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07.11.2014

15:06 Uhr

Ölpreise und Opec

Am US-Markt droht ein Preiskrieg

Saudi-Arabien und andere Opec-Staaten erhöhen den Druck auf den Ölpreis am US-Markt. Sie wollen die verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Doch die US-Produzenten kann das kalt lassen.

Fracking-Plattform in Pennsylvania: Die US-Schieferölproduzenten sind im drohenden Preiskrieg zuversichtlich. Investoren hatten zuletzt wenig Vertrauen in die Produzenten gesetzt. dpa

Fracking-Plattform in Pennsylvania: Die US-Schieferölproduzenten sind im drohenden Preiskrieg zuversichtlich. Investoren hatten zuletzt wenig Vertrauen in die Produzenten gesetzt.

FrankfurtDen amerikanischen Schieferöl-Produzenten droht ein Preiskrieg mit Saudi-Arabien. Das Königreich erwägt diese Maßnahme, um Marktanteile zurückzugewinnen. Doch das lässt die US-Produzenten kalt. Sie sind der festen Überzeugung in einem solchen Preiskrieg deutlich mehr Durchhaltevermögen zu haben, als die Produzenten aus Saudi-Arabien. Einige der US-Unternehmen erwägen sogar ihre Produktion auszubauen. „Saudi-Arabien geht hier wirklich ein großes Wagnis ein”, sagt Archie Dunham, Chairman des Schieferölförderers Chesapeake Energy. „Wenn sie den Preis auf 60 oder 70 Dollar je Barrel drücken, dann wird das die Produktion in den USA verlangsamen, aber nicht beenden. Für andere Opec-Länder wären die Konsequenzen sehr viel ernster.”

Der Preisverfall bei der Rohöl-Referenzsorte Brent, die am Mittwoch ein Vier-Jahres-Tief markiert hatte, trug zur Nervosität am Markt bei. Ein Treffen zur aktuellen Situation zwischen Saudi-Arabien und elf anderen Staaten der Opec ist für den 27. November, also am Tag des amerikanischen Thanksgiving geplant. Bereits zuvor hatte Saudi-Arabien den Preis für in die USA verkauftes Rohöl gesenkt. Bislang wurde davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien seine Produktion senkt, um so das Angebot auszutarieren damit der Preis fällt.

Nach den aktuellen Maßnahmen wird jedoch vermutet, dass diese Maßnahme ausbleibt. „Für Saudi-Arabien könne die Rechnung aufgehen, weil das Land genug Liquidität und sonstiges Vermögen in der Hinterhand habe, um einen Ölpreis um die 50 Dollar zu verkraften“, sagt Dunham. Doch „die große Mehrheit der Opec-Länder kann bei Preisen unter 80 Dollar je Barrel die Haushaltspläne nicht einhalten und die Bevölkerung nicht zufrieden stellen”.

Anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen in dieser Woche haben die Führungen von Chesapeake, EOG Resources Inc. und anderen großen Schieferölförderern angekündigt, die Produktion aufrecht zu erhalten und sogar zu steigern. Ihre erfolgreichen Kostensenkungen versetzten sie in die Lage, auch bei noch niedrigeren Preisen Gewinn zu machen, ließen sie wissen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

„Uns bei Whiting macht es keine Angst, bei Ölpreisen auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch etwas niedriger im Wettbewerb zu stehen”, sagte James Volker, Chairman and CEO bei Whiting Petroleum in einer Telefonkonferenz letzte Woche. Continental Resource und Pioneer Natural Resources gehören zu den Rohölförderern, die angedeutet haben, dass sie auf den Preisverfall nicht mit einer Drosselung ihrer Produktion reagieren wollen. Dasselbe gilt für ConocoPhillips und Marathon Oil Corp.. Diese Firmen haben erklärt, ihre Ölvorkommen zwischen Texas und North Dakota zählten zu den profitabelsten Investmentmöglichkeiten.

Kommentare (3)

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Frau Dr. Max Motte

07.11.2014, 15:51 Uhr

Wollen die USA, Putin mit niedrigem Öl-Preis in die Knie zwingen?

Auf Drängen der USA hat Saudi-Arabien seine Öl-Produktion massiv ausgeweitet. Dies hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Juni um mehr als 20 Prozent eingebrochen ist.

Der Preisverfall schadet vor allem Russland, das den Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas bezieht. Sollte Saudi-Arabien den Öl-Krieg fortsetzen, droht Putin erstmals ein deutliches Staatsdefizit.

Saudi-Arabien hat seine Ölproduktion zuletzt massiv erhöht und dadurch zu dem Verfall des Ölpreises um rund 20 Prozent beigetragen. Grund dafür ist offenbar eine strategische Zusammenarbeit mit den USA, die Russland durch einen Ölkrieg in die Knie zwingen wollen.

Im Rahmen dieser Verhandlungen erreichte Saudi-Arabien außerdem die Zusicherung der USA, die Ausbildung von Kämpfern gegen Assad zu verstärken, berichtete das Wall Street Journal. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA scheint wieder intakt zu sein.

Vor einem Jahr war Saudi-Arabiens König Abdullah noch wütend darüber gewesen, dass die USA damals einen Rückzieher machten und Syrien nach wochenlangen Drohungen dann doch nicht bombardierten. Von Anfang an ging es im Syrien-Krieg um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung, in der diese Ressourcen bezahlt werden.

Entscheidend war damals die Rolle Russlands, dass seine Flotte im Mittelmeer in Stellung brachte. Präsident Wladimir Putin konnte auf diese Weise einen Krieg der USA gegen das eng mit Russland verbundene Syrien verhindern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/11/usa-wollen-putin-mit-niedrigem-oel-preis-in-die-knie-zwingen/

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/das-amerikanisch-saudische-geheime-abkommen-ueber-syrien-eine-grosse-dummheit.html

Frau Ute Umlauf

07.11.2014, 17:58 Uhr

Der Ölpreis macht RUS wenig. Das ist Panikmache des Westens. Die Ölgeschäfte mit Asien laufen blendend. Der Gaspreis wird ab 01/2015 kräftig angehoben. Da überkompensiert den Ölpreis.
Von RUS lernen ... heisst siegen lernen!

Herr Thomas Schmidt

07.11.2014, 18:34 Uhr

Das erinnert ein wenig an den James Dean Klassiker "Denn sie wissen nicht was sie tun" - nach dem Motto: Wer zuerst bremst, der verliert. Anscheinend wollen alle Parteien demonstrieren, dass sie am längsten mit einem niedrigeren Ölpreis leben können. Das ist aber vielleicht nur ein verzweifelter Bluff, damit die Gegenseite die Preise nicht noch weiter drückt. De facto bleibt abzuwarten, ob bei einem Ölpreis von 70 USD oder niedriger die aufwändigere Schieferöl-Gewinnung tatslächlich noch Gewinne abwirft - es gibt ja auch nicht wenige Experten, die die Zahlen über die überhaupt wirtschaftlich abbaubaren Vorkommen für massiv überzogen halten. Dann wäre dem US Ölboom sicher eine kürzere Laufzeit beschieden als "Jahrzehnte"..

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