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24.06.2013

14:07 Uhr

Ölpreis unter Druck

Brent fällt unter 100-Dollar-Marke

Die Verunsicherung am chinesischen Geldmarkt hat zu Wochenbeginn die Rohstoffpreise belastet. Händler spekulieren zudem auf eine geringere Nachfrage aus China. Der Brent-Preis fiel zeitweise unter 100 Dollar.

Die Situation in der chinesischen Wirtschaft beeinflusst den Ölpreis. dpa

Die Situation in der chinesischen Wirtschaft beeinflusst den Ölpreis.

Singapur/FrankfurtEin steigender Dollar und die Furcht vor einer geringeren Nachfrage aus den USA und China drücken den Preis für Brent, der zeitweise unter die Marke von 100 Dollar fiel. Ein Barrel der Ölsorte verbilligte sich im frühen Handel um 1,1 Prozent auf 99,85 Dollar. Der Brent-Ölpreis fing sich allerdings wieder und kostet aktuell 100,46 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung sank um 19 Cent auf 93,50 Dollar.

Die Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung in China belasteten die Ölpreise, sagten Händler. Die jüngsten Engpässe am chinesischen Geldmarkt sorgen bereits seit Tagen für Verunsicherung und haben am Montag auch die asiatischen Aktienmärkte belastet. Zudem hat die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Wachstumsprognose für China gesenkt. Angesichts der Lage in China sei der Syrien-Konflikt am Ölmarkt in den Hintergrund getreten, sagten Händler.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Kupfer leide ganz besonders unter der Furcht der Anleger vor einem Liquiditätsengpass, sagte Rohstoff-Expertin Helen Lau von UOB-Kay Hian Securities. „Das bringt die Kupfer-Verarbeiter in Schwierigkeiten, die sich von den Banken Geld leihen müssen, um das Metall einzukaufen.”

Das Industriemetall notierte zeitweise 2,6 Prozent schwächer bei 6640,50 Dollar je Tonne und war damit so billig wie zuletzt im Oktober 2011. Der chinesische Terminkontrakt fiel in der Spitze um 2,5 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 47.900 Yuan (7803 Dollar) je Tonne.

China ist weltweit die Nummer eins beim Kupfer-Verbrauch. Die dortige Zentralbank will die Finanzmärkte nicht weiter mit billigem Notenbank-Geld fluten. Weitere Konjunkturspritzen der People's Bank of China (PBoC) seien bis auf weiteres nicht zu erwarten, da China seine Wirtschaft von Exporten unabhängiger machen und deshalb den heimischen Konsum stärken wolle, betonte Analyst Lee Chen Hoay von Phillip Futures. „Dies wird voraussichtlich Auswirkungen auf die Industrieproduktion haben. Daher muss in der zweiten Jahreshälfte mit einer weiteren Senkung der Prognosen für den chinesischen Ölbedarf gerechnet werden.” Mitte Juni hatte die Internationale Energieagentur IEA ihre Vorhersage für den Nachfrage-Anstieg 2013 des nach den USA weltweit zweitgrößten Öl-Verbrauchers auf 3,8 von 3,9 Prozent zurückgenommen.

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