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07.11.2016

13:07 Uhr

Ölpreis

Die Durchhalteparolen der Opec

VonMatthias Streit

Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo beschwört erneut die Ölförderkürzung. Doch Hedgefonds und Marktspekulanten trauen dem Abkommen immer weniger – und die Preise schwanken.

Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo bemüht sich um die Einheit des Ölkartells. Ende November will die Opec endgültig eine Förderkürzung vereinbaren. AP

Ein Mann, ein Wort?

Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo bemüht sich um die Einheit des Ölkartells. Ende November will die Opec endgültig eine Förderkürzung vereinbaren.

FrankfurtAm Ölmarkt ist es dieser Tage so ein bisschen wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Darin spielt Bill Murray einen Wetteransager, der in einer Zeitschleife gefangen ist, immer wieder am selben Tag aufwacht und immer wieder die gleiche ihn plagende Aufgabe erfüllen muss – das kommende Wetter mithilfe eines erscheinenden oder eben nicht erscheinenden Murmeltiers vorhersagen.

Auf die Situation am Ölmarkt übersetzt heißt das: Am 28. September hat sich die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) darauf geeinigt, ihre Förderung zu kürzen und so den Preis zu stabilisieren. Wie genau das passieren soll, hielt sie aber offen. Seitdem ist für die Opec fast jeder Tag wie der 28. September: Das Ölkartell muss seine Absicht bestätigen, damit der Ölpreis nicht fällt.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Am Montag war es Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo, der diese Aufgabe erfüllte. Am Rande einer Öl-Konferenz in Abu Dhabi erklärte er Medienvertretern: „Wir als Opec halten an der Umsetzung unseres in Algier beschlossenen Abkommens fest.” Die Opec habe zudem keine Preisziele, werde aber, in Kooperation mit anderen bedeutenden Ölförderstaaten, an dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Jahre 2017 arbeiten.

Letzteres ist in sich paradox. Noch herrscht am Markt ein Überangebot, das den Ölpreis seit Mitte 2014 von über 110 Dollar je Barrel (159 Liter) auf zeitweise weniger als 30 Dollar zu Beginn 2016 hat abstürzen lassen. Selbst dem bedeutendsten Opec-Staat Saudi-Arabien hat das milliardenschwere Löcher in den Haushalt gerissen. Ein ausgeglichener Ölmarkt soll daher sehr wohl die Preise und damit auch die Einkünfte der Ölproduzenten stabilisieren.

Opec: Kartell ohne Konsens

Opec

Premium Kartell ohne Konsens

Um die Glaubwürdigkeit der Opec ist es nicht erst seit dem Ölpreisverfall enorm schlecht bestellt. Wenn sie tatsächlich höhere Preise durchsetzen will, braucht es Partner von außen. Zum Beispiel Russland. Eine Analyse.

Doch auch das Handeln der Opec ist paradox. Einerseits macht sich das Kartell zum Retter der Ölproduzenten, indem es künftig weniger Öl aus den Böden pumpen will. Andererseits aber erhöhte die Opec erst im Oktober ihre Produktion auf den Rekordwert von 34,0 Millionen Barrel pro Tag. Um die geplante Obergrenze von 33 Millionen Barrel einzuhalten, müsste die Opec also täglich mehr als eine Million Fässer weniger fördern. Zwar erklärten sich schon Saudi-Arabien und seine Anrainerstaaten zu Einschränkungen bereit – diese beliefen sich aber lediglich auf 650.000 Barrel, rechnet HSH-Nordbank-Ölanalyst Jan Edelmann vor.

In der vergangenen Woche sind zudem die Lagervorräte in den USA überraschend gestiegen – und zwar um 14,4 Millionen Barrel, so stark wie noch nie. Die Schieferölproduktion in Amerika hatte den Preisverfall seit 2014 maßgeblich ausgelöst.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

07.11.2016, 14:24 Uhr

Grundsätzlich ist eine Angebotskürzung für alle Ölexportierenden Staaten vorteilhaft. 9 Mio Bl/day zu je 100$ zu verkaufen bringt mehr ein als 10 Mio. bl/day zu 45$. Auch für die importierenden Staaten ist Preisstabilität von Vorteil. Dann lassen sich Energieeinsparungsinvestitionen, oder Substitutionsinvestitionen zugunsten Kohle, oder Erdgas planen.

Die Herausforderung liegt im Detail. Das ist ein Fall für die Spieltheorie. Ein jeder meint der andere soll sich zugunsten des gemeinsamen Zieles einschränken und alle meinen das reiche Saudi Arabien soll es richten. Darin ähnelt die OPEC sehr der EU wo man meint der "Boche"* soll zahlen.

Persönlich vermute ich, dass man früher, oder später zu irgendwelchen halbherzigen Kürzungen kommt. Gem. diverser Geschäftsberichte von Ölgesellschaften und Ölservicegesellschaften sind die Investitionen in die Erkundung und Erschliessung neuer Ölvorkommen stark rückläufig. So kann man annehmen, dass der Markt wesentlich zum Wiederfinden des Gleichgewichts beitragen wird.

*Boche nennt man in Frankreich die Deutschen

Baron v. Fink

07.11.2016, 15:06 Uhr

Investoren wie ich halten Lizenz Papiere aus Alaska, bis zu einem Preis von 33 fliesen hier die Einnahmen aber die Saudis müssen bluten für ihren Staatshaushalt.
Wir Investoren hingegen sind auf der sicheren steuerfreien Seite ohne diesen Sozial-Balast. Fink-Fonds immer erste Wahl.

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