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14.11.2014

15:45 Uhr

Ölpreis

Putin wappnet sich für „katastrophalen“ Preisverfall

Wladimir Putin stellt sich auf einen „katastrophalen“ Verfall der Ölpreise ein. Sein Land sei dafür gewappnet, meint der russische Präsident. Jetzt kommt es darauf an, was die Opec auf dem nächsten Treffen entscheidet.

Ölförderung in Venezuela: „Die Märkte haben derzeit Angst”. ap

Ölförderung in Venezuela: „Die Märkte haben derzeit Angst”.

FrankfurtRussland stellt sich auf einen „katastrophalen“ Preisverfall bei Öl ein. Das sagte der russische Präsident Wladimir Putin der Nachrichtenagentur Tass. Ein solches Szenario liege absolut im Bereich des Möglichen, so Putin. Russlands Währungsreserven seien groß genug, um dies auszuhalten.

Die Ölpreise steuern auf die längste Verlustserie seit Ende der achtziger Jahre zu. In diesem Jahr ist der Preis um 30 Prozent gefallen. Das setzt jenen Staaten zu, die von Ölexporten leben, ganz besonders Russland. Rohöl der US-Sorte WTI notierte bei 75,05 Dollar je Barrel. Das Barrel der Sorte Brent kostete 78,45 Dollar.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet auch im kommenden Jahr weiter sinkende Ölpreise. Der Ölmarkt befinde sich nun in einer neuen Ära mit einer schwächelnden Wirtschaft in China und einem Schieferöl-Booms in den USA. Daher sei eine baldige Rückkehr zu alten Höchstständen unwahrscheinlich, schrieb die IEA in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. Durch den Fracking-Boom ist die Ölförderung in den USA auf den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren gestiegen.

Der sinkende Ölpreise macht auch dem Ölexporteur Venezuela zu schaffen. Das südamerikanische Land habe wegen des starken Ölpreisverlustes 30 Prozent seiner Devisen-Einnahmen verloren, sagte der linksgerichtete Präsident Nicolás Maduro am Donnerstag (Ortszeit) in Caracas. Er habe Außenminister Rafael Ramírez nach Algerien, Katar, in den Iran und nach Russland geschickt, um das Thema anzusprechen. Ramírez war zuvor Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA sowie Energie- und Ölminister. Er traf am Donnerstag von Algerien kommend in Katar ein und soll laut Maduro auf seiner Reise Venezuela, die Märkte und den Ölpreis verteidigen, der tragend für die Wirtschaft des Landes sei.

Welche Staaten über die größten Ölressourcen verfügen

Venezuela

konventionell: 3 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 62,3 Milliarden Tonnen

Kanada

konventionell: 3,5 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 51,2 Milliarden Tonnen

Russland

konventionell: 20 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 14,8 Milliarden Tonnen

USA

konventionell: 15,7 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 8,8 Milliarden Tonnen

China

konventionell: 16,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 4,5 Milliarden Tonnen

Brasilien

konventionell: 13 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 0,7 Milliarden Tonnen

Saudi Arabien

konventionell: 11,8 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Kasachstan

konventionell: 4 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 6,7 Milliarden Tonnen

Iran

konventionell: 7,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Irak

konventionell: 6,1 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Erläuterung

Die Auflistung zeigt die Top 10 Länder mit den größten konventionellen und nicht-konventionellen (Ölsand, Schwerstöl oder Schieferöl) Erdölressourcen im Jahr 2012. Erdölressourcen sind nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

Quelle: BGR Energiestudie 2013

Das Opec-Mitglied Venezuela ist einer der weltweit größten Ölexporteure und deckt seine Deviseneinnahmen zu 95 Prozent durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Der Preis für das Barrel (159 Liter) venezolanischen Öls fiel inzwischen auf unter 70 Dollar. Im Juni waren es noch 99 Dollar. Das Barrel der in Europa üblichen Sorte Brent notierte diese Woche knapp unter 80 Dollar. Rund sechs Monate zuvor waren es noch 115 Dollar.

Bei ihrem nächsten Treffen am 27. November wird die Opec über Förderquoten entscheiden. Experten sprechen vom wichtigsten Opec-Treffen seit 30 Jahren. „Die Märkte haben derzeit Angst”, schreibt Analyst Jonathan Barratt von Ayers Alliance Securities in Sydney. „Es wird sich nach dem richten, was die Opec denkt. Erst wenn die Tagung näher rückt, werden die Preise anfangen zu steigen.“

Kommentare (9)

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Herr Peter Petersen

14.11.2014, 16:47 Uhr

Der Zusammenhang, Senkung der Ölförderung durch die Opec = steigende Ölpreise, scheint mir etwas gewagt. Zunächst dürfte es von der Technik und der Logistik her durchaus aufwendig sein, die Förderung längere Zeit nennenswert (> 10%) zu reduzieren. Außerdem dürften durch eine Reduzierung der Förderung die Förderkosten relativ steigen. Dann hat die Opec weniger Einnahmen bei (relativ) steigenden Kosten, also auf beiden Seiten wird am Überschuss geknabbert. - Ich werde mit dem Bunkern von Heizöl noch warten.

Herr Ferdinand Loeffler

14.11.2014, 17:53 Uhr

Vielleicht sollte Herr Putin sich einmal bei Herrn Gorbatschow schlau machen, wie es ist, wenn man pleite istund woran man das merkt: Nichts mehr in der Kasse. Der hat die Erfahrung ja schon gemacht. Vielleicht ist Herrn Putin's Russland ja schon pleite. Er hat es nur noch nicht gemerkt. Krim bezahlen, Separatisten in der Ukraine bezahlen, Lebensmittel subventionieren, aufrüsten etc. Umsonst ist das alles nicht.

Herr Teito Klein

14.11.2014, 19:10 Uhr

Putin fürchtet den Ölpreisverfall
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Warlord Putin rechnete mit einem Ölpreis von mindestens 100 Dollar pro Barrel. Jetzt aber liegt er bei 75 Dollar.
Vor einem halben Jahr waren es noch 115 Dollar.

Putin bereitet sein Volk auf harte Sparmaßnahmen vor.
Das gilt natürlich nicht bei der Rüstung. Hier rüstet Warlord Putin kräftig auf.^
Und da der Ölpreis fällt, fällt auch der Gaspreis. Dieser ist an den Ölpreis gekoppelt.

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