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04.02.2015

10:15 Uhr

Ölpreis

US-Investoren droht Milliardenverlust

Als der Ölpreis über 90 Dollar pro Barrel betrug, wurden Milliarden in die US-Produktion des Rohstoffs gesteckt. Der aktuelle Ölpreis gefährdet diese Gelder. Vor allem Banken in Ölförderregionen wären betroffen.

Die Milliarden-Investitionen in die Ölindustrie in den letzten Jahren, sind bei dem aktuellen Preis in Gefahr. 1,4 Billionen Dollar sind in den letzten Jahren in Öl und Gas geflossen. AFP

Die Milliarden-Investitionen in die Ölindustrie in den letzten Jahren, sind bei dem aktuellen Preis in Gefahr. 1,4 Billionen Dollar sind in den letzten Jahren in Öl und Gas geflossen.

New YorkInvestoren haben in den vergangenen fünf Jahren rund 1,4 Billionen Dollar (1,24 Billionen Euro) in die Öl- und Gasbranche der USA gesteckt. In dieser Periode lag der Ölpreis bei durchschnittlich über 91 Dollar je Barrel. Der Investitionsschub trug dazu bei, die US-Rohölförderung auf den höchsten Stand in über 30 Jahren zu treiben, zeigen Bloomberg- Daten.

Mittlerweile sind die Ölpreisnotierungen zeitweise unter 46 Dollar je Barrel gesunken. Jeglicher Euphorie angesichts niedrigerer Energiepreise stehen Verluste gegenüber, die in Investmentfonds, Rentensparplänen und Bankbilanzen, Gewinne schmälern. Die von der Talfahrt am Ölmarkt ausgelöste Wertvernichtung summiert sich seit Juni auf insgesamt 393 Milliarden Dollar (347 Milliarden Euro).

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

353 Milliarden Dollar entfallen auf Kursverluste von 76 Unternehmen, die im Bloomberg Intelligence North America Exploration & Production Index enthalten sind, weitere knapp 40 Milliarden Dollar entfallen auf Kursverluste bei Hochzinsanleihen, die von US-Schiefergasförderern emittiert worden sind, wie aus einem Bloomberg Index hervorgeht.

„Das einzige, was die Leute derzeit wahrnehmen, sind die fallenden Benzinpreise“, sagte Sean Wheeler, Co-Vorsitzender des Branchenteams für den Öl- und Gassektor bei der Anwaltskanzlei bei Latham & Watkins in Houston. Bislang hätten die Leute noch nicht gemerkt, dass auch ihre Portfolios davon betroffen seien, ergänzt Wheeler.

Die Mittelzuflüsse in den Öl- und Gassektor weltweit wurden aus unterschiedlichsten Quellen gespeist. Die Branche hat in den vergangenen fünf Jahren Joint-Ventures, Investments und Abspaltungen im Volumen von 286 Milliarden Dollar auf den Weg gebracht, im Zuge von Börsengängen und Aktiennotierungen flossen 353 Milliarden Dollar zu. Durch die Emission von Anleihen sowie durch Kredite wurden 786 Milliarden Dollar erlöst.

Kommentare (11)

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Frau Helga Trauen

04.02.2015, 10:50 Uhr

Man kann eben nicht alles haben, der Ölpreis als Waffe gegen Putin richtet sich jetzt eben auch gegen diejenigen, die diese Waffe zückten. Entzückend!

Beo Bachter

04.02.2015, 11:01 Uhr

Ganz Meiner Meinung! Der Krieg kehrt in Orks Own Country nach Mordor zurück, wo er ausgeheckt wurde. Und der "US-Medeien-Volkssturm" im Handelsblatt wird es wohl als letzter bemerken, wenn man die heutigen spalterischen Angstmacher-Schlagzeilen, die gute Kontakte zwischen Griechenland und Russland verteufeln und Angst vor Frieden machen wollen.

Passt ins Bild: Saudi-Arabien hat (wenn das keine russische Propaganda ist - macht mal Eure Arbeit Handelsblatt!!!) heute Russland einen höheren Ölpreis angeboten, wenn sie Assad fallen lassen.

Herr Helmut Metz

04.02.2015, 11:59 Uhr

Wo sind jetzt hier die Promotorern des Fracking-Wahnsinns geblieben??
Ich habe hier bereits vor einigen Monaten geschrieben, dass stark sinkende Erdölpreise als Allererstes die Produzenten mit hohen Förderkosetn umbringen werden: und das ist nun einmal die Fracking-Industrie. Saudi-Arabien und auch Russland können mit die tiefsten Erdölpreise aushalten, weshalb neben den Scheichs ja auch Nicht-OPEC-Mitglied Russland keine Reduzierung der Fördermengen beabsichtigt. Und die Russen wissen natürlich ganz genau, wieso. ;-)
Zudem killt der wegen der vorherrschenden Deflation (Peripherie -> Core Fluchtbewegungen) starke US-Dollar sukzessive auch noch zusätzlich die US-Exportindustrie.
Den Amis können nur hoffen, dass deren mächtige Öllobby den eher erdöl-affinen Republikanern die Hölle heiß macht, um dann ihrerseits "Lame-Duck" Obama den Marsch zu blasen - ansonsten ist bald nämlich Schicht im (Fracking-)Schacht...

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