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30.05.2013

08:08 Uhr

Opec-Treffen

Ölkartell kann Preisverfall nicht stoppen

Der Ölpreis sinkt seit Monaten. Nun beraten sich die Ölförderer. Doch gegen den Preisverfall können sie wenig ausrichten – weil sie sich nicht einig sind und weil die USA den Markt überschwemmen.

Öl-Pipeline an einer Förderstation im irakischen Kirkuk. dpa

Öl-Pipeline an einer Förderstation im irakischen Kirkuk.

Wien, DüsseldorfDie Ölförderer haben ein Problem: Es gibt zu viel Öl auf dem Markt. Oder zu wenig Nachfrage. Je nach Sichtweise. Dadurch sinkt der Ölpreis seit Monaten. Bisher hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dem tatenlos zugesehen. Holt das Ölkartell, das für 40 Prozent der globalen Ölproduktion steht, nun zum Gegenschlag aus?

Einmal im Halbjahr entscheidet die Opec bei einem gemeinsamen Treffen in Wien über ihre Förderquoten. Am Freitag ist es wieder soweit. Eine Drosselung der Förderung könnte den Verfall der Ölpreise stoppen.

Experten halten dies für notwendig. „Sie müssen weiter kürzen“, sagte Seth Kleinman, Leiter Energiestrategie von Citigroup in London. „Das Angebot am Markt ist reichlich, und es wird immer reichlicher. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Opec dieses Problem angehen muss. Das Angebotswachstum wird robust sein und die Nachfrage wird durchweg enttäuschen.“ Das Centre for Global Energy Studies (CGES) befürchtet, dass der Ölpreis ohne Produktionskürzungen abrutschen könnte.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent ist in diesem Jahr um rund neun Prozent auf 101 Dollar gefallen. Am 18. April war der Preis sogar auf 96,75 Dollar gefallen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Dennoch glauben die wenigsten Analysten, dass sich die Ölförderländer zu einer Kürzung werden durchringen können. Fast alle der 20 von Bloomberg befragten Analysten erwarten daher, dass die Opec-Mitglieder ihr Förderziel nicht verändern werden. Nur ein Befragter rechnet diese Woche mit einer Förderkürzung.

Innerhalb der Opec ist ein solcher Schritt umstritten. Wenn weniger Öl gefördert wird, gehen kurzfristig Einnahmen verloren. Das wiegt für manche Mitglieder schwerer als die Aussicht auf mittelfristig stabile Preise. Hinzu kommt, dass Saudi Arabien und Kuwait ihre Beziehungen zum Westen nicht belasten wollen, indem sie den Ölhahn zudrehen. In Venezuela und dem Iran sieht man das ein wenig anders.

Zu den Opec-Mitgliedstaaten gehören Algerien, Angola, Ecuador, Iran, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, Katar, Saudi- Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela.

Eine Kürzung der Förderung dürfte am Widerstand in Saudi Arabien scheitern. Im größten Förderland der Opec gibt man sich betont gelassen. „Das Umfeld am Markt könnte nicht besser sein“, sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimi. Die Nachfrage sei „großartig“, das vereinbarte Förderziel funktioniere „wunderbar“. Saudi Arabien hat einen Ölpreis von 100 Dollar wiederholt als „angemessen“ bezeichnet. Das sehen nicht alle Opec-Länder so. Venezuela drängt mehr oder minder offen darauf, den Ölpreis in die Höhe zu treiben.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

30.05.2013, 08:32 Uhr

Lustig dass bei Öl immer mit Angebot und Nachfrage argumentiert wird. Es ist - wie bei Gold - aber das aus dem Nichts herbeigezauberte Computergiralspielgeld, das in Verbindung mit Computerspielderivaten den "Preis" im global Casino bestimmt

Account gelöscht!

30.05.2013, 08:37 Uhr

Öl kommt von 10 Dollar im Juli 98.Seitdem Verzehnfachung.Wer da von Preisverfall redet ist wohl nicht bei Trost.
Der DAX hat seitdem schlappe 30% zugelegt-in 15 Jahren,Öl um 900%.
Ich denke dieser Vergleich spricht für sich.Ich kann mich noch gut erinnern,als im Jahre 2000 die 30 Dollar Marke in Reichweite kam,wurde die OPEC von den westlichen Industriestaaten aufgefodert die Produktion zu erhöhen,da ein "so hoher Ölpreis" die Konjunktur abwürgen würde.Langfristig wollte man ihn bei unter 30 Dollar sehen.Es ist wohl immer eine Sache der Perspektive und Relation.

Smurf

30.05.2013, 09:19 Uhr

Norddakota? Wenn Sie North Dakota meinen, dann ist die Übersetzung unnötig und etwas peinlich.
@Marco99: Ihnen mangelt es offenbar an ökonomischem Sachverