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31.01.2011

17:52 Uhr

Ölpreis

„Die Folgen wären dramatisch“

VonJörg Hackhausen

ExklusivDie Unruhen in Ägypten wirken sich auf den Ölmarkt aus. Seit Tagen legt der Preis für Rohöl der Sorte Brent zu. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Leon Leschus, Energieexperte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, warum die Investoren so besorgt reagieren und wie er die Gefahr in der Region einschätzt.

Leon Leschus, Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut Pressebild

Leon Leschus, Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut

Handelsblatt: Über Ägypten läuft ein großer Teil der weltweiten Öllieferungen. Welche Auswirkungen haben die Unruhen für den Ölpreis?

Leon Leschus: Die Sorgen, dass der Öltransport über den Suezkanal zum erliegen kommen könnte, haben sich zumindest schon in steigenden Ölpreisen bemerkbar gemacht. Etwa ein Million Barrel Rohöl werden täglich durch den Kanal transportiert. Würde er gesperrt werden, hieße das, dass die Öltanker um die Südspitze von Afrika herum fahren müssten. Dies würde die europäische Ölversorgung verzögern und behindern. Jedoch könnte dies durch bestehende Ölvorräte in Europa aufgefangen werden. Die Sorge der Anleger gilt nicht nur dem Suezkanal, sondern auch der Sumed-Pipeline. Durch sie fließen gut 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Ist die Versorgung mit Öl aus Ihrer Sicht in Gefahr?

Ich halte eine Schließung des Suezkanals für unwahrscheinlich. Was wir in Ägypten beobachten ist, dass das Volk auf die Straße geht. Es würde anders aussehen bei einem Militärumsturz oder wenn politische Extremisten rebellieren würden.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Unruhen andere Länder in der Region erfassen? Und was hieße das für den Ölpreis?

Das ist schwer abzusehen. Würde Saudi Arabien instabil werden, hätte das dramatische Folgen für den weltweiten Ölmarkt. Das Land liefert pro Tag um die neun Millionen Barrel und ist damit hinter Russland der zweitgrößte weltweite Öllieferant. Die Gefahr, dass sich die Unruhen auf Saudi Arabien ausbreiten, sehe ich zurzeit aber nicht. Würde Libyen als Öllieferant wegfallen oder weniger Öl liefern können, hätte das einen besonderen Einfluss auf Deutschland. Nach russischem Öl und Nordseeöl importiert Deutschland am meisten Öl aus Libyen - es macht gut acht Prozent der gesamten deutschen Ölimporte aus.

Wie reagiert die Opec?

Im Moment verhält sie sich ruhig. So hat der Generalsekretär der Opec El-Badri nochmals hervorgehoben, dass der Welt mit ausreichend Öl versorgt sei und er zurzeit keinen Grund sieht, dass Ölangebot zu erhöhen. Jedoch fügte er hinzu, dass die Opec auf physische Verknappungen reagieren würde.

Auffällig ist, dass europäisches Öl (Brent) derzeit viel teurer als amerikanisches (WTI)ist. Woran liegt das?

Ja, der Spread zwischen Brent und WTI-Öl ist zurzeit mit über zehn Dollar pro Barrel besonders hoch. Die Preisdifferenz der beiden Ölsorten ist auf unterschiedliche Angebotssituationen in den USA und Europa zurückzuführen. Während beim WTI die gut gefüllten Lagerbestände in Cushing, dem Hauptumschlagsplatz für amerikanisches Erdöl von der Golfküste, eingepreist sind, spiegeln sich ein sinkendes Angebot an Nordseeöl und eine höhere asiatische Ölnachfrage im Brentpreis wider.

Kommentare (8)

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Goldmund

31.01.2011, 20:10 Uhr

Was ist denn das für ein Unsinn. Seit wann sind gerade mal 8 % der gesamten deutschen Oelimporte aus Libyen ein Problem für die Oelversorgung in Deutschland? Das ist ein geradezu lächerlicher Anteil. Oder verstehe ich nichts mehr von Prozentrechnung? Diese Spekulationen um Rohstoffe sollten mit einer börsensteuer belegt werden, damit windigen Spekulanten und investoren der Garaus gemacht wird. Solange Oelkonzerne wie beispielsweise Exon Milliardengewinne einfahren und den Hals nicht voll kriegen, frage ich mich wer hier abgezockt wird. Mich kotzt die Gier und ignoranz der grossen Konzerne und der "Eliten" nur noch an.

neherw

31.01.2011, 20:11 Uhr

Der Ölpreis müßte endlich mal auf 250 $ je Faß ansteigen, damit die Emergieproleten der Regierungen endlich mal aufwachen. Dann kostet eben der Spritt 4,00€ je Liter, na und?
Das ist heilsamer als die Predigten von Tanke Angela

Hallo Goldmund:

01.02.2011, 10:48 Uhr

Grosse Konzerne und Eliten "kotzen" sie also an ?

ich gehe davon aus, dass sie keine Lebensversicherung und keinen investmentfonds haben. ich gehe weiter davon aus, dass Sie Selbstversorger sind, der im Wald lebt. ich gehe auch davon aus, dass der PC, mit dem dieser Kommentar geschrieben wurde und das Auto, das Sie fahren, selbst gebastelt sind.

Falls nicht: Halten sie doch einfach den Mund.

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