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07.11.2014

08:15 Uhr

Ölpreis sinkt weiter

Putin beklagt politische Preisgestaltung

Auch am Freitag sinken die Ölpreise. Die Opec sieht sich langfristig gegenüber Fracking-Öl aus den USA im Vorteil, doch kurzfristig bleiben die Preise im Keller. Das erzürnt Russlands Präsident Putin.

Der niedrige Ölpreis macht Russlands Präsidenten Putin zu schaffen: „Es wächst der Eindruck, dass die Politik bei der Preisgestaltung für Energieressourcen die führende Rolle spielt“. Reuters

Der niedrige Ölpreis macht Russlands Präsidenten Putin zu schaffen: „Es wächst der Eindruck, dass die Politik bei der Preisgestaltung für Energieressourcen die führende Rolle spielt“.

Singapur/MoskauDie Ölpreise haben am Freitag weiter nachgegeben. Händler führten eine Prognosesenkung des Ölkartells Opec als Begründung an. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 82,30 US-Dollar. Das waren 56 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI sank um 28 Cent auf 77,63 Dollar.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hatte am Vortag ihren Jahresbericht präsentiert. Darin senkte sie wegen des Schieferölbooms in den USA ihre Prognose für die zukünftige Nachfrage nach Opec-Rohöl. Ungeachtet des jüngsten Ölpreisverfalls rechnet die Opec in den kommenden Jahren aber mit einem Rohöl-Preis von etwa 110 US-Dollar pro Fass.

Nach Einschätzung des Ölkartells wird die US-Schieferölproduktion von 2018 an aber wieder abnehmen. Langfristig werde daher wieder hauptsächlich die Opec die weltweite Nachfrage decken müssen, hieß es. Für 2015 rechnet die Organisation mit einer weltweiten Nachfrage von 92,3 Millionen Barrel täglich – 2014 waren es 91,1 Millionen. Derzeit liefert die Opec rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion.

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht unterdessen hinter dem für sein Land schädlichen Ölpreis-Rückgang auch gezielte politische Einflussnahme. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit chinesischen Medien machte Putin zwar kein bestimmtes Land dafür verantwortlich. Er betonte aber, dass es neben der weltweiten Konjunkturabkühlung politische Gründe für den Rutsch des Ölpreises gebe. „In manchen Krisenmomenten wächst der Eindruck, dass die Politik bei der Preisgestaltung für Energieressourcen die führende Rolle spielt“, sagte Putin.

Welche Staaten über die größten Ölressourcen verfügen

Venezuela

konventionell: 3 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 62,3 Milliarden Tonnen

Kanada

konventionell: 3,5 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 51,2 Milliarden Tonnen

Russland

konventionell: 20 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 14,8 Milliarden Tonnen

USA

konventionell: 15,7 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 8,8 Milliarden Tonnen

China

konventionell: 16,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 4,5 Milliarden Tonnen

Brasilien

konventionell: 13 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 0,7 Milliarden Tonnen

Saudi Arabien

konventionell: 11,8 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Kasachstan

konventionell: 4 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 6,7 Milliarden Tonnen

Iran

konventionell: 7,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Irak

konventionell: 6,1 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Erläuterung

Die Auflistung zeigt die Top 10 Länder mit den größten konventionellen und nicht-konventionellen (Ölsand, Schwerstöl oder Schieferöl) Erdölressourcen im Jahr 2012. Erdölressourcen sind nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

Quelle: BGR Energiestudie 2013

Der Preis für russisches Öl ist - wie der Gesamtmarkt - seit Ende Juni um rund ein Viertel gefallen. Das bedeutet eine zusätzliche Schwächung für den Staatshaushalt und die russische Wirtschaft, die bereits die westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise zu verkraften hat. In manchen russischen Medien sprechen Kommentatoren von einem saudisch-amerikanischen Komplott gegen die Führung in Moskau.

Putin unterstrich die wachsende Bedeutung Asiens als Handelspartner für Russland. Der Präsident reist kommende Woche zum Gipfel der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nach Peking.

Kommentare (46)

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Frau Helga Trauen

07.11.2014, 08:25 Uhr

Die Amerikaner führen eben Krieg. Sie bringen Frieden, Freiheit und Wohlstand. Im Irak, in Libyen, in Afghanistan, in Syrien. Die "exzeptionelle Nation", diese völlig unentbehrlichen Einmischungen sind wirklich das Allerbeste, was die Welt braucht. Sie werden auch in Russland Wohlstand bringen, wenn es ihnen gelingt, das Land zu zerstückeln und im Auftrag der Russen dann dort die Bodenschätze ausbeuten können wie unter Jelzin, und das Geld in amerikanische Kassen fließen lassen. Das ist wirklich "exzeptionell"!
Ich wünsche Putin viel Glück und den Europäern die Weitsicht zu sehen, wie zerstörte Städte aussehen... So viel Dummheit, dabei mitzumachen, ist geradezu unerträglich. Schröder, Schmidt, Genscher, Kohl und andere sehen das genau so. Erika und der Gauckler sind nur extrem dumm... sie werden Deutschland zerstören.

Herr jürgen eulert

07.11.2014, 08:35 Uhr

Russen,
verabschiedet Putin und Konsorten ins hinterste Sibirien und alles wird gut!

Herr Sascha Kirfel

07.11.2014, 08:55 Uhr

Ja, so einfach ist das. Wenn ein Regierungschef nicht vor Obama+Co einknickt, dann wird er halt weggebombt. Falls er dafür zu mächtig ist, wird er halt wirtschaftlich in die Knie gezwungen. Die Frage ist nur, wer den längeren Atem und die vollere Kriegskasse hat.

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