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27.01.2016

15:28 Uhr

Ölpreis

Rohstoffhändler sieht Ölmarkt vor Trendwende

Mercurio ist einer der größten Rohstoffhändler der Welt. Sein Chef Marco Dunand ist den schwachen Markt. Stark gesunkene Investitionen würden aber bald den Preis steigen lassen. Am Mittwoch aber fällt er erneut.

Der Ölpreis fällt am Mittwoch erneut. dpa

Erdölförderung

Der Ölpreis fällt am Mittwoch erneut.

London/Frankfurt am MainDie rasante Talfahrt am Ölmarkt könnte nach Meinung eines der weltgrößten Rohstoffhändlers bald ein Ende finden. In den USA würden bereits Öl-Sorten zu Preisen unter den Herstellungskosten verkauft, erläuterte Marco Dunand, Gründer und Chef des Handelshauses Mercuria in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Einige Benzinsorten in den USA werden derzeit für fast gar nichts verkauft, (...) das zeigt, dass wir kurz vor einer Neuausrichtung stehen“, sagt Dunand. „Was die Opec nicht machen will, macht der Markt für sie.“

Allmählich wird der Leidensdruck auf der Herstellerseite Dunand zufolge zu groß. „Die Tatsache, dass Öl unter zehn Dollar pro Fass verkauft wird – wie einige Sorten in Kanada und Venezuela – zeigt, wie stark der Druck auf die Produzenten ist.“ Auf diesem Niveau deckten einige nicht einmal ihre Ausgaben. „Und die Kosten, um die Produktion stillzulegen, sind sogar noch höher.“

Und noch ein Faktor könnte in den kommenden Jahren zu höheren Preisen führen: Wegen der stark gesunkenen Investitionen könnte sich das Angebot wieder verknappen. „Die Kapitalausgaben gehen stark zurück, so dass wir den Grundstein für das nächste Angebots-Problem legen, was erst einmal zu höheren Schwankungen und letzten Endes zu Engpässen führen wird.“

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

In der Gegenwart zeichnet sich noch keine Trendwende ab. Am Mittwoch fällt der Ölpreis erneut. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent war am Nachmittag für 31,47 Dollar zu haben und damit ein Prozent günstiger als am Tag zuvor. Ein Barrel WTI kostete zuletzt 30,81 Dollar.

Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen und kostete zeitweise weniger als 30 Dollar je Fass. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), allen voran Saudi-Arabien, flutet im Kampf um Marktanteile den Weltmarkt. Verstärkt wird die Ölschwemme vor allem durch den Schieferölboom in den USA, bei dem Öl mit Hilfe des teuren Fracking-Verfahrens aus dem Gestein gelöst wird. Die Opec-Länder wollen diese Konkurrenz mit Rabatten aus dem Markt drängen und verweigern bislang Förderkürzungen.

Von

rtr

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