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04.12.2015

11:29 Uhr

Opec-Konferenz

Das Öl ist nicht zu stoppen

Die Ölpreise sind im Dauer-Tief, die Opec könnte mit Förderkürzungen gegensteuern. Doch es sieht so aus, als würde das Kartell an der bisherigen Fördermenge festhalten. Was passiert beim heutigen Ministertreffen in Wien?

Die Opec-Staaten werden die Fördermenge wohl doch nicht kürzen. dpa

Erdöl

Die Opec-Staaten werden die Fördermenge wohl doch nicht kürzen.

WienDie Nachricht kam überraschend: Saudi-Arabien arbeite an einem Vorschlag für eine Stabilisierung des Ölmarktes, berichtete der Branchendienst „Energy Intelligence” am Donnerstag dieser Woche. Dabei sollte die Öl-Fördermenge Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec-Staaten) um rund eine Million Barrel am Tag reduziert werden.

Einen Tag später ist der Vorschlag nur noch Schall und Rauch. Die Opec-Länder würden an ihrer bisherigen Politik festhalten, sagten Insider in der Nacht zum Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Mehrere Opec-Vertreter sagten, die Obergrenze für die Ölproduktion werde bei 30 Millionen Barrel pro Tag bleiben. Und: Saudi-Arabien habe nicht die Absicht, einen Vorschlag zur Drosselung der Quote zu unterbreiten. Die Staaten gelten untereinander als zerstritten. Dem Kürzungsvorschlag steht auch im Wege, dass nicht klar ist, wer wieviel kürzt.

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Der Kampf um Marktanteile entzweit die Opec: Es droht eine Spaltung in Arm und Reich. Die unterschiedlichen Interessen schwächen die Organisation nachhaltig. Für die EU dagegen ist der Streit ein Segen. Eine Analyse.

Am heutigen Freitag beraten die Opec-Ölminister in Wien über die zukünftige Förderpolitik des Kartells. Es sind mächtige Männer: Denn das, was sie untereinander aushandeln, hat auch Einfluss auf den Preis von Mineralöl-Endprodukten wie Benzin, Diesel oder Heizöl – weltweit. Aktuell sind die Ölpreise im langjährigen Vergleich im Keller. Seit Juni des vergangenen Jahres hat sich der Preis für den fossilen Rohstoff beinahe halbiert.

Vor der Wiener Konferenz ging der Preis für den Opec-Korb aus verschiedenen Ölsorten zurück. Das Barrel kostet am Donnerstag nur noch 37,89 Dollar. Am Tag zuvor war es noch 38,46 Dollar. Der Preis für einzelne Sorten am Gesamtmarkt ging dagegen hoch. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar 44,11 US-Dollar. Das waren 27 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 28 Cent auf 41,36 Dollar.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Im Markt wird der Preisrückgang für Opec-Öl als Zeichen gewertet, dass sich das Kartell auf seiner heutigen Sitzung nicht zu einer nachhaltigen Kürzung der Förderquote durchringen kann. „Die Opec (in erster Linie Saudi Arabien) glaubt unserer Meinung nach weiterhin fest daran, dass sich ihre Strategie mittelfristig auszahlen wird”, sagt Hannes Loacker, Ölexperte der Wiener Raiffeisen Bank International, dem Handelsblatt.

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