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23.12.2014

11:24 Uhr

Ölpreise

Saudi-Arabien bringt Förderländer in Bedrängnis

Die Ölpreise sinken – und Saudi-Arabien geht in die Offensive: Das Land will nicht mehr wie früher die Fördermenge kürzen. Nicht einmal, wenn der Preis weiter fällt. Ein Gebaren, das die Konkurrenz unter Druck setzt.

Er macht eine scharfe Ansage: Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi lehnt Förderkürzungen kategorisch ab. AFP

Er macht eine scharfe Ansage: Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi lehnt Förderkürzungen kategorisch ab.

Abu DhabiSaudi-Arabien ist das Ölförderland Nummer eins – weshalb die Worte seines Ölministers von besonderem Gewicht sind. Umso hellhöriger machen die Sätze, mit denen der Branchendienst Middle East Economic Survey Ali Al-Naimi zitiert. Demnach sagte der Ölminister, dass auch ein weiterer Absturz des Ölpreises kein Grund sei, die Fördermengen zu kürzen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) beabsichtige keinen Cut „ob der Preis 20, 40, 50 oder 60 US-Dollar beträgt, das ist irrelevant“, so Al-Naimi.

Damit erhöhen die Saudis – die mit einer Begrenzung der eigenen Fördermenge den weltweiten Preis regulieren können – den Druck auf die Länder, die den Rohstoff aufwendiger fördern müssen als sie selbst. Selbst an die USA, die mit Fracking zuletzt erfolgreich sogar zum Ölexporteur mutierten, ist das eine Kampfansage. Al-Naimi: Auch wenn andere Förderländer Kürzungen ihrer Förderung anbieten würden, werde die Opec diesem Schritt aller Voraussicht nach nicht folgen.

„Wenn der Preis fällt, dann fällt er. Andere wird das bereits dann hart treffen, wenn wir noch gar nichts davon spüren“, so Al-Naimi. Die Saudi-arabische Wirtschaft sei stark genug, um temporäre Fluktuation und weniger Einnahmen sowie eine Schwächung der Währung zu verkraften.

Diese Offensive der Saudis überrascht viele Beobachter und einige halten sie auch für nicht gerade klug: „Kommentare dazu, dass die Saudis auch bei einem Preis von 20 US-Dollar nicht reagieren werden, sind sicherlich nicht gerade konstruktiv für den Ölpreis“, sagte der Analyst Michael McCarthy von CMC Markets Sydney.

Umfrage unter Analysten: Fällt der Ölpreis bis auf 50 Dollar?

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Fällt der Ölpreis bis auf 50 Dollar?

Öl kostet so wenig wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Die Preise rutschen auch am Dienstag weiter ab. Analysten gehen davon aus, dass die Preise für Brent und WTI noch weiter einbrechen.

Immerhin: In näherer Zukunft rechnen die großen arabischen Öl-Produzenten nach Angaben aus Opec-Kreisen erst einmal wieder mit steigenden Preisen. Man rechne bis Ende des kommenden Jahres mit einem Ölpreis zwischen 70 und 80 Dollar je Fass, zitierte Reuters Insider. Am Montag war der Preis für Opec-Rohöl wieder gestiegen und lag im Durchschnitt bei 56,90 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren 1,38 Dollar mehr als am Freitag.

„Der Preis könnte einige Monate lang 60 Dollar oder so berühren und sich dann erholen“, sagte ein Opec-Delegierter. 80 Dollar je Barrel sei „ein akzeptables Niveau“. Die Opec geht also von einer entsprechenden Stabilisierung des Marktes aus und macht mit ihrer Abkehr von Kürzungen der Liefermengen nun Druck auf Konkurrenten aus den USA und Europa.

Kommentare (18)

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Herr C. Falk

23.12.2014, 13:29 Uhr

Saudi-Arabien kämft. Es kämft vor allem gegen das amerikanische Fracking, das nur bei eiem Ölpreis von etwa 70$ profitabel ist. Da viele US Frackig-Firmen kreditfinanziert sind, werden einige von ihnen in echte Schwierigkeiten kommen, wenn die Saudis weiter mit Kampfpreisen operieren und der Ölpreis noch weiter in den Keller geht.

Natürlich kommen auch die Russen in noch gravierendere Schwierigkeiten , die sie schon jetzt kaum noch mit herkömmlichen Mitteln bewältigen können.

Herr C. Falk

23.12.2014, 13:42 Uhr

Es "kämpft" offenbar ohne "p" (zumindest bei mir, sorry)
aber punktgenau. lol

Herr Peter Spiegel

23.12.2014, 13:53 Uhr

Die Saudis machen das auf US-Befehl sonst sind sie weg vom
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