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22.11.2016

20:30 Uhr

Opec

Die Öl-Wette läuft

VonMatthias Streit

In einer Woche will sich die Opec auf eine Förderkürzung einigen. Was Experten wochenlang ausgeschlossen hatten, wird nun zum realistischen Szenario. Die Preise steigen. Dabei sind die Auswirkungen mehr als fraglich.

Der katarische Öl-Minister und amtierende Opec-Präsident hat die Förderkürzung am 28. September in Algier verkündet. AP

Mohammed Saleh Al Sada

Der katarische Öl-Minister und amtierende Opec-Präsident hat die Förderkürzung am 28. September in Algier verkündet.

FrankfurtEs soll der Anfang aus der Misere sein, ein „Weg nach vorn“, wie es der amtierende Opec-Präsident Mohammed Saleh Al Sada am 28. September in Algier ankündigte. Das Ölkartell wolle seine Produktion künftig um knapp 800.000 auf täglich 32,5 bis 33 Millionen Barrel drosseln.

Die Nachricht schlug ein. Nach zwei missglückten Versuchen im Jahr 2016 hatte kaum noch einer damit gerechnet. Und auch danach war die Zahl jener Opec-Optimisten eher überschaubar. Zu zerstritten sei das Kartell, allen voran die beiden größten Mitglieder Saudi-Arabien und Iran. Das Unterfangen sei unrealistisch.

Knapp acht Wochen später sieht das Meinungsbild ganz anders aus. Ein Abkommen gilt jetzt als wahrscheinlich. Der Ölpreis steigt wieder. Verbraucher müssen deshalb aber nicht in Panikkäufe verfallen. Mittelfristig ist nicht mit stark steigenden Preisen zu rechnen.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Dabei ließe ein Blick rein auf den Preischart zunächst anderes vermuten. Seit Anfang der vergangenen Woche hat sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder um fünf Dollar auf knapp 49 Dollar verteuert. Schuld sind die Spekulationen über die Kürzungen der Opec. Die Investmentbank Goldman Sachs etwa nimmt ein Abkommen bereits als Basis-Szenario an, wie Analysten in einer Untersuchung schreiben.

Doch auch wenn dann die Preise kurz stark nach oben schnellen sollten, dürfte sich der Aufwärtstrend im Zaum halten. „Eine bahnbrechende Einigung auf Produktionseinschränkungen ist von der Opec-Sitzung nicht zu erwarten. Der Ölmarkt dürfte auch nach der Opec-Sitzung noch für einige Zeit überversorgt bleiben, zumal die US-Ölproduktion schon bald wieder steigen wird“, erklären die Rohstoff-Analysten der Commerzbank.

Opec: Kartell ohne Konsens

Opec

Premium Kartell ohne Konsens

Um die Glaubwürdigkeit der Opec ist es nicht erst seit dem Ölpreisverfall enorm schlecht bestellt. Wenn sie tatsächlich höhere Preise durchsetzen will, braucht es Partner von außen. Zum Beispiel Russland. Eine Analyse.

Womit wir bei der Frage wären: Was bringt es eigentlich, wenn die Opec kürzt? Rein an den Zahlen gemessen nicht viel. Ohnehin fördert die Opec derzeit auf Rekordniveau. Drosselt das Ölkartell seine Produktion wie geplant um 800.000 Barrel, entspricht das einem Anteil von 2,4 Prozent seiner Förderung. Zum Vergleich: 2008 oder 1983 kürzte das Kartell jeweils um mehr als zwölf Prozent. Und bezieht man den aktuellen Plan auf die globale Produktion, schrumpft der Anteil sogar auf 0,8 Prozent zusammen. Viel mehr als einen psychologischen Effekt wird das Vorhaben am Ende wohl nicht erreichen.

Kommentare (2)

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23.11.2016, 08:05 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

Account gelöscht!

23.11.2016, 10:45 Uhr

Solange genug Oel gefördert wird solange wird es keinen Oelpreisanstieg geben.
Und Oel gibt es auf dieser Welt noch soviel....da werden wir keinen Oelanstieg auf lange Sicht mehr haben.
Der Marktmechanismus sorgt nämlich dafür, dass das Produkt Oel billig bleiben wird.
Eine künstliche geringere Angebotsmende bei gleicher oder höhere Nachfrage wird einen höhren Preis am Markt erzielen. Aber genau dieser hohe Preis wird die künsltiche Angebotsknappheit wieder vom Tisch fegen weil andere Anbieter auch am Kuchen mitverdienen wollen und Ihr Oel zum Verkauf auf dem Weltmarkt anbieten.
Die Opec Mafia hat seit dem Fall des eisernen Vorhanges ausgedient. Und das ist gut für die Völker und den Wohlstand der Menschheit.

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