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07.01.2015

10:57 Uhr

Ölpreise sinken

Preis für Sorte Brent fällt unter 50 Dollar

Der Preis für die weltweit wichtigste Ölsorte Brent ist erstmals seit Mai 2009 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar gefallen. Für Deutschland wirken die niedrigen Preise wie ein Konjunkturpaket.

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Die Ölblase ist geplatzt

Handelsblatt in 99 Sekunden: Die Ölblase ist geplatzt

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Singapur/BerlinDie Ölpreise sinken weiter: Der Preis für die weltweit wichtigste Sorte Brent ist wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar gefallen. Dort stand der Preis zuletzt im Mai 2009. Ein Barrel (Fass zu 159 Liter) verbilligte sich am Mittwoch um 2,3 Prozent auf 49,95 Dollar und kostete damit nur noch etwa halb so viel wie im Sommer. Grund für den Preisverfall sind ein weltweites Überangebot bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 58 Cent auf 47,35 Dollar.

„Die Stimmung an den Rohölmärkten ist so schlecht wie seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr“, schrieb NordLB-Analyst Frederik Kunze in einem Kommentar. „Die Marke von 40 US-Dollar je Barrel Rohöl scheint für immer mehr Marktteilnehmer kein absolutes Extremszenario mehr zu sein.“ Vor allem die erwartete Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenländern mache dem Ölpreis zu schaffen, fügte Kunze hinzu. Nobuyuki Nakahara, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bank von Japan und ehemaliger Manager in der Ölindustrie, hält sogar einen Rückgang auf bis zu 20 Dollar je Barrel für möglich.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Händler erklärten den aktuellen Preisrückgang mit der Aussicht auf weiter steigende Ölreserven in den USA. Ein Anstieg der Lagerbestände an Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt kann ein Hinweis für eine geringere Nachfrage sein. Die US-Regierung wollte die offiziellen Daten am Nachmittag veröffentlichen.

Außerdem spiele eine Einschätzung von Experten der Citigroup eine Rolle, hieß es weiter. Demnach dürften sich die Ölimporte in der zweitgrößten Volkswirtschaft China im laufenden Jahr abschwächen. Ein zu hohes Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt hat die Ölpreise seit dem vergangenen Sommer um mehr als die Hälfte einbrechen lassen.

Die rasante Talfahrt der Ölpreise hat nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) den Effekt eines milliardenschweren Konjunkturpakets. Bleibe der Preis auf dem aktuellen Niveau, würden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der „Bild“-Zeitung.

„Der Ölpreiseinbruch kommt als Konjunkturpaket gerade recht.“ Die Verbraucher profitierten sowohl bei den Benzin- als auch bei den Heizkosten. „Aber auch die Industrie spart ebenso wie Fluggesellschaften oder Spediteure“, sagte Wansleben.

Kommentare (15)

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Sergio Puntila

07.01.2015, 09:05 Uhr

Sanktionen?

Kaufen!

Celo Abdi

07.01.2015, 09:11 Uhr

Der Dax explodiert förmlich vor Euphorie ob dieses Konjunkturpakets. Nur eben in die falsche Richtung.

Herr Peter Noack

07.01.2015, 09:13 Uhr

Lauter Milchmädchenrechnungen!

Der DIHK hat noch nicht mit dem Ölpreis vom 7. Januar, sondern mit dem Ölpreis vom 30. Dezember gerechnet. Seit dem ist der Ölpreis um weitere über 10 Prozent gesunken. Die Hochrechnung ergibt sich nun daraus, dass der niedrige Ölpreis auch 365 Tage lang hält. Deutschland insgesamt könnte 2015 ca. 40 Milliarden Euro weniger für Öl und weitere 20 Milliarden weniger für Gas bezahlen. Davon spart die Wirtschaft ca. 40 Mrd. die Privathaushalte ca. 14 Milliarden und der Staat rund 6 Milliarden. Das kann nun tagesgenau berechnet werden. Der Staat spart 16,4 Mio., die Bürger 38,36 Mio. und die Wirtschaft 109,6 Mio. Euro täglich. Die erste Milliarde hat die Wirtschaft schon am 9. Januar gespart. Die Bürger schaffen das am 28. Januar und der Staat hat die erste Milliarde am 2. März. Am 4. Juni gibt es die zweite Milliarde für den Staat, darunter die erste Milliarde für die Kommunen. Der milde Winter, ohne Frosttage bisher, ist dabei nicht eingerechnet. Es kann also nur noch besser werden.

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