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12.07.2017

14:08 Uhr

Ölpreis

Bröckelt das Opec-Abkommen?

VonMatthias Streit

Bislang hat sich das Ölkartell Opec überraschend stark an seine Förderkürzungen gehalten. Fraglich bleibt aber, wie lange die Disziplin unter den Mitgliedern hält. Nun reißt ausgerechnet der Musterschüler seine Marke.

Mit dem Kürzungsabkommen will das Ölkartell gemeinsam mit zehn Nicht-Mitglieds-Staaten den Ölmarkt stabilisieren. dpa

Ölförderung

Mit dem Kürzungsabkommen will das Ölkartell gemeinsam mit zehn Nicht-Mitglieds-Staaten den Ölmarkt stabilisieren.

FrankfurtSaudi-Arabien ist der unumstrittene Anführer der 14 Mitglieder zählenden Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Das Königreich steht für fast ein Drittel der Produktion des Ölkartells. Was die Saudis sagen und wie sie sich verhalten, hat Gewicht.

So hat ihr seit einem Jahr neuer Ölminister Khalid Al-Falih die Förderkürzung des Kartells mit zehn weiteren Nicht-Mitgliedsstaaten maßgeblich eingefädelt.

Das Abkommen, bei dem die Länder ihre tägliche Produktion um 1,8 Millionen Barrel beschränken (die Opec allein um 1,2 Millionen Barrel) soll das Überangebot vom Markt nehmen, die hohen Lagerbestände aufzehren und damit den Preis stabilisieren. Als Zeichen, dass es das Kartell ernst meint, gingen die Saudis schon im Januar mit leuchtendem Beispiel voran: Statt der vereinbarten 486.000 Barrel verzichtete das Land gleich um mehr als 747.000 Barrel.

Laut dem jüngsten Opec-Monatsbericht hat sich der bisherige Musterschüler nun aber offenbar zum Kartellsünder gewandelt. Nach eigenen Angaben förderte das Land im Juni täglich 10,070 Millionen Barrel Öl. Das ist deutlich mehr als im Monat zuvor und erstmals seit Inkrafttreten des Kürzungsabkommens im Januar über der vereinbarten Zielmarke von 10,058 Millionen Barrel.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Seit Monaten warnt Commerzbank-Chef-Rohstoffstratege Eugen Weinberg, dass die hohe Disziplin der Opec – das Kartell hat seine Ziele seit März nahezu vollständig erfüllt oder sogar übertroffen – im Laufe des Jahres nachlassen könnte. Je niedriger der Ölpreis, desto größer die ökonomischen Sorgen in den stark vom Ölpreis abhängigen Haushalten der Opec-Staaten. Der Druck nimmt zu. Seit Jahresbeginn hat sich Öl um rund ein Fünftel auf derzeit 48 Dollar je Barrel verbilligt. Die Frage ist: Bröckelt das Abkommen nun?

Im Königreich bemühen sich Experten, zu beschwichtigen: „Ein Anstieg um diesen marginalen Betrag ist von den Umständen gerechtfertigt“, sagte der ehemalige Saudi-Aramco-Vizepräsident für das Explorationsgeschäft, Sadad al-Husseini, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit den Umständen meint er die Sommersaison am Golf. Wegen der Hitze steigt der Stromverbrauch von Klimaanlagen. Weil Elektrizität in Saudi-Arabien laut Statistiken der Internationale Energieagentur noch immer zu knapp der Hälfte mit Öl erzeugt wird, steigt demnach auch der Ölverbrauch.

Ohnehin ist Saudi-Arabien nicht das erste Mitglied, das seine Förderkürzungsziele nicht erfüllt. Der Irak etwa zählt zu den Staaten, die bei der Umsetzung stets hinterherhinken. Im Juni legte das Land erneut kräftig zu, um 60.000 Fass auf 4,502 Millionen Barrel. Die Zielmarke liegt bei 4,351 Millionen Barrel.

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Obwohl die Ölvorrate in der Welt schwinden, fällt der Preis an den Weltmärkten weiter. Der Schieferölboom schwemmt nun auch verstärkt an die Weltmärkte – mit dramatischen Folgen für die gesamte Branche.

Insgesamt ist die Produktion der Opec im Juni gegenüber dem Mai um fast 400.000 Barrel gestiegen. Mehr als die Hälfte des Anstiegs kann jedoch auf Libyen und Nigeria zurückgeführt werden. Beide Mitgliedsländer sind wegen ihrer politisch instabilen Lage von den Kürzungen ausgeschlossen.

Insgesamt ergibt sich trotz der Erhöhungen nach Handelsblatt-Berechnungen eine Umsetzungsquote von mehr als 93 Prozent, bemisst man die Kürzungen am vereinbarten Produktionsniveau vom Oktober 2016.

Um erst gar nicht Spekulationen über eine mögliche schwindende Disziplin des Kartells aufkommen zu lassen, legt Saudi-Arabien nach den höheren Zahlen Reuters-Informationen zufolge eine neue Zielmarke nach: Im August will das Königreich seine Ölexporte um 600.000 Barrel kürzen, um so die höhere Produktion in den Sommermonaten zu kompensieren. Nun müssen den Worten auch Taten folgen.

Kommentare (1)

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Rainer von Horn

12.07.2017, 14:14 Uhr

Die USA werden bei Basel-III und den Bankenregulierungen nicht mitmachen und sie werden sich auch nicht an irgendwelchen Preisabsprachen beteiligen, insofern droht der OPEC so was wie ein kleiner Kontrollverlust durch das US-Fracking-Öl. Und beim GAs auch.

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