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28.01.2016

16:25 Uhr

Ölpreise, Russland und die Saudis

Endet die Talfahrt endlich?

Erst hatten die Ölpreise das höchste Niveau seit zwei Wochen erreicht, dann sind sie heftig gefallen. Aktuell verteuert sich der Barrel von Brent und WTI wieder – Saudi-Arabien plant die Drosselung der Ölproduktion.

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Singapur/ St. PetersburgDie Ölpreise schwanken am Donnerstag. Nachdem am Morgen ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent noch 32,72 US-Dollar gekostet hat, stieg der Preis am Nachmittag auf 34,75 Dollar. Für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stiegen die Kosten von 31,87 Dollar auf 35,90.

Der Grund für das Auf und Ab: Saudi-Arabien hat dem russischen Energieminister Alexander Nowak zufolge angesichts des latenten Preisverfalls eine Drosselung der Ölproduktion vorgeschlagen. Demnach sollen die Förderländer ihren Ausstoß um jeweils bis zu fünf Prozent drücken, sagte Nowak am Donnerstag. Die von Saudi-Arabien dominierte Organisation erdölexportierender Länder (Opec) plane für Februar ein Treffen, zu dem auch Nicht-Mitglieder wie Russland eingeladen würden. Es gehe dabei um Beratungen zum Ölpreis und zu Möglichkeiten, die Fördermengen zu koordinieren, so Nowak.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Ein weltweites Überangebot an Öl drückt nach Einschätzung von Experten derzeit die Preise. In Russland hat der heftige Preisabsturz in den vergangenen Monaten eine schwere Wirtschaftskrise verschärft. Der Handel mit Öl und Gas ist der wichtigste Stützpfeiler der russischen Volkswirtschaft. Der Minister betonte, für Russland seien Gespräche mit der Opec zweckmäßig.

Noch am Vortag hatten trotz des überraschend deutlichen Anstiegs der Ölreserven in den USA die Preise das höchste Niveau seit mehr als zwei Wochen erreicht. Die Lagerbestände waren mit 8,4 Millionen Barrel auf 494,9 Millionen Barrel fast doppelt so stark gestiegen wie erwartet. Das Nordseeöl kostete zwischenzeitlich bis zu 33,49 Dollar, US-Öl bis zu 32,84 Dollar. Nach einer monatelangen Talfahrt befinden sich die Preise aber im längerfristigen Vergleich weiterhin auf extrem niedrigen Niveau.

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Analysten äußerten sich skeptisch über die Erfolgsaussichten eines solchen Unterfangens. „Jeder wartet auf den anderen, mit der Förderung herunterzufahren“, sagte Andrew Lipow von Lipow Oil Associates. Zudem dürften die geopolitischen Faktoren im Nahen Osten eine wichtigere Rolle spielen als der Wunsch einzelner Länder nach einem höheren Preis.

Das derzeit produzierte Überangebot an Öl liegt nach Angaben eines saudi-arabischen Regierungsvertreters derzeit bei rund zwei Millionen Fässern am Tag. „Daher wird es etwas Zeit brauchen, bis sich der Markt wieder eingependelt hat“, sagte Aabed A. Al-Saadoun, stellvertretender Minister für Unternehmensangelegenheiten im Ministerium für Erdöl und andere Bodenschätze. Aber seine Regierung habe den Eindruck, dass sich Nachfrage und Angebot im laufenden Jahr wieder ausgleichen würden. Die Nachfrage nach Energie in allen Formen werde zunehmen.

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