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28.03.2012

13:28 Uhr

Ölpreis

Deutschland will Ölreserven nicht anzapfen

Frankreich, Großbritannien und die USA wollen den Ölpreis drücken. Nach einem Zeitungsbericht planen sie die Freigabe strategischer Ölreserven. Deutschland will sich nicht beteiligen. Die Gerüchte bewegen den Ölpreis.

Öl billiger wegen Spekulation um Reservefreigabe. dpa

Öl billiger wegen Spekulation um Reservefreigabe.

ParisSpekulationen auf eine Freigabe der strategischen Ölreserven haben den Ölpreis am Mittwoch sinken lassen. Ein Fass des europäischen Brent-Öls verbilligte sich um 1,18 Dollar auf 124,36 Dollar. Die US-Sorte WTI kostete 106,57 Dollar und damit 76 Cent weniger als im späten Vortagesgeschäft.

Ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“ hatte die Gerüchteküche angeheizt, die drei Länder sprächen über dieses Thema. Die Freigabe sei aber eher eine Sache von Wochen als von Tagen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld von Präsident Nicolas Sarkozy weiter. Der französischen Energieministers Eric Besson erklärte, sein Land sei von den USA zu diesem Thema kontaktiert worden. Frankreich begrüße diesen Schritt.

Deutschland will seine strategischen Ölreserven nach den Worten von Wirtschaftsminister Philipp Rösler nicht einsetzen. „Die nationalen Ölreserven können nur freigegeben werden bei einem echten physischen Mangel“, sagte Rösler am Mittwoch in Berlin: Sie seien damit ausdrücklich kein Mittel der Preisstabilisierung. Dies sei nicht nur die Lesart der Bundesregierung, sondern Gesetzeslage. Unterstützung erhielt Rösler von seinem Amtsvorgänger, FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Die Reserven könnten genutzt werden, wenn es zu extremen Situationen komme. Dieser Zeitpunk sei noch nicht erreicht, sagte er in Berlin. Rösler wollte trotz wiederholter Nachfrage nicht sagen, ob Deutschland von den USA wegen einer möglichen Freigabe der nationalen Ölreserven angesprochen wurden.

Irans größte Ölabnehmer

China

China kaufte im ersten Halbjahr 2011 22 Prozent des iranischen Öls auf - will allerdings weg von der großen Abhängigkeit von Iran. Stattdessen wird unter anderem Saudi Arabien zu einem immer wichtigeren Lieferanten. Schon als der Iran-Konflikt im vergangenen Herbst brodelte, drosselte China seine Investitionen in die örtliche Öl- und Gasindustrie.

EU

Die EU nimmt dem Iran 18 Prozent seiner Ölvorräte ab. Aus EU-Sicht ist diese Menge allerdings nicht allzu groß: Im ersten Quartal 2011 importierten die 27 EU-Staaten insgesamt 896 Millionen Barrel Rohöl. Davon kamen 4,4 Prozent aus dem Iran.

Japan

14 Prozent seines Öls liefert Iran an Japan, den drittgrößten Ölverbraucher der Welt.

Indien

Iran exportiert 13 Prozent seiner Ölproduktion an Indien - doch auch in diesem Geschäftsverhältnis hat es in den vergangenen Monaten gekriselt, als Indien mit Zahlungen für geliefertes Öl in Verzug geriet.

Südkorea

Zehn Prozent seiner Ölproduktion liefert Iran an Südkorea. Das sind gleichzeitig auch zehn Prozent des südkoreanischen Bedarfs. Das Land halte Ausschau nach alternativen Lieferanten, berichten Experten.

Türkei

Sieben Prozent des iranischen Öls gehen an die Türkei. Diese ist damit besonders von den Lieferungen aus dem Nachbarland abhängig: Die Türkei bezieht 30 Prozent ihres Ölbedarfs aus Iran.

Investoren fürchten, dass die wegen des iranischen Nuklearprogramms auferlegten Embargos die Ölversorgung gefährden könnten. Die Preise für ein Barrel der Sorte Brent sind seit Jahresbeginn um 15 Prozent gestiegen.

Sollten die Iran-Lieferungen vom Markt genommen werden, könnten die Preise um weitere 20 bis 30 Prozent anziehen, hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, vergangene Woche gesagt.

Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien könnte allerdings nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) bei einer geringeren weltweiten Förderung einspringen. Saudi-Arabien sei in der Lage, genug Öl zu produzieren, um Ausfälle auszugleichen, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven am Freitag. „Es herrscht keine Angst, dass die Lieferungen unterbrochen werden.“

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

28.03.2012, 11:52 Uhr

Ölpreis drücken geht viel einfacher: Steuern runter!

Die Steuern machen über die Hälfte des Treibstoffpreises aus.

Der größte Raffke ist der unersättliche Staat, und erst in zweiter Linie die Minderalölkonzerne.

Baluba

28.03.2012, 12:00 Uhr

...geht nicht. 1 Bil. € Rettungsschirm wartet!

Heuberger

28.03.2012, 12:07 Uhr

Und warum erhebt der Staat einen Haufen Steuern?

Weiler im Namen der Bürger diese Gelder als Schulden aufenommen hat, um den Bürgern einen derartigen Wohlstand zu bieten.

Sie können auch gleich sagen statt Steuern runter --> Schulden nicht zurückzahlen...
Eine derartige Einstellung kann ich nicht verstehen

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