren unter die Marke von 50 Dollar gefallen. Danach hatte er sich etwas stabilisiert.

Die Ölpreise sind seit Sommer um über die Hälfte eingebrochen und liegen so niedrig wie zuletzt im Frühjahr 2009. Ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt setzt die Preise unter Druck. Das Ölkartell Opec hat unter Führung von Saudi-Arabien bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preissturz reagiert.

Der wichtige Ölproduzent will laut Beobachtern mit niedrigeren Preisen der stark wachsenden Schieferölindustrie in den USA mit ihrer Fracking-Technologie einen Dämpfer verpassen. Laut Experten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs kann die US-Industrie allerdings deutlich tieferen Preisen trotzen als die meisten Beobachter annehmen.

In einer am Montag bekanntgewordenen Studie gehen sie davon aus, dass die Ölpreise während der ersten Jahreshälfte bis auf 40 Dollar sinken müssten, um die Schieferölindustrie zu veranlassen, ihre Investitionen zu drosseln. Zudem senkten sie ihre Ölpreisprognosen deutlich ab.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist gefallen. Das Opec-Sekretariat meldete am Montag, dass der Durchschnittspreis aller Ölsorten des Kartells am Freitag bei 45,19 US-Dollar gelegen hat. Das waren 49 Cent weniger als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Kommentare (4)

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Herr Franz Paul

12.01.2015, 10:04 Uhr

1973 hat unsere damalige Regierung Sonntags-Fahrverbote angeordnet, um Öl zu sparen. Das Erdöl reicht noch 25 Jahre, hiess es, wenn wir so weiter machen. Das war also vor 42 Jahren. Die Welt hat seither viel mehr Öl verbraucht als zuvor. Und jetzt haben wir ein Überangebot. Jahrelang hat man uns erzählt, wir müssen was gegen die "globale Erwärmung" tun. Jetzt hat man festgestellt, dass diese seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet (stand u.a. hier im HB). Seitdem heisst es "Klimawandel". Aha. Merkt jemand was?

Herr Peter Noack

12.01.2015, 10:40 Uhr

Könnte Saudi Arabien mit der halben Ölförderung nicht den doppelten Erlös erzielen, wenn der Ölpreis dann wieder auf 100 Dollar je Fass stiege?
Würde der Ölpreis auf 200 Dollar je Barrel steigen, wenn die Aramco nur noch 2 Mio. Barrel täglich fördern würde?
Das Überangebot wäre dann aber beseitigt, oder? Sollten das die Russen tun, damit sie wieder mehr Dollar erlösen können, die sie den Ölarbeitern heute schuldig bleiben müssen? Vielleicht stellt Russland ja auf Dollar als Währung in Russland um?

Herr Erik Wikinger

12.01.2015, 11:16 Uhr

Alles Manipulation !
Zum gegebenen Zeitpunkt wird der Ölpreis richtig explodieren - nach oben.
Trotz weiterhin "hohem Angebot"
Und die Menschen glauben auch noch immer all diesen Mist den sie vorgesetzt bekommen....

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