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08.12.2014

19:52 Uhr

Ölpreis

Preisverfall vernichtet Milliarden

Seit Juni ist der Ölpreis um mehr als ein Drittel eingebrochen. Durch den Ölpreisrutsch stehen Investoren, die den Schieferölboom in den USA mitfinanziert haben, vor Verlusten von bis zu 8,5 Milliarden Dollar.

Fracking in Kalifornien: Der Ölpreissturz kostet viele Investoren Milliarden. AFP

Fracking in Kalifornien: Der Ölpreissturz kostet viele Investoren Milliarden.

In den vergangenen Jahren haben US-Energieproduzenten mit einer Kreditwürdigkeitsnote im Ramsch-Bereich Anleihen im Volumen von 90 Milliarden Dollar an den Markt gebracht. Seit dem Ölpreishoch im Juni haben die Papiere knapp zehn Prozent an Wert verloren. Am härtesten getroffen wurden Halcon Resources, SandRidge Energy und Goodrich Petroleum.

Die Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) in der vergangenen Woche, ihre Fördermenge trotz eines Überangebots an Öl nicht zu drosseln, ließ den Ölpreis auf ein Fünfjahrestief von 66,15 Dollar je Barrel absacken.

Der Niedergang des Ölpreises verstärkt Sorgen bei den Anleihe-Investoren, dass die bonitätsschwächsten Ölexplorateure bei der Bedienung ihrer Verbindlichkeiten Probleme bekommen könnten, und Banken angesichts sinkender Umsätze die Kreditlinien kürzen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Halcon, SandRidge und Goodrich zählen zu den 21 Schuldnern, die in den US-Schieferölregionen mit den teuersten Produktionskosten tätig sind. Diese Förderstätten werden unrentabel, wenn der Ölpreis unter 60 Dollar je Barrel sinkt.

„Wir haben uns Sorgen gemacht, dass es zu Zahlungsausfällen kommen wird – und das schon bevor der Ölpreis so stark einbrach“, sagt Ivan Rudolph-Shabinsky, Vermögensverwalter bei Alliance Bernstein Holding. „Es ist zu viel Geld in diesen Bereich geflossen, was langfristig zu Problemen geführt hätte. Nun beschleunigt sich das.“

Die 9,75 Prozent Anleihe von Halcon Resources im Volumen von 1,15 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2013 hat seit dem 30. Juni 29 Prozent verloren. Bei den Junkbonds von SandRidge im Volumen von 750 Millionen Dollar, die im Oktober 2012 emittiert wurden, summiert sich der Verlust auf 26 Prozent und bei den Papieren von Goodrich Petroleum über 275 Millionen Dollar ist es ein Minus von 34 Prozent.

Weil sich die Kreditsumme, die Öl- und Gasunternehmen bei Banken aufnehmen dürfen, direkt am Wert ihrer Rohstoffreserven bemisst, erhöht sich bei fallenden Rohstoffpreisen das Risiko, dass es zu einer Geldklemme kommt, schrieb Spencer Cutter, Analyst bei Bloomberg Intelligence.

Der Renditeaufschlag der Anleihen von Energieunternehmen gegenüber US-Staatspapieren ist am Montag auf 7,63 Prozentpunkte angestiegen. Laut Daten von Bloomberg ist das mehr als das Doppelte der Risikoprämie vom Juni. Der Ölpreis ist in dem Zeitraum um 35,7 Prozent eingebrochen.

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Kommentare (2)

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Herr x y

08.12.2014, 20:03 Uhr

Kein Mitleid!

Herr Peter Delli

09.12.2014, 08:39 Uhr

Plötzlich gibt es überall Öl in Mengen. Es sollte doch
schon lange alle sein. Ein weiterer Betrug an den
Verbraucher?

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