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09.02.2016

11:43 Uhr

Ölpreis

IEA erwartet 2016 keine Stabilisierung der Ölmärkte

Die Opec glaubt daran, dass der Ölpreis noch im Laufenden Jahr robuster wird. Die Internationale Energieagentur widerspricht. Doch auf die Seite der düstersten Prognosen von Banken möchte sie sich nicht gesellen.

Dass die Exportländer bald den Ölhahn abdrehen, daran glaubt die Internationale Energieagentur nicht. dpa

Öl Marsch!

Dass die Exportländer bald den Ölhahn abdrehen, daran glaubt die Internationale Energieagentur nicht.

LondonNach monatelangem Ölpreis-Verfall ist laut Internationaler Energie-Agentur (IEA) auch 2016 keine Entspannung der Märkte in Sicht. Das Überangebot werde vielmehr noch das gesamte Jahr anhalten, prognostizierte die IEA am Dienstag. Die Schiefergas-Förderung in den USA gehe nur langsam zurück und eine Einigung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) mit anderen Öl-Ländern auf eine geringere Produktion sei unwahrscheinlich.

„Anhaltende Spekulationen über eine Vereinbarung zwischen Opec-Staaten und führenden Produzenten außerhalb der Opec für eine Förderkürzung scheinen nichts als Spekulationen zu sein“, erklärte die in Paris ansässige Agentur, die die Energiepolitik von Industrieländern koordiniert. Die IEA rechnet nicht mit einem Anstieg der Ölpreise, wies aber auch extreme Prognosen für einen Rückgang auf zehn Dollar je Barrel (159 Liter) zurück. Für ein Fass der Nordseesorte Brent werden derzeit um die 30 Dollar fällig. Im Juni 2014 waren es noch knapp 115 Dollar.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Der niedrige Ölpreis setzt der Wirtschaft von Förderstaaten wie Russland sowie den Energiekonzernen massiv zu. Anders als in früheren Zeiten drosselt die Opec ihre Produktion nicht, was den Preisen Auftrieb geben würde. Doch das Kartell will seinen Marktanteil gegen die wachsende Konkurrenz von US-Schiefergas-Produzenten verteidigen. Inzwischen geht die Förderung durch das in Europa umstrittene „Fracking“ wegen des Preisverfalls tatsächlich zurück. Anders als die IEA rechnet die Opec noch 2016 mit einer Stabilisierung der Ölmärkte.

Von

rtr

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