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14.03.2017

15:16 Uhr

Opec

Die Grenzen der Förderkürzung

VonMatthias Streit

Das Ölkartell Opec fördert weniger Öl. Das soll die hohen Lagervorräte reduzieren und den Preis wieder steigen lassen. Doch der jüngste Bericht zeigt: Bislang hat die Abmachung die Erwartungen nicht erfüllt.

Trotz der Förderkürzung sind die Lagerbestände der Industriestaaten weiter gestiegen. dpa

Fass um Fass um Fass

Trotz der Förderkürzung sind die Lagerbestände der Industriestaaten weiter gestiegen.

FrankfurtNach außen demonstriert die Organisation erdölexportierender Staaten Stärke. Immer wieder betonen Vertreter, dass sich das Ölkartell an seine Ende 2016 beschlossene Förderkürzung hält. Schon im Januar hielten sich die Mitgliedsländer zu mehr 86 Prozent an das Abkommen. Im Februar sollen es laut dem kuwaitischen Ölminister Essam Al-Marzouk sogar schon 95 Prozent gewesen sein. So einig war das Kartell bei vorherigen Förderkürzungen noch nie. Allein, bislang zeigt es nicht die erwünscht Wirkung, wie der jüngste Ölmarktbericht der Opec nun preisgibt.

Zwar hat das Abkommen die Preise stabilisiert. In den ersten zwei Monaten des Jahres hat sich der Preis für ein Barrel Brent bei 55 Dollar stabilisiert und war damit um ein Fünftel teurer als noch vor dem Abkommen.

Nun aber konstatiert die Opec in ihrem Bericht, dass es das Hauptziel seiner Kürzung offenbar noch nicht erfüllt: die prall gefüllten Lagerbestände zu reduzieren. Im Gegenteil: Die Vorräte der Industriestaaten der OECD stiegen im Januar über drei Milliarden Barrel, 278 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Die Reserven würden reichen, um die OECD 64 Tage lang mit Öl zu versorgen, ohne dass zusätzliche Lieferungen benötigt wären. Ob die Vorräte auch im Februar stiegen, wird am Mittwoch ein Bericht der Internationalen Energieagentur kundgeben.

Was die Einigung des Ölkartells nach sich zieht

Ist der Ölpreis-Anstieg nachhaltig?

Zumindest für die kommenden Monate sagen die meisten Analysten einen höheren Preis voraus. Die Nordea-Bank etwa rechnet für 2017 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 57 Dollar je Fass - das wäre gut ein Viertel mehr als im ablaufenden Jahr. Allerdings erwarten etwa die Experten von Barclays für die zweite Jahreshälfte 2017 wieder fallende Preise. Ein Grund dafür: Die Produzenten von Schieferöl, das mit Hilfe des technisch aufwendigen und teuren Fracking-Verfahrens gewonnen wird, dürften ihre Produktion hochfahren, weil sich dies für sie ab einem bestimmten Preisniveau wieder lohnt. Experten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank zweifeln zudem, ob die Förderländer ihre Vereinbarung vollständig umsetzen werden.

Zieht die Inflation in Europa wieder an?

Nein. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone dürfte nach Prognose von Sal.-Oppenheim-Chefvolkswirt Martin Moryson ihren Zenit überschritten haben. Im ersten Quartal war die Inflationsrate wegen des starken Ölpreisanstiegs zeitweise an die Marke von 2,0 Prozent herangereicht. Dieser Effekt läuft nun aus. Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl haben einen hohen Anteil am Warenkorb, mit dessen Hilfe die Inflation berechnet wird. Deshalb schlagen höhere Ölpreise auf die Teuerungsrate durch.

Welche Folgen hat das für die Wirtschaft?

Wegen steigender Preise an den Zapfsäulen und für Heizöl bleibt den Verbrauchern weniger Geld im Portemonnaie. „Mit anziehender Inflation wird der Kaufkraftgewinn durch Lohnsteigerungen geringer“, sagt BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. „Auch steigen die Produktionskosten vieler Unternehmen, wenn Rohstoffe teurer werden.“ Das sieht Nordea-Europachefvolkswirt Holger Sandte ähnlich. „Zwar wird sich die Importnachfrage Russlands und anderer Ölexportländer erhöhen und damit die Nachfrage nach europäischen Exporten gestützt“, erläutert der Ökonom. „Aber der Schwung beim privaten Verbrauch dürfte nachlassen.“ Das sei einer der Gründe, warum die Wirtschaft in der Währungsunion 2017 nur um 1,3 Prozent wachsen dürfte.

Was heißt das für Anleger?

