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23.05.2011

15:24 Uhr

Ölpreis fällt

Neue Verkaufswelle bei Rohstoffen

Der höhere Dollar macht Öl und Kupfer für viele Anleger unattraktiv. Silber und Platin geraten ebenso unter Druck. Nur Gold glänzt wieder.

Ölvorräte im Hafen von Rotterdam. Quelle: dpa

Ölvorräte im Hafen von Rotterdam.

FrabkfurtZusammen mit dem Euro sind am Montag die Preise für Öl und Kupfer wieder stark unter Druck geraten. Denn für Anleger aus dem Euro-Raum werden die in Dollar gehandelten Rohstoffe durch die Abwertung der Gemeinschaftswährung unattraktiv. "Der Dollar-Kursanstieg ist das, was die Preise drückt", fasste ein Rohstoffanalyst zusammen. Viele Anleger flüchteten in das als sichere Anlage geltende Gold, das in Euro gerechnet mit 1080,04 Euro so wertvoll wie noch nie wurde. Während dem Euro vor allem die Schuldenkrise im Süden des Währungsraums zu schaffen machte, litten die Rohstoffe zudem noch unter Spekulationen auf eine nachlassende Weltkonjunktur.

So waren in der Euro-Zone die Einkaufsmanagerindizes für Mai nach vorläufigen Berechnungen deutlich schwächer als im April ausgefallen. Danach schwächte sich der Aufschwung so kräftig ab wie seit November 2008 während der Finanzkrise nicht mehr. Auch für China signalisierte ein Einkaufsmanagerindex für Mai eine Abkühlung der Konjunktur. Damit könnte die Nachfrage der Industrie nach Öl und Kupfer sinken.

Ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI und der Nordseeöl der Sorte Brent verbilligten sich bis zum Nachmittag um je mehr als drei Prozent auf knapp 97 beziehungsweise 109 Dollar. Einen sehr viel stärkeren Preisrutsch hielten Analysten für unwahrscheinlich: "Die anhaltenden Unruhen in Libyen und im Nahen Osten dürften einem starken Preisrückgang allerdings entgegenstehen", warnten die Analysten der Commerzbank.

Kupfer zur Lieferung in drei Monaten kostete mit 8790 Dollar je Tonne ebenfalls drei Prozent weniger als am Freitag. Bei Nickel und Blei fielen die Preisabschläge mit vier Prozent noch deutlicher aus.

Viele Anleger legten ihr Geld lieber beim Gold an, das vor allem in Euro gerechnet neue Höhen erklomm und am Nachmittag mit 1074,42 Euro noch 0,7 Prozent teuerer als am Freitag war. Mit Preisen über 1500 Dollar kostete die Feinunze in Greenback gerechnet noch etwa so viel wie am Freitagabend.

Doch auch bei den Edelmetallen sind die Anleger wählerisch. Silber, das mit 34,51 Dollar je Feinunze 1,4 Prozent einbüßte, und Platin, das mit 1740 Dollar 1,6 Prozent niedriger notierte, waren den meisten nicht gut genug. Dies spiegelte sich auch in den Kapitalflüssen der ETFs wider: Denn während die Gold-ETFS wieder Zuflüsse registrierten, überwogen beim Silber die Abflüsse.

Meilensteine für Silber: Seit 1973

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

April 2011

Doch Ende April kommt die plötzliche Wende: Unmittelbar nachdem der Silberpreis den Rekordpreis geknackt hat und über 50 Dollar gestiegen ist, setzt eine scharfe Korrektur ein. Binnen einer Woche stürzt die Notierung um ein Drittel auf 33 Dollar ab. Vielen Anlegern ist die Rally offenbar zu heiß geworden, zudem verschärfen zahlreiche Börsen die Sicherheitsanforderungen für den Handel mit Silber-Kontrakten. Das schreckt Investoren zusätzlich ab.

Juni 2012

Der Silberpreis erreicht Ende Juni mit 26,16 Dollar den tiefsten Stand seit Jahren. Auf diesem Niveau stabilisiert sich der Preis, eine nachhaltige Erholung ist allerdings nicht in Sicht.

31.Dezember 2012

Der Silberpreis notiert am Ende des Jahres 2012 bei 29,10 Dollar. Auf Jahressicht legt Silber um knapp 9,0 Prozent zu. Gold schafft dagegen nur ein Plus von 6,6 Prozent.

Juli 2013

Der Silberpreis fällt bis Ende Juli 2013 um mehr als 35 Prozent auf 19 Dollar. Die massive Geldschwemme der weltweiten Notenbanken treibt die Anleger raus aus den als „sicher" geltenden Edelmetallen.

20. Dezember 2013

Der Silberpreis ist seit August von 24 Dollar auf gut 19 Dollar gefallen. Damit hat er fast wieder die Jahrestiefs erreicht.

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