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29.01.2016

13:56 Uhr

Ölpreisverfall

Opec-Staaten wollen nicht mit Russland sprechen

Der Vorstoß Russlands für eine Drosselung der Ölfördermenge stößt bei den Opec-Staaten auf taube Ohren. Die Rohstoffmärkte sind dennoch hoffnungsfroh gestimmt. Der Ölpreis steigt.

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FrankfurtVor zwei Tagen sorgte der russische Energieminister, Alexander Nowak, für neue Hoffnung an den Rohstoffmärkten. Novak hatte am Mittwoch erklärt, dass er plane, sich im kommenden Monat mit Vertretern der Opec-Staaten zu treffen, um mögliche Maßnahmen zur Drosselung der Fördermenge von Rohöl zu diskutieren.

Das ließ den Ölpreis, der in den vergangenen Wochen immer wieder unter die 30-Dollar-Marke rutschte, am Donnerstag zwischenzeitlich auf ein Drei-Wochen-Hoch klettern. Auch an diesem Freitag halten die Spekulationen um eine mögliche Fördermengen-Drosselung an. Der Terminkontrakt für die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee gewann bis zu 2,7 Prozent auf 34,82 Dollar je Barrel. Allerdings hat die Euphorie nicht lange gedauert. Bereits am Mittag verbilligte sich die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee um 0,5 Prozent auf 33,71 Dollar je Barrel.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Der Grund: Die Opec-Staaten zeigen sich alles andere als begeistert von der russischen Annäherung. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg gaben vier Opec-Vertreter zu verstehen, dass sie nichts über mögliche Gesprächspläne wüssten. Ein Staatsvertreter sagte, dass der Anführer des Opec-Kartells, Saudi Arabien, keinerlei Vorschläge zur Reduktion der Ölfördermenge gemacht hätte. Zuvor hatte die staatsnahe russische Nachrichtenagentur Interfax gemeldet, dass der Ölstaat die Fördermenge um rund fünf Prozent kürzen wolle. Dabei berief sich die Agentur auf Energieminister Nowak.

Ölpreisverfall: Russland will mit Opec über Förderkürzung sprechen

Ölpreisverfall

Russland will mit Opec über Förderkürzung sprechen

Wegen des Überangebots und der mauen Weltkonjunktur sind die Ölpreise eingebrochen. Im Kampf um Marktanteile haben die größten Förderstaaten den Markt trotzdem weiter geflutet. Das könnte sich bald ändern.

Experten vermuten, dass die russischen Politiker durch öffentliche Äußerungen „testen” wollen, wie die Opec-Staaten auf Vorschläge zu Förderabsprachen reagieren. Offenbar haben die erdölreichen Staaten zwar nicht die Absicht, sich zu bewegen, allerdings bewegen sich die Märkte. Und das kommt vor allem dem russischen Haushalt zugute. Immerhin kommen rund 40 Prozent der russischen Staatseinnahmen gegenwärtig aus dem Ölgeschäft. Dass der Ölpreis purzelt, macht dem Land also besonders zu schaffen. Das russische Haushaltsdefizit ist so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr und das Finanzministerium stellt in Aussicht, dass sich die Lücke in diesem Jahr noch vergrößert.

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