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16.02.2016

11:41 Uhr

Ölpreis

Ölminister zurren Förderbegrenzung fest

Die Öl-Förderländer Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela haben in Doha zwar eine Förderbegrenzung – aber keine Kürzung bei der Produktion – beschlossen. Die Ölpreise reagierten auf diese Entscheidung sofort.

Der Ölpreis ist seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent gefallen. dpa

Ölpumpe

Der Ölpreis ist seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent gefallen.

SingapurRussland und drei wichtige Mitglieder des Ölkartells Opec wollen die Förderung begrenzen und damit den massiven Preisverfall stoppen. Die Produktion solle auf dem Niveau vom Januar gedeckelt werden, sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimi am Dienstag nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Russland, Venezuela und Katar. „Wir glauben, dass dieser Schritt den Markt stabilisieren wird“, ergänzte Mohammed bin Saleh al-Sada aus Katar. Die Vereinbarung sei jedoch davon abhängig, dass sich andere Produzenten ihr anschlössen. Am Ölmarkt wurde daher nicht damit gerechnet, dass es bald zu einer Begrenzung des Angebots kommt. Der Ölpreis gab daraufhin einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab.

Die Minister wollen sich nun um weitere Förderländer bemühen. Am Mittwoch will der venezolanische Ressortchef Eulogio Del Pino in die iranische Hauptstadt Teheran reisen. „Wir werden dort mit den Ministern aus dem Iran und dem Irak sprechen“, sagte er. Venezuela steckt wegen des Ölpreisverfalls in finanziellen Schwierigkeiten. Fachleute befürchten, dass die Regierung in Caracas Probleme mit der Rückzahlung von Anleihen bekommen könnte.

Das Land pocht deswegen schon seit längerem auf ein gemeinsames Vorgehen der Opec-Staaten, um den Preisverfall zu stoppen. Del Pino sagte, er hoffe darauf, dass der Ölminister von Katar mit ihm nach Teheran reisen werde. Nach dem Ende der westlichen Sanktionen meldet sich der Iran gerade zurück auf dem Ölmarkt. Auch der Irak hatte zuletzt seine Förderung ausgeweitet.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Im Kampf um Marktanteile hatten die größten Ölstaaten wie Saudi-Arabien und Russland bisher bewusst auf Produktionskürzungen verzichtet und stattdessen den Markt geflutet. Durch das große Angebot waren die Ölpreise seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen. Darunter leiden alle großen Ölförderländer, aber auch viele Ölkonzerne. Ziel der größten Förderländer war, die USA aus dem Markt zu drängen, wo dank der umstrittenen Fracking-Technik die Förderung boomt.

Der Ölpreis ist in den vergangenen 18 Monaten wegen des riesigen Angebots um rund drei Viertel eingebrochen. Zeitweise kostete der Rohstoff weniger als 30 Dollar je Fass, das ist so wenig wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Am Dienstag kostete ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent mit knapp 34 Dollar aber 1,5 Prozent mehr als am Montag.

Die nun erreichte Vereinbarung sei gleichwohl ein Durchbruch, sagte Olivier Jakob, Chef des Öl-Analysehauses Petromatrix. "Es ist die erste Entscheidung seit November 2014, die Nachfrage zu begrenzen."

Ölpreisverfall

Massiver Preissturz: Öl seit März 2014 um 70 Prozent gefallen

Ölpreisverfall: Massiver Preissturz: Öl seit März 2014 um 70 Prozent gefallen

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Kommentare (10)

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16.02.2016, 12:00 Uhr

Dies ist ein Eingriff in den freien Markt und dieser Eingriff = Fördergrenze ist von einer freien Gesellschaft = Verbraucher NICHT ZU AKZEPTIEREN!!!!

Dieser Eingriff macht die Reichen nur noch Reicher. Verbraucher werden abgezockt und die Armen werden damit in der Armut gehalten.
Dieses OPEC Kartelle wie alle anderen Kartelle sind zu tiefst Marktfeindlich und richten sich immer gegen die freie Markt-Gesellschaft und einen freien und fairen Wettbewerb.

Glaubtreu Kogelnig

16.02.2016, 12:07 Uhr

Die begrenzen gar nichts, die Perser drängen auf den Markt und damit bleibt das Öl preiswert. Alles andere war der übliche Börsen-Fake.

Herr Ciller Gurcae

16.02.2016, 12:31 Uhr

Wieso wird das Kartellamt nicht tätig? Das ist doch wohl deren Aufgabe. Die Opec ist auch nur ein Kartell zum Schaden der Ölkunden.
Oder muß erst gebombt werden bis der Sand glüht?

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