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11.06.2017

13:54 Uhr

Ölpreis

Opec macht sich Mut

Trotz der Verlängerung der Förderkürzung ist der Ölpreis gefallen. Eine Verschärfung des Abkommens kommt derzeit aber nicht infrage. Im Gegenteil: Russland und Saudi-Arabien betonen die Wirkung und setzen auf Geduld.

Der russische Energieminister Alexander Nowak (links) und sein saudischer Amtskollege Khalid Al-Falih beim Opec-Treffen am 25. Mai. Seitdem ist der Ölpreis trotz verstärkter Förderkürzung stark gefallen. Reuters

Im Zwecke vereint

Der russische Energieminister Alexander Nowak (links) und sein saudischer Amtskollege Khalid Al-Falih beim Opec-Treffen am 25. Mai. Seitdem ist der Ölpreis trotz verstärkter Förderkürzung stark gefallen.

Frankfurt48,20 Dollar kostet ein Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent. Das sind sechs Dollar und rund elf Prozent weniger, als am 25. Mai. An jenem Tag hat sich die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) mit zehn weiteren Staaten geeinigt, ihre Förderung bis Ende 2018 zu kürzen, anstatt sie im Juni zu beenden. Ginge es nach der Förderallianz, sollte das den Preis stützen. Doch es kommt alles anders als gedacht. Ein Kurswechsel oder noch drastischere Maßnahmen kommen offenbar nicht infrage.

Die Ölminister von Russland und Saudi-Arabien, die beiden größten Abkommenspartner mit einer Förderung von jeweils elf und zehn Million Fass pro Tag (das entspricht insgesamt mehr als einem Fünftel der weltweiten Produktion) glauben an ihre Maßnahmen. Der Deal werde sein Ziel bis zum ersten Quartal 2018 erfüllen, sagte der russische Ölminister Alexander Nowak. Der jüngste Preisrutsch erfordere noch keine Reaktion, sagt er laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax.


Erklärtes Hauptziel der Förderkürzung ist, die weltweit hohen Lagerbestände auf einen Fünf-Jahres-Durchschnitt abzubauen. Jene der OECD-Länder, also den Industriestaaten, waren zuletzt zwar leicht rückläufig, aber immer noch bei rund drei Milliarden Barrel um etwa 300 Millionen Barrel über dem angepeilten Ziel.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Dennoch bleibt auch der saudische Ölminister Khalid Al-Falih optimistisch. Der Lagerabbau werde sich in den nächsten drei bis vier Monaten beschleunigen, erklärte er in Astana in Kasachstan. Daran würden auch kurzfristige, gegenläufige Ereignisse nichts ändern.

Zuletzt hatten erneut Nachrichten aus den USA den Preis purzeln lassen. Zum einen glaubt die US-Energiestatistikbehörde, dass das Land aufgrund des anhaltenden Schieferölbooms im kommenden Jahr erstmals mehr als zehn Millionen Barrel Öl pro Tag fördern wird. Allein in diesem Jahr haben die USA ihre Produktion um knapp 550.000 Barrel pro Tag gesteigert. Zum anderen waren zuletzt sowohl die Öl- als auch die Benzinvorräte überraschend um 3,3 Millionen Barrel gestiegen. Normalerweise sollten die Bestände wegen der begonnen Ferienzeit fallen.

Preissenkende Nachrichten kommen zudem aus den beiden Opec-Ländern Nigeria und Libyen. Sie sind aufgrund der politisch instabilen Lage von der Förderkürzung ausgenommen. In Nigeria hat Shell jüngst nach über einem Jahr den Verladeterminal Forcados wieder eröffnet. Damit werden die Exporte des Landes Expertenschätzungen zufolge auf den höchsten Stand seit einem Jahr steigen. Die Rückkehr von Forcados an den Markt steigert die Produktion Nigerias voraussichtlich in Richtung zwei Millionen Barrel pro Tag. Im April förderte Nigeria noch 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Auch Libyen fördert wieder mehr Öl. Dort erreichte die Produktion in der vergangenen Woche knapp 800.000 Barrel pro Tag – ein Drei-Jahres-Hoch, wie Commerzbank-Analysten erläutern. Der kurzzeitige Produktionsstopp auf Sharara, dem größten Ölfeld des Landes, nach Arbeiterprotesten wurde aufgehoben.

Die Isolation Katars, dem drittkleinsten Opec-Mitglied, mit einer Tagesförderung von 619.000 Barrel Öl, hat bislang keine Auswirkung am Ölmarkt - auch weil die Ölexporte bislang nicht beeinträchtigt sind. Zunächst befürchtete Verwerfungen innerhalb des Kartells treten bislang nicht zutage.

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