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26.01.2016

15:29 Uhr

Ölpreis

Talfahrt beim Öl geht weiter

Nach der zwischenzeitlichen Erholung in der vergangenen Woche sind die Ölpreise wieder unter die Marke von 30 US-Dollar gefallen. Die Ratingagentur Fitch warnt vor Gefahren für die Konzerne aufgrund des Preisverfalls.

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Ölprognosen: Die Experten liegen falsch!

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FrankfurtIn der Hoffnung auf baldige Produktionskürzungen sind Anleger am Dienstag wieder in den Rohölmarkt eingestiegen. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee, die sich zuvor um bis zu vier Prozent verbilligt hatte, legte 1,8 Prozent auf 31,06 Dollar je Barrel zu.

Geschürt wurden diese Spekulationen von Aussagen des irakischen Ölministers Adel Abdel Mahdi. Es gebe "gewisse Flexibilität" für eine Einigung zwischen der Opec und den Nicht-Opec-Förderländern. „Wir werden sicher von allen Seiten solide Vorschläge hören.“ Als Schlüssel für ein Abkommen gilt Russland, dass in der Frage von Förderquoten bislang nicht mit der Opec kooperieren will.

„Ohne eine Einigung deutet alles auf weitere fallende Preise hin“, sagte Rohstoff-Experte David Hufton vom Erdöl-Broker PVM. „Mit einer Einigung kehrt Rohöl in den Bereich von 40 bis 60 Dollar zurück.“ Wegen des weltweiten Überangebots ist der Preis für das „schwarze Gold“ seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die Aussicht auf ein anhaltend hohes Angebot aus dem wichtigen Ölförderland Saudi-Arabien hatte bereits am Vortag die Preise gedrückt, nachdem diese sich zwischenzeitlich etwas erholt hatten. Der Chef des saudischen Ölmultis Aramco, Khalid Al-Falih, sagte, dass die Investitionen des Konzerns trotz des Ölpreisverfalls nicht gekürzt worden seien.

Hinzu kommen möglicherweise weiter steigende Rohöl-Lagerbestände in den USA. Experten rechnen mit einem Zuwachs um mehr als 4 Millionen Barrel im Vergleich zur Vorwoche. Damit wäre der Anstieg stärker als zuletzt. Die offiziellen Zahlen werden am Mittwoch veröffentlicht.

Am Freitag waren die Ölpreise noch jeweils über 32 Dollar gestiegen, nachdem sie in den Handelstagen zuvor mit deutlich unter 30 Dollar den tiefsten Stand seit 2003 erreicht hatten. Seit Monaten sorgt ein viel zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt in der Tendenz für fallende Ölpreise. Zur Ölschwemme trägt unter anderem bei, dass Saudi-Arabien mit hohen Fördermengen Konkurrenten aus dem Markt drängen will.

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Die Ratingagentur Fitch wies auf Gefahren für die Kreditbewertung führender Ölkonzerne durch die Talfahrt der Ölpreise hin. Im Fall einer längeren Phase mit niedrigen Ölpreisen müssten mehrere Unternehmen „sehr signifikante“ Sparmaßnahmen durchführen, um die aktuelle Kreditbewertung bis 2018 halten zu können, teilte Fitch mit. Zu den gefährdeten Unternehmen zählen die Experten unter anderem den Total-Konzern und den Ölmulti Royal Dutch Shell.

Fitch geht in den kommenden Jahren von einer langsamen Preiserholung aus. Für 2016 erwarten die Experten einen Preis von 45 Dollar je Barrel, im kommenden Jahr von 50 Dollar und in den Jahren darauf einen Preis von 55 Dollar.

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