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17.02.2012

15:21 Uhr

Ölpreis

Schwacher Euro macht Tanken so teuer wie nie

VonThomas Schmitt, Regine Palm

Der Preis für Erdöl steigt kräftig. Die Verbraucher spüren es schon an der Tankstelle. Ein Liter Superbenzin kostet mehr als 1,60 Euro. Schuld daran ist jedoch nicht nur der Iran, sondern auch die Euro-Krise.

Wie vor einem Jahr: 1,67 Euro kostete Ende April 2011 ein Liter Superbenzin in Berlin. Nun werden diese Rekordwerte wieder erreicht. dpa

Wie vor einem Jahr: 1,67 Euro kostete Ende April 2011 ein Liter Superbenzin in Berlin. Nun werden diese Rekordwerte wieder erreicht.

DüsseldorfSo teuer war eine Tankfüllung noch nie. Ein Liter Benzin kostet in der Spitze wieder über 1,60 Euro. Auch Diesel ist derzeit sehr teuer: Der Liter kostete am Freitag im Schnitt 1,50 Euro. Statistiken auf der Internetseite Benzinpreis.de zeigen, dass für einen Liter Super sogar das Spitzenniveau aus dem vergangenen Frühjahr bereits leicht übertroffen worden ist. Bereits das vergangene Jahr war das teuerste aller Zeiten für die Autofahrer. Und 2012 werde noch teurer, sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst (EID).

Anders als im vergangenen Jahr sind die hohen Preise jedoch auch hausgemacht. Hauptursache ist zwar, dass der Preis für Öl an den internationalen Märken immer schneller steigt. Allein seit Anfang Februar hat sich Brentöl um gut zehn Dollar verteuert. Erstmals seit Mitte 2011 kostet ein Barrel (159 Liter) wieder mehr als 120 Dollar. Damit befinden sich Ölpreise – in Dollar betrachtet – aber noch nicht einmal auf Rekordniveau. Das hatte der Preis

für die Sorte Brent hatte im Juli 2008 mit mehr als 140 Dollar erreicht.

Doch das ist nur die Rechnung in der amerikanischen Währung. Für Autofahrer in Europa ist außerdem entscheidend, wie sich der Euro gegenüber dem Dollar entwickelt hat. Hier ist seit Beginn der Finanzkrise ein starker Wertverfall festzustellen. Im Juli 2008 kostete ein Euro fast 1,60 Dollar, im Mai 2011 waren es knapp 1,50 Dollar und derzeit sind es nur noch 1,31 Dollar. Das ist ein Minus von fast 20 Prozent. 

So wehren sich Autofahrer gegen hohe Benzinpreise

Im Ausland tanken

In Polen und Österreich sind laut ADAC die Benzinpreise günstiger. Autofahrer, die nach Italien reisen, sollten noch in Österreich tanken. Geht die Reise weiter nach Kroatien, sollte man mit dem Tanken bis Slowenien oder Kroatien warten.

Nicht freitags tanken

Der ADAC hat den teuersten Wochentag analysiert: Das ist oft der Freitag. Der preiswerteste Tag ist meist Sonntag.

Niedrige Motordrehzahl

„Ein Wert von unter 2000 Umdrehungen ist ideal“, erklärt Norbert Hartmann vom Auto Club Europa (ACE). Bei Tempo 30 heißt das, in den dritten, bei 40 in den vierten und ab 50 in den höchsten Gang wechseln. „Beim Rollen des Autos unbedingt den Gang drin lassen und nicht die Kupplung treten“, rät Hartmann. „Geht man nur vom Gas, wechselt das Auto in den Schubbetrieb. Dadurch sinkt der Spritverbrauch auf null.“

Motor aus

Den Motor an einer Ampel auszuschalten, lohnt sich. Die Angst vieler Fahrer, der Motor nehme dadurch Schaden, sei unbegründet, erklärt ACE-Experte Norbert Hartmann. Allerdings muss man ihm trauen, denn er sagt selbst: „Es gibt keine Studie, die das belegt.“

Bei voraussichtlichen Standzeiten ab zehn Sekunden lohnt es sich, den Motor abzuschalten. Beim Anlassen kein Gas geben.

Kofferraum entrümpeln

Unnötiger Ballast im Auto ist ein echter Spritfresser, ebenso wie Dachgepäckträger vom letzten Ausflug. Schon eine Kofferraum-Zuladung von 100 Kilogramm bedeute für ein 1,5 Tonnen schweres Auto einen Mehrverbrauch von bis zu 6,7 Prozent. Auch für die Fenster gilt: Bei schneller Fahrt Luken dicht. Denn bei geöffneten Fenstern erhöht sich der Luftwiderstand.

Auf Mitfahrer setzen

Sparen lässt sich, indem man teilt. Im Trend liegen Car-Sharing-Angebote. So wird die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen auf neudeutsch bezeichnet. In vielen Großstädten gibt es schon diese Angebote. Beispiel: Drive Now in Berlin. Einmalige Aufnahmegebühr 29 Euro, dann pro gefahrene Minute 19 Cent (inkl. Sprit, Versicherung und Parken).

Für Autofahrer bedeuten diese Zahlen dennoch: Sie leiden doppelt. Der Benzinpreis steigt derzeit, weil Öl teurer wird und der Euro wegen der Finanzkrise billiger wird. In Euro gerechnet kostet Brent-Öl derzeit sogar so viel wie nie zuvor. Während ein Fass am 4. Juli 2008 schon für gut 89 Euro zu haben war, sind es derzeit mehr als 92 Euro. Ein Rekord.

Vor knapp einem Jahr, als die Benzinpreisdebatte zuletzt Politik und Kartellamt beschäftigte, war der Europreis für Brent-Öl hingegen vergleichsweise niedrig: knapp 78 Euro waren es Anfang Mai 2011. 

Kommentare (17)

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EuroHangover

17.02.2012, 15:52 Uhr

letztes mal wurde uns erzaehlt der starke Euro wuerde den Treibstoff so teuer machen.
In den deutschen Medien und Politik wird gelogen, dass sich die Balken biegen.

KritischerLeser

17.02.2012, 16:01 Uhr

Dabei hieß es, als der Wechselkurs bei 1,50€ lag, er sei zu hoch und schlecht für die Wirtschaft.
Ein Wechselkurs bei 1,30€ ist doch eigentlich ein realistischer Wechselkurs der mehr oder weniger Kaufkraftparität bietet.
Auch den Euro als "schwach" anzusehen ist eigentlich ein schlechter scherz.

hbleser

17.02.2012, 16:05 Uhr

Ach, alles Panikmache! Nach dem ich schon sooo sehr vom Euro profitiert habe, halte ich das schon mal aus (frei nach Claudia Roth)!
Hier, mein letztes Hemd! Bitte einen viertel Liter Super!

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