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24.10.2016

15:21 Uhr

Opec

Ein Kartell und zwei Meinungen

Während das Ölkartell Opec weiter um Unterstützung ihrer Förderkürzung buhlt, rumort es in ihrem Inneren. Ungemach kommt aus dem Irak. Der Fall zeigt: Die Förderkürzung ist noch längst nicht ausgemacht.

Der irakische Ölminister Jabbar al-Luaibi (rechts) – hier auf einer Pressekonferenz im August zu sehen – fordert eine Ausnahme von der geplanten Produktionskürzung der Opec. Reuters

Keine Lust auf Kürzung

Der irakische Ölminister Jabbar al-Luaibi (rechts) – hier auf einer Pressekonferenz im August zu sehen – fordert eine Ausnahme von der geplanten Produktionskürzung der Opec.

FrankfurtKann es oder kann es nicht? Die Frage, ob es dem wichtigen Kartell erdölexportierender Staaten gelingt, sich zusammenzuraufen, bestimmt den Ölmarkt seit Ende September. Damals hatte das Kartell bei einem informellen Treffen in Algerien beschlossen, fortan seine Ölproduktion zu kürzen.

Soweit, so ungut. Denn das Kartell ist im Moment alles andere als einig. Der jüngste Querulant: Irak. Das Land fördert täglich 4,8 Millionen Barrel (à 159 Liter) Öl und ist damit der zweitgrößte Opec-Produzent. Am Wochenende aber forderte der Ölminister Jabbar Al-Luaibi eine Ausnahme von der Förderbegrenzung wegen des Kampfes gegen den IS. Sein Stellvertreter wurde noch deutlicher: „Wir werden nicht zurückweichen.“

Ende September hatte sich das Ölkartell auf einem informellen Treffen in Algerien darauf geeinigt, die tägliche Menge gepumpten Öls auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel zu beschränken. Gegenüber August entspräche dies einer Kürzung von bis zu 800.000 Barrel.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Vor allem Saudi-Arabien, das mit einem Opec-Öl-Anteil von einem Drittel führende Mitglied, buhlt kräftig für das Abkommen. Vor wenigen Tagen erklärte Ölminister Khalid al-Falih, dass eine Reihe weiterer Staaten bereit sei, ebenfalls die Produktion zurückzufahren. Die mittlerweile fast täglichen Optimismusbekundungen trieben den Ölpreis allein im vergangenen Monat von 45 auf aktuell knapp 52 Dollar für die Nordseesorte Brent. Das nordamerikanische Leichtöl WTI erklomm in der vergangenen Woche nach einer Meldung über abschmelzende Lagervorräte in den Vereinigten Staaten ein 15-Monats-Hoch.

Doch mitten in diesen Aufschwung platzt nun der Störenfried Irak. Und mit weiteren Querulanten ist zu rechnen. Der Iran äußert sich offiziell zwar meist im Sinne der Opec. So etwa am Wochenende, als der iranische Präsident – abermals – erklärte, „zu gerechten Fördermengen und fairen Ölpreisen“ beizutragen. Was er genau damit meinte, ließ er indes offen.

Denn seit der Aufhebung der Sanktionen des Westens gegen das iranische Atomprogramm steigt die Ölförderung des Landes wieder. Schon auf dem informellen Treffen Ende September klang an, dass der Iran einen Top-Platz unter den Opec-Produzenten einfordern wird. Auch Libyen und Nigeria fordern Ausnahmen von der Förderkürzung. Fragt sich nur: Was bleibt von einem Abkommen, wenn vier von 14 Mitgliedern schon jetzt nach Sonderrechten rufen?

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank jedenfalls bleiben nach den Äußerungen des Iraks skeptisch: „Letztlich würde die Hauptlast damit von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten in der Golfregion getragen werden, da bereits Libyen, Nigeria und der Iran von Produktionskürzungen ausgenommen werden sollen. Eine Einigung auf koordinierte Produktionskürzungen, wie sie beim Treffen in Algier großspurig verkündet wurde, rückt damit in weite Ferne.“

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