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18.04.2013

14:07 Uhr

Ölpreis-Verfall

„Uns stehen weitere schwere Zeiten bevor“

Die Talfahrt des Ölpreises verlangsamt sich – am Nachmittag zogen die Preise wieder leicht an. Ein Rückgang der US-Ölreserven stützt die Märkte – doch Experten bleiben skeptisch. Zu groß sind die Konjunktursorgen.

Ölförderanlagen in Venezuela. Die Rohstoffmärkte belastet die Sorge vor sinkender Nachfrage. ap

Ölförderanlagen in Venezuela. Die Rohstoffmärkte belastet die Sorge vor sinkender Nachfrage.

Frankfurt/SingapurDie Ölpreise haben am Donnerstag nach anfänglichen Verlusten wieder angezogen. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am frühen Nachmittag mit rund 99 Dollar 1,3 Prozent mehr als am Vorabend. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte mit 87,91 Dollar 1,4 Prozent im Plus. Allerdings sprachen Händler von einer technischen Erholung. Der Preisrückgang um zehn Prozent seit Monatsbeginn sei übertrieben, hieß es. Noch am Morgen war Brent um ein Prozent auf ein neues Neun-Monats-Tief von 96,75 Dollar gerutscht. Wie nachhaltig die Erholung sei, bleibe abzuwarten. Möglicherweise könnten nur Förderkürzungen der Opec einen stärkeren Preisverfall verhindern, erklärten einige Händler.

Die Analysten der Commerzbank verweisen in ihrem Tageskommentar auf die Nachfragesorgen nach zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den beiden wichtigsten Ölverbrauchsländern USA und China. Dieser gehe zudem mit dem Anstieg der US-Ölproduktion auf das höchste Niveau seit Juli 1992 einher, was auf die Marktstimmung drücke. "Im Zuge dessen dürften weitere Finanzanleger aus dem Ölmarkt aussteigen, was den Preisrückgang verstärkt", schlussfolgerten die Experten. Die Analysten der Bank of America/Merril Lynch schließen nicht aus, dass der Brent-Preis noch unter 95 Dollar sinken wird.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

Viel Verbrauch...

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.

...und wenig Angebot

Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

13 Prozent

beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.

40 Prozent

der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

30 Prozent mehr

als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der Uno unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

465 Prozent Gesamtrendite

konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.

„Der Markt ist wieder zu der Erkenntnis zurückgekehrt, dass sich Änderungen beim Wachstum und dem Bruttoinlandsprodukt in schwächerer Nachfrage niederschlagen müssen”, sagte Jonathan Barratt vom Rohstoff-Newsletter Barratt's Bulletin in Sydney zu Bloomberg. „Uns stehen weitere schwere Zeiten bevor.”

Die Opec-Länder müssten die Einberufung einer Sondersitzung diskutieren, sollte der Ölpreis länger unter 100 Dollar bleiben, forderte der iranische Ölminister Rostam Qasemi am Mittwoch. Bislang hat sein Vorschlag aber wenig Widerhall im Kartell gefunden. Die nächste reguläre Opec-Sitzung findet am 31. Mai statt. "Solange es von Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten kein Signal für eine Angebotskürzung gibt, dürfte der Ölpreis weiter fallen", sagten unterdessen die Analysten der Commerzbank voraus.

Kommentare (18)

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HofmannM

18.04.2013, 09:21 Uhr

Fracking macht es möglich!
Auch Indien steigt in den nächsten drei Jahren groß in das Fracking ein. Somit machen sich die großen Volkswirtschaften der Welt zu sehends unabhängig von Import-Oil. Der Preisrückgang beim Rohoel wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.
Nur im ökosozialistisch diktierten Europa-Deutschland verachten wir die Unabhängigkeit der Frackingmethode und setzen lieber auf die Abhängigkeit von Russland,den Arabischen Ländern. Weiterhin betreiben wir eine Abhängigkeit der der Stromerzeugung. Wir machen uns mit den Erneuerbaren Energien zu sehends abhängig von den Launen der Natur und damit auch weiterhin von Russland. Stichwort Gaslieferungen.
Europa-Deutschland hat den Anschluss an die Zukunft/Innovation verloren und schläft weiterhin einen diktierten sozialen Ökologie-Tiefschlaf!!!
Das Aufwachen wird wohl mit sehr starken Kopfschmerzen und Mangelerscheinungen erfolgen! Die Politik hat es verbockt und der Bürger darf es wieder einmal ausbaden!

Account gelöscht!

18.04.2013, 09:37 Uhr

Draghis „Religion“: Die Löhne müssen runter !

Nun - Draghis Überrumpelung Hollandes bestand in einem arglistigen Trick, der sicher nicht unter „Versehen“ oder politischer Naivität abzubuchen ist. Der stets arrogante EZB-Chef hat einfach Äpfel mit Kürbissen verglichen, indem er die Produktivität r e a l berechnete (also inflationsbereinigt) – die Lohnentwicklung jedoch n o m i n e l l dieser in der Grafik gegenüberstellte: das Ergebnis führte zu einer Darstellung, die die Lohnsteigerung „explosiv ansteigend“ darstellte – währenddessen sich die Produktivität gemächlich entwickelte. Besonders gravierend ist dies im direkten Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen, was zu einigen giftigen Kommentaren der „wohlgefühlten Ökonomen-Journaille“ querbeet durch die deutsche Medienlandschaft führte und Frankreich umgehend als DAS Problem der Eurozone an die Wand genagelt wurde.

http://ow.ly/k939g

Energystar

18.04.2013, 09:50 Uhr

@HofmannM

Man merkt, dass Ihre Ideologie bereits Ausfallerscheinungen zu einer realistischen Einschätzung wirtschaftlicher Zusammenhänge führt. Sie gesellen sich damit zu Forenmitglied Vandale.

Aber nun zu Ihrem Kommentar. Fracking ist erstens nicht das "Mittel" zu einer langfristigen Kostenreduktion am Energiemarkt. Zweitens sind wird gut beraten dass Fracking solange wie möglich hinauszuzögern. Lassen wir die Ölpreise doch einfach Dank Fracking, wie sie behaupten, rückläufig sein und profitieren von den gesunkenen Preise, möglichst viele Jahre. Nur viele Jahre werden es nicht werden, weil Fracking nicht das erwartete Potenzial zeigt.

Wenn die Preise dann in 10 oder 15 Jahren wieder anziehen, weil die Fracking-Reserven in anderen Ländern zur Neige gehen, können wir hier bei uns beginnen. Können auf die Erfahrungen zugreifen und sind gleichzeitig unabhängig. Obendrein wird es den Konzernen, die dann bei uns das Fracking-Geschäft betreiben, satte Gewinne in die Kassen spülen (nach Ihrer Philosophie) und zu soliden Steuereinnahmen führen.

Das isnd doch rosige Aussichten, wenn wir heute langfristig auf das Fracking bei uns verzichten. Verabschieden Sie sich endlich von Ihrem "oekoreligösen" Feldzug gegen alles, was nicht strahlt.

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