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04.12.2014

09:01 Uhr

Ölpreis-Verfall

Saudis rechnen mit Absturz auf 60 Dollar

Der Ölpreis ist seit dem Sommer um 40 Prozent gesunken - und könnte noch weiter fallen. Der wichtigste Ölproduzent rechnet mit einem Verfall auf 60 Dollar. Dann könnte die Opec jedoch schnell handeln.

Opec will Förderung nicht drosseln

Ölpreisverfall: Glücksgefühle an der Tankstelle

Opec will Förderung nicht drosseln: Ölpreisverfall: Glücksgefühle an der Tankstelle

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FrankfurtSaudi-Arabien stellt sich darauf ein, dass der Ölpreis um weitere zehn Dollar je Barrel (159 Liter) fallen könnte. Der größte Produzent der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) geht davon aus, dass sich der Preis bei 60 Dollar stabilisieren wird, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider.

Das wäre ein Niveau, mit dem sowohl die Saudis als auch andere Produzenten am Persischen Golf leben könnten, schreibt die Zeitung. Die Golfstaaten hätten zwar kein Preisziel, doch wenn die Preise unter 60 Dollar fallen sollten, könne sich das schnell ändern.

Seit Ende Juni ist der Ölpreis um 40 Prozent gefallen. Zeitweise kostete ein ein Barrel der Nordseesorte Brent weniger als 70 Dollar – das war der tiefste Stand seit fünf Jahren. Grund für den Preisverfall: Die zunehmende Produktion von Schieferöl in den USA führt zu einem Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt und drückt die Preise.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Trotzdem hatte die Opec hat auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche entschieden, dass sie die Förderung nicht einschränken wird. Einige Opec-Mitglieder wie Venezuela und Iran hatten auf eine Förderkürzung gedrängt, um das Angebot zu verknappen. Diese Länder sind stark von den Einnahmen aus dem Öl-Geschäft abhängig. Die arabischen Staaten, allen voran Saudi-Arabien, lehnten jedoch eine Kürzung ab.

Experten vermuten dahinter einen Preiskampf, der auf die Konkurrenz in den USA abzielt. Die Schieferöl-Produktion in den Vereinigten Staaten lohnt sich nur, wenn Öl teuer ist. Sollte der Ölpreis weiter fallen, so schätzen Kenner, könnte ein Teil der neuen Produktion in den USA unprofitabel werden.

Inzwischen haben sich die Preise etwas stabilisiert. Am Donnerstag kostete Brent 70,27 US-Dollar und damit 35 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 48 Cent auf 67,86 Dollar.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

04.12.2014, 09:49 Uhr

Das nennt man MARKTWIRTSCHAFT....freies Angebot trifft auf die freie Nachfrage zum Wohle des Verbraucher.
Nun müssen wir nur noch den gierigen Staat mit seinen 50% Anteil am Benzin-Energiepreis in seine Schranken weisen und schon sind wir auf dem Besten Weg in eine freie und wohlhafte Marktgesellschaft.
Aber mit der grünsozialistischen Energieverteuerungsideologie....die Energie in Deutschland ist ja für unserer Politiker immer so zu billig und deswegen erlassen wir weiter Gesetze und Verordnungen, die dem Marktwirtschaftlichen billigen Energiepreis entgegenwirken.
Das Wohl des Volkes und die freie Markwirtschaft ist dieser grünsozialistischen deutschen Merkel Regierung egal...die wollen den Sozialismus/Kommunismus nach Deutschland zurückholen!

Herr wulff baer

04.12.2014, 10:41 Uhr

@Herr Hoffmann,
ich wohne auf dem Land und sehe als Rentner nur dann noch meine Tankstelle, wenn wie gestern, der Diesel-Preis auf 1,20 € gefallen ist.

Dank Internet-Preisvergleichen mit bis zu 20 Cent Ersparnis kann man seine Spritkosten und damit auch die unverschämten grün-sozialistischen Spinner-Steuern darauf, wirklich senken.

95% meiner Einkäufe (ohne Lebensmittel) decke ich über das vielgeschmähte Universalkaufhaus Amazon.
Mein Postbote denkt schon an Frührente, so gebeugt kommt er daher.

Den Schwarz-Rot-Rot-Grünen Enteignungsblock können wir ja abwählen, wenn wirs mit unserem Protest ernst meinen.

Denn dann könnten wir auch die Pleite- und Transfer-Union abschaffen. Oder?

Herr Teito Klein

04.12.2014, 14:18 Uhr

Eine gute Nachricht für den Verbraucher, eine schlechte Nachricht für Putin
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Warlord Putin rechnete mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 104 USD/Barrel für 2014. Jetzt könnte er auf unter 60 USD fallen. Das ist schlecht für ihn.

Das Gleiche gilt auch für "Raffzahn" Schäuble. Die Mineralölsteuer ist zwar fix, aber er verliert mehrere Milliarden durch die MwSt.

Und auch Venezuela ist nicht glücklich vom Preisverfall.

Und das Fracking in den USA wird unrentabel. Es lohnt sich nur bei einem Ölpreis von über 80 USD/Barrel.
Da steht wohl eine Pleitewelle bevor.

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