An den Anleihenmärkten wird es im kommenden Jahr kaum etwas zu verdienen geben, erwartet Sal.-Oppenheim-Anlagestratege Lars Edler. Denn die steigende Inflation zehrt massiv an den ohnehin niedrigen Renditen. So dürfte etwa die zehnjährige Bundesanleihe sogar eine negative Gesamtrendite von etwa einem Prozent abwerfen, wenn man die Teuerung einrechnet. Auch am Devisenmarkt könnten viele Anleger umdenken: Die Währungen von Ölförderländern wie Norwegen und Russland legten wegen der höheren Ölpreise bereits merklich zu.

Wie reagiert der Aktienmarkt?

Hier gibt es viele Gewinner, aber ebenso viele Verlierer. Papiere von Öl- und Gasförderern wie der italienischen Eni waren nach der Einigung auf eine Förderbremse gefragt. Auf der anderen Seite leiden Fluggesellschaften wie die Lufthansa, weil der Kerosinpreis ein großer Kostenfaktor ist. Üblicherweise werden auch energieintensive Unternehmen und Konsumgüterhersteller besonders belastet, wenn die Ölpreise anziehen.

So lange wollen die Investoren am Ölmarkt aber nicht warten. Sie reagieren prompt und verkaufen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel nach Veröffentlichung des Opec-Berichts um 60 Cent auf 50,70 Dollar. Bereits seit Ende der vergangenen Woche sinkt der Ölpreis. Derzeit kostet Öl wieder so wenig wie zuletzt vor drei Monaten.

Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffstratege der Commerzbank, fürchtet, dass hier noch nicht Schluss ist. Bis zum Sommer könnte der Preis noch unter 40 Dollar fallen. „Die Fundamentaldaten sehen nicht gut aus“, sagt Weinberg. Die Rechnung der Opec gehe nicht auf.

Ende November hatte sich das Kartell geeinigt, seine Produktion um 1,2 Millionen Barrel zu kürzen. Wenig später schlossen sich Russland und zehn weitere Nicht-Opec-Staaten dem Abkommen an und versprachen ihrerseits auf 558.000 Barrel Förderung zu verzichten.

Neben den nach wie vor hohen Lagervorräten setzen nicht zuletzt die wiedererstarkten Schieferölunternehmen in den USA die Preise unter Druck. Für die Opec bedeutet das ein unliebsames Déjà-Vu. Schließlich waren es just die Schieferölunternehmen, die den Ölpreis von über 110 Dollar im Jahr 2014 auf zeitweise unter 30 Dollar Anfang 2016 einbrechen ließen. Das hat zwar auch den Amerikanern zugesetzt. Es gab eine Reihe von Pleiten in den USA und die Förderung sank. Doch mit den höheren Preisen kamen auch die Schieferölunternehmen mit drastischen Effizienzsteigerungen und aller Macht zurück an den Markt. Mittlerweile fördern die USA wieder mehr als neun Millionen Barrel pro Tag, so viel wie zuletzt vor einem Jahr.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

14.03.2017, 15:33 Uhr

Dieses Oel Kartell ist eine kriminelle Vereinigung und gehört sofort aufgelöst. Dieses Karteil und Kartelle an sich arbeiten immer nur auf Kosten der Markt-Gesellschaft...Kartelle wollen ihren eigenen Profit steigern auf Kosten der Verbraucher = Markt Gesellschaft.
Also weg mit der OPEC Mafia und dieses Kartell sofort auflösen. Danke!

Rainer von Horn

14.03.2017, 16:24 Uhr

Ich mache mir wirklich große Sorgen um die Energiewende. Je mehr Energie wir hierzulande wenden, desto billiger wird das Öl für andere Staaten, die dann umzu sorgloser damit umgehen. Aber wer hätte das ahnen können!
Im Zuge der rückläufigen Ölpreise ist der Umstieg auf das E-Mobil geradezu essentiell, denn nur dieses kann die wegbrechenden Einnahmen aus der Mineralölsteuer via Erhöhung des Stromsteueraufkommens kompensieren. Wird der Diesel nicht verboten, dann fahren die Leute auch noch in Zukunft billig damit herum. Wer kann so was wollen.

Diese Regierung macht wirklich alles richtig. :-)

Account gelöscht!

14.03.2017, 16:33 Uhr

Keine Stütze mehr für die Saudis wegen Staatspleite, wie müssen die Flüchtlinge abholen. Wo bleibt die Steuererhöhung wegen Billig-Energien, wir müssen doch die Wende schaffen, das Öl ist bald alle, der Wald ist gestorben und mir ist auch schon ganz schlecht. Was soll man nur tun ?

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