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13.01.2015

20:14 Uhr

Ölpreis-Talfahrt

Brent und WTI brechen weiter ein

Die Ölpreise fallen weiter, seit dem Sommer schon um fast 60 Prozent. Die Opec bleibt hartnäckig – zuletzt bekräftigte Abu Dhabi Pläne zum Ausbau der Förderung. Experten rechnen damit, dass sich die Talfahrt fortsetzt.

Eine Ölförderplattform, die mittels des sogenannten Frackings arbeitet. Die arabischen Golfstaaten wollen mit niedrigen Preisen die Schieferöl-Produktion in den USA in die Enge treiben. dpa

Eine Ölförderplattform, die mittels des sogenannten Frackings arbeitet. Die arabischen Golfstaaten wollen mit niedrigen Preisen die Schieferöl-Produktion in den USA in die Enge treiben.

SingapurDas weltweite Überangebot und die schwächelnde Nachfrage haben dem Ölpreis am Dienstag erneut zugesetzt. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 4,7 Prozent auf 45,19 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit kostete Brent so wenig wie zuletzt während der Finanzkrise im Frühjahr 2009. Analysten sehen vorerst kein Ende der Talfahrt.

Ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 73 Cent auf 45,33 Dollar.

Bereits am Montag waren die Ölpreise um mehr als zwei Dollar gefallen. Seit dem vergangenen Sommer sind die Preise damit um fast 60 Prozent eingebrochen. Das Ölkartell Opec hat bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preissturz reagiert.

Vor allem die wichtigen Ölproduzenten vom arabischen Golf wollen der stark wachsenden Schieferölindustrie in den USA mit niedrigeren Preisen einen Schuss vor den Bug setzen. Am Montag bekräftigte ein Regierungsvertreter aus Abu Dhabi, dass das Emirat trotz der Preisentwicklung an seinen Plänen zum Ausbau der eigenen Ölproduktion festhalten wolle.

So lange sich an den Rahmenbedingungen nichts ändere, müsse mit einer Fortsetzung der Talfahrt gerechnet werden, schrieben die Analysten von Phillip Futures in einem Kommentar. Ein Hoffnungsschimmer waren Börsianern zufolge die anziehenden chinesischen Importe.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Sie überschritt im Dezember erstmals die Marke von sieben Millionen Barrel täglich. Insgesamt kaufte die aufstrebende Wirtschaftsmacht im vergangenen Monat 30,37 Millionen Barrel Rohöl und traf damit fast die Prognose von Thomson Reuters Oil Research and Forecasts.

Kommentare (2)

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Herr Peter Noack

13.01.2015, 12:20 Uhr

Kann es sein, dass der Ölpreis immer weiter sinkt und dennoch kein Ausgleich der Nachfrage zum Angebot eintritt? Nach welcher Wirtschaftswissenschaft ist das begründet?

Herr Rainer Winters

13.01.2015, 18:31 Uhr

Man muss halt schauen, wie stark bei einer Verlagerung auf Tanker das Risiko für Umweltschäden steigt. Meines Erachtens steht der aktuelle Preis - auch unter diesen Umständen - in keinstem Verhältnis zu den Produktionskosten. Eine gute Aufstellung über die unglaublichen Ölmengen, die kürzlich bei Unglücken ausgelaufen sind, zeigt http://analogo.de/2015/01/11/der-oelpreis-hinterfragt/

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