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01.02.2016

17:27 Uhr

Ölpreise

Der Markt für Öl rutscht erneut ab

Die Spekulationen auf Kürzungen bei der Ölförderungen verpuffen. Der zuletzt erholte Ölpreis der Sorte Brent fällt erneut unter 35 Dollar. Die Krisenwährung Gold hingegen profitiert mit einem Aufwärtstrend.

Nach einer kurzen Erholungsphase fällt der Ölpreis am Montag wieder. dpa

Ölförderung

Nach einer kurzen Erholungsphase fällt der Ölpreis am Montag wieder.

Frankfurt am MainAngesichts schwacher Daten aus China haben die Ölpreise am Montag ihre Talfahrt vom Jahresanfang wieder aufgenommen. Zudem belastete, dass die jüngsten Spekulationen auf Förderkürzungen zurückgingen. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich zeitweise um 4,4 Prozent auf 34,42 Dollar je Fass (159 Liter). US-Leichtöl WTI verlor 5,2 Prozent auf 31,87 Dollar. Beide Sorten hatten im Januar mit Preisen unter 30 Dollar Zwölf-Jahres-Tiefstände erreicht. „Die schwachen Daten aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft haben daran erinnert, dass Öl nicht nur wegen des Überangebots, sondern auch von der Nachfrage-Seite her unter Druck steht“, sagte ein Händler. Im Gegenzug zog der Goldpreis an.

Die Ölpreise büßten damit einen Teil ihrer Gewinne der letzten Woche ein. Auslöser der Verkäufe war zum einen der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex für die Industrie, der im Januar überraschend stark sank. Zum anderen zeichnete sich am Wochenende ab, dass die in der vergangenen Woche von Russland zur Sprache gebrachte Zusammenarbeit des Landes mit der Opec zur Förderkürzung eher unwahrscheinlich ist.

„Wir rechnen nicht mit einer solchen Kürzung, es sei denn, die Weltwirtschaft würde sich massiv vom aktuellen Niveau abschwächen“, erklärten die Analysten von Goldman Sachs. Das sei aber nicht zu erwarten. Am Wochenende ließ Saudi-Arabien durchblicken, dass das Königreich – anders als von russischer Seite zuvor kolportiert – keine Förderkürzungen vorgeschlagen hat. Wegen des weltweiten Überangebots ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent gefallen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Zeitweise geriet auch der Preis für das Industriemetall Kupfer stark unter Druck. Eine Tonne verbilligte sich um bis zu 1,4 Prozent auf 4496,50 Dollar. Kein Land braucht derzeit so viel Kupfer wie China. Das Metall wird vor allem im Bau benötigt. Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft könnte sich zwar in einer geringeren Nachfrage nach Rohstoffen im Allgemeinen und Metallen im Speziellen niederschlagen, erklärten die Analysten der Commerzbank. „Infrastrukturmaßnahmen der chinesischen Regierung wie zum Beispiel der Bau von Eisenbahnlinien sollten aber verhindern, dass die Nachfrage stärker zurückgeht.“ Am Nachmittag lag der Kupferpreis noch 0,4 Prozent niedriger.

Ölpreis und Aktien: Der Ölmarkt probt die Wende

Ölpreis und Aktien

Der Ölmarkt probt die Wende

Der Jahresauftakt ging kräftig daneben. Im Januar stürzten Ölpreise und die Aktienkurse parallel ab. Ein solcher Gleichlauf der Märkte ist selten. Doch die Zeit der Doppelbelastung für Anleger dürfte bald vorbei sein.

Im Gegenzug zu den fallenden Preisen für Kupfer und Öl zog der Goldpreis um ein Prozent auf 1128,70 Dollar je Feinunze an. Damit kostete das gerne als Krisenwährung benutzte Edelmetall so viel wie seit Anfang November nicht mehr.

Von

rtr

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