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01.11.2016

17:51 Uhr

Ölpreise

Den Worten der Opec folgen keine Taten

VonMatthias Streit

Die Opec will mit aller Macht seine Ölförderkürzung durchsetzen. Doch die Skepsis daran nimmt zu. Spekulanten wetten wieder auf fallende Preise. Und selbst die Opec schlägt erneut einen Förderrekord.

Gelingt es dem zerstrittenen Ölkartell, sich zusammenzuraufen? Reuters

Logo der OPEC

Gelingt es dem zerstrittenen Ölkartell, sich zusammenzuraufen?

FrankfurtDer Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) läuft die Zeit für ihr geplantes Abkommen über eine Ölförderkürzung davon. Vor einem Monat hatte das Ölkartell den Plan verkündet. In einem Monat sollen die Details ausgehandelt werden. Doch allem Opec-Optimismus zum Trotz: Statt Fortschritten erleidet das Vorhaben vor allem Rückschritte.

Den jüngsten musste die Opec am Wochenende hinnehmen: In Wien traf sich das Kartell mit einigen wichtigen Nicht-Opec-Ländern wie Aserbaidschan, Kasachstan, Mexiko, Oman, Russland und Brasilien. Zum Auftakt hatte Opec-Generalsekretär Sanusi Barkindo noch beschworen: „Nur gemeinsam kommen wir vorwärts. Wenn wir uns dessen bewusst sind, bin ich guter Dinge, dass das Resultat dieses Treffens positiv sein wird.“

Doch selbst in insgesamt achtzehn Stunden der Gespräche konnten die Parteien keinen Konsens finden. Der Ölpreis steigt am Dienstag zwar wieder leicht. Doch bei 48,84 Dollar je Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notiert der Rohstoff so günstig wie seit der Verkündung der Förderkürzung nicht mehr. Seit seinem Hoch von über 53 Dollar hat sich der Rohstoff wieder um viereinhalb Dollar verbilligt.

Dass der Preis so stark einbrach liegt nicht zuletzt an der Produktion der Opec. „Dank einer höheren Förderung in Libyen und Nigeria produzierte das Ölkartell im Oktober laut einer Reuters-Umfrage mit 33,8 Millionen Barrel rund 800.000 Barrel pro Tag über dem angekündigten Zielkorridor“, erklären die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Die erklärte Absicht ist es jedoch, künftig nur noch 32,5 bis 33 Millionen Fass täglich zu pumpen. Das zeigt: Zwar sprechen die Ölmächte über eine Kürzung. Doch den Worten folgen bislang keine Taten. Im Moment pumpt die Opec so viel Öl aus dem Boden wie nie zuvor.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Den Glauben an ein Opec-Abkommen scheint auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs zu verlieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal die Lagerbestände erfolgreich sinke, seien gering, schrieben Analysten der Bank in einem Kommentar. Scheitern die Gespräche sieht Goldman Sachs den Ölpreis nahe 40 Dollar fallen.

Selbst bei den Spekulanten, die nach der Absichtserklärung der Opec zunächst noch überzeugt waren, dreht die Stimmung. Erstmals seit Ende Mai weiteten sie wieder ihre Wetten auf fallende Preise aus und verstärken damit den Abwärtstrend beim Ölpreis.

Am Wochenende war es ein altes Problem, das die Opec-Gespräche zum Scheitern brachte: Meinungsverschiedenheiten mit dem Iran gewesen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet und sich auf einen Insider beruft. Seit Monaten ist das Land mit Saudi-Arabien, dem wichtigsten Förderland der Opec und Treiber der Kürzungsstrategie, im Zwist. Der Iran besteht darauf, seine Produktion auszuweiten. Damit ist das Land nicht allein. Auch Libyen, Nigeria und der Irak fordern, von der Kürzung ausgenommen zu werden – insgesamt also vier von 14 Staaten.

Vor dieser Ungewissheit, wer überhaupt welche Last innerhalb des Ölkartells tragen soll, halten sich die Nicht-Opec-Staaten mit Zusagen zurück. In drei Wochen wollen sie sich nun noch einmal mit dem Ölkartell treffen – in der Hoffnung, genauere Zusagen von der Opec zu erhalten. Zuletzt erklärte sich Russland bereit, seine Förderung zu kürzen – sofern die Opec ihren Plan auch wirklich in die Tat umsetzt.

„Die Gespräche zwischen der Opec und Nicht-Opec-Staaten sollten eigentlich den Glauben in ein Kürzungsabkommen stärken. Stattdessen haben sie die Skepsis befeuert“, kommentieren die Analysten von Morgan Stanley. „Scheitert die Opec an einem Abkommen Ende November, könnte eine deutliche Preiskorrektur folgen. Und das weiß die Opec auch.“

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