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25.11.2014

08:31 Uhr

Opec-Treffen

Der globale Preiskampf um Öl

Der Ölpreis fällt und fällt. Darunter leidet vor allem Russland, die US-Verbraucher freuen sich über sinkende Energiepreise. Wenn sich die Opec trifft, geht es nicht nur um das „schwarze Gold“ – es geht um Weltpolitik.

Ein Mann taucht seine Hände in Rohöl. Im Vorfeld des Opec-Treffens wissen Analysten nicht, was sie erwartet – der Opec-Kurs ist völlig offen. dpa

Ein Mann taucht seine Hände in Rohöl. Im Vorfeld des Opec-Treffens wissen Analysten nicht, was sie erwartet – der Opec-Kurs ist völlig offen.

London/New YorkDie Koordinaten für das Treffen des Öl-Kartells Opec nächsten Donnerstag sind eindeutig. Der Ölpreis sinkt und sinkt. Grund ist der Schieferölboom in den USA, der zu einem drastischen Überangebot an den Weltmärkten geführt hat. Dennoch rätseln selbst langjährige Opec-Beobachter darüber, ob die Organisation Erdöl exportierender Länder kommende Woche auf den Preisverfall reagiert und die Förderung drosselt.

Denn Saudi-Arabien als weltgrößter Ölexporteur und wichtigster Opec-Staat ist ein enger Verbündeter der USA, die wegen der Ukraine-Krise im Clinch mit Russland liegen. Und das riesige ölreiche Schwellenland ist eines der Hauptleidtragenden des Preisverfalls. Das Treffen des Kartells hat somit eine weltpolitische Dimension.

Der saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi hat den Märkten bislang keine Signale gegeben, in welche Richtung die Opec marschieren könnte. „Zum ersten Mal habe ich echt keine Ahnung, was bei dem Treffen passiert“, sagt ein Ölmarkt-Experte. Der Minister betonte zuletzt zwar, Saudi-Arabien habe kein Interesse daran, Öl als politische Waffe einzusetzen. „Hier geht es nur ums Geschäft.“ Doch damit stieß er bei den Anlegern offenbar auf taube Ohren, der Preisrückgang hielt an.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Denn die Hinweise sind widersprüchlich: Noch im September und Oktober hatten saudi-arabische Regierungsvertreter Opec-Beobachtern signalisiert, man könne mittelfristig auch mit einem niedrigen Ölpreis leben. Angesichts hoher Währungsreserven sei deutlich gemacht worden, dass das Land bis zu ein Jahr lang Preise von 70 bis 80 Dollar verkraften könnte, sagten Insider. Die Anleger reagierten prompt: Direkt danach rutschte der Preis unter die 80-Dollar-Marke. Damit kostet Öl derzeit so wenig wie zuletzt vor mehr als vier Jahren. Seit Juni sind die Preise um gut ein Drittel gesunken.

Kommentare (4)

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Herr Kurt Siegel

25.11.2014, 08:38 Uhr

Es bleibt zu hoffen, dass der Ölpreis noch bis € 50,-- fällt, damit die Despoten in aller Welt schmerzlich merken, dass man Rohstoffe nie als politisches Druckmittel einsetzen sollte.

Herr Paul Mueller

25.11.2014, 10:34 Uhr

Die masochistische Ausrichtung Deutschlands auf erneuerbare Energien wird so ad absurdum geführt. Das was die Deutschen unter enormer Last einsparen, hauen die Amerikaner mehrfach zum Fenster raus. Die GroKo ist gescheitert. Merkel sollte umgehend zurücktreten, sie ist einfach nur noch peinlich und teuer.

Frau ines guettler

25.11.2014, 11:04 Uhr

Darf man dann fragen, weshalb das Benzin immer noch über 1,4 € / L kostet?

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