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01.02.2016

12:14 Uhr

Ölpreis und Aktien

Der Ölmarkt probt die Wende

VonIngo Narat

Der Jahresauftakt ging kräftig daneben. Im Januar stürzten Ölpreise und die Aktienkurse parallel ab. Ein solcher Gleichlauf der Märkte ist selten. Doch die Zeit der Doppelbelastung für Anleger dürfte bald vorbei sein.

Ähnlich auf und ab wie bei diesen Ölfördertürmen geht es 2016 beim Ölpreis. Nach seinem Fall auf unter 27 Dollar je Barrel hat sich der Preis für die Sorte Brent wieder auf über 35 Dollar erholt. Imago

Ölförderung in China

Ähnlich auf und ab wie bei diesen Ölfördertürmen geht es 2016 beim Ölpreis. Nach seinem Fall auf unter 27 Dollar je Barrel hat sich der Preis für die Sorte Brent wieder auf über 35 Dollar erholt.

Frankfurt am MainStellen Sie sich vor, Sie würden beim Ölkauf nichts bezahlen müssen. Der Verkäufer würde Ihnen sogar noch Geld dafür geben, dass er die Ware los ist. Das halten Sie für Utopie? Zumindest unter Ölanalysten spielten mit diesem Gedanken. Verrückte Welt? Die Stimmung muss katastrophal sein, wenn eine so irre Idee kursiert.

Im vergangenen April kostete ein Barrel des wichtigsten Energierohstoffs an den Terminmärkten noch über 70 Dollar je Barrel. Am 20. Januar waren die 159 Liter der Nordseemarke Brent für 27 Dollar zu haben. Es war das vorläufige Tief der Talfahrt. Preisschwankungen von mehreren Prozent am Tag waren die Regel. Der Markt schien außer Kontrolle.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Anleger sahen im Debakel ein Zeichen der schlechten Konjunkturlage in China und damit auch der globalen Wirtschaft. Andere sorgten sich um die Bonität von Anleiheemittenten wie Energieunternehmen Ölförderländern. Eine dritte Gruppe sorgte sich um die Zukunft der wichtigen Energiebranche in den USA. Zu guter Letzt könnten auch manche im Ölsektor engagierten Investoren zum Auflösen von Vermögensbeständen gezwungen sein.

Deshalb stürzten im Januar die Aktienkurse parallel zu den Ölpreisen. Der Deutsche Aktienindex beispielsweise verlor im Januar elf Prozent, vom Hoch im vergangenen April bis zum Tief vor zwei Wochen sogar 23 Prozent.

William de Viljder, Chefökonom der französischen Bank BNP Paribas, untersuchte den ungewöhnlichen Gleichklang. Das komme sehr selten vor, rechnete er aus. In der Vergangenheit hätten sich Öl und Aktien in solchen Fällen zügig entkoppelt, seien wieder unterschiedliche Wege gegangen.

Erste Anzeichen dafür könnte es bereits geben. Der Ölpreis scheint sich zu stabilisieren. Das Barrel der Nordseesorte Brent kostet inzwischen wieder mehr als 35 Dollar und damit ein Viertel mehr als am erwähnten Tief. Gestützt wird der Comeback-Versuch durch Spekulationen, dass Russland mit anderen Erdöl exportierenden Staaten über mögliche Produktionskürzungen reden will.

Kommentare (12)

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Herr C. Falk

01.02.2016, 12:51 Uhr

"Der Ölmarkt probt die Wende"

Proben wir mal als kommentierende Leser der "Zwergenaufstand" an der Meinungsfront zu nicht kommentierbaren Artikeln in Sachen Frau Petry.

Was hat Frau Petry gesagt und was wurde und wird daraus gemacht?

Petry , " Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf Flüchtlinge schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. ($ 11 UZwG, Schußwaffengebrauch im Grenzdienst)
Entscheidend ist, dass wir es soweit nicht kommen lassen und durch Abkommen mit Östereich und kontrollen an den EU-Außengrenzen den Flüchtlingsstrom begrenzen."

Daraus wurde gemacht, "Petry will auf Flüchtlinge schießen", also das genaue Gegenteil von dem, was Frau Petry gesagt hat, wenn sie in Sorge war, dass es zum Einsatz von Schußwaffen kommen könnte, gemäß der Gesetzeslage bei illegalen Grenzübertritten.

Account gelöscht!

01.02.2016, 13:23 Uhr

Der Ölmarkt probt die Wende"
Das ist eine Falle, die Perser drängen in den Markt und die Lager sind voll. Es spricht einiges für einen Ölpreis unter 30 Euro.

Herr Michael Müller

01.02.2016, 13:24 Uhr

Völlig richtig!

Im Rahmen der Wahlpropaganda wird hier mit allen Mitteln Stimmung gegen die einzige Alternative gemacht.

Interessant, dass sich auch die "Linken" gegen den Schießbefehl stellen. Dabei hat die Vorgängerpartei der "Linken" doch das eigene Volk an der Grenze (DDR!) auf der Flucht in den Rücken geschossen! Das die sich überhaupt trauen den Mund aufzumachen!

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