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27.09.2016

18:06 Uhr

Opec

Kein Öl-Deal in Sicht

Mit großen Versprechungen über Stabilität für den Ölmarkt hat die Opec ihr informelles Treffen angekündigt. Doch einmal mehr enttäuscht das Ölkartell. Immerhin ein Hoffnungsschimmer bleibt.

Die Ölförderung seines Landes auf dem aktuellen Niveau einzufrieren, kommt für Bijan Namdar Zanganeh nicht in Frage. AP

Irans Ölminister Zanganeh

Die Ölförderung seines Landes auf dem aktuellen Niveau einzufrieren, kommt für Bijan Namdar Zanganeh nicht in Frage.

FrankfurtSchon die Generalprobe ist schief gelaufen. Als sich die beiden großen Opec-Rivalen Saudi-Arabien und Iran gemeinsam mit Katar am vergangenen Donnerstag in Wien trafen, verbreiteten sie noch Optimismus. Allein das Treffen sollte zeigen: Wir arbeiten gemeinsam an einer Lösung, für einen stabilen Ölmarkt zu sorgen, die Preise steigen zu lassen.

Doch schnell war klar, dass daraus nichts wird. Vertreter der beiden Staaten reisten mit Vorschlägen und ohne Einigung ab. Stieg der Ölpreis währen des Treffens noch um knapp zwei Prozent, fiel er danach doppelt so tief.

Das Auf und Ab setzte sich auch zu Beginn dieser Woche fort, als die Mitglieder der Opec-Staaten beim Internationalen Energieforum in Algerien eintrafen. Bei dem Energieforum treffen sich alle zwei Jahre an wechselnden Orten die wichtigsten Öl- und Gasproduzenten der Welt mit ihren Abnehmern.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

Am Mittwoch wird das Ölkartell zu einem informellen Treffen zusammenkommen. Vorschläge und Interessebekundungen gibt es zuhauf. Doch von Einigung ist keine Spur. Wie bereits im April und Juni scheiterten Gespräche über eine mögliche Förderdeckelung am Zwist zwischen Saudi-Arabien und Iran.

Zwar geben sich die Saudis versöhnlich. Sie fördern knapp ein Drittel allen Opec-Öls und sind zweifelsohne das bedeutendste Mitglied des Ölkartells. Das Königreich schlug vor, seine Ölförderung auf das Januar-Niveau zu kürzen. Das würde bedeuten von aktuell 10,7 auf 10,2 Millionen Barrel (à 159 Liter) pro Tag. Im Gegenzug solle der Iran seine Produktion auf dem heutigen Niveau einfrieren, bei etwa 3,7 Millionen Barrel. Der Iran lehnte dankend ab.

Ihnen schweben schließlich ganz andere Größenordnungen vor. Nachdem Anfang des Jahres die Sanktionen des Westens wegen des iranischen Atomprogramms weitgehend aufgehoben wurden, möchte das Land wieder auf alte Förderniveaus zurück. Offenbar irritiert von den Vorschlägen der Saudis nannten der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh nun seine konkreten Vorstellungen: Der Iran möchte seine alten Vor-Sanktions-Marktanteil innerhalb der Opec von knapp 13 Prozent zurück. Das wären nach aktuellem Stand bis zu 4,4 Millionen Barrel Öl täglich, 700.000 Fass mehr als heute.

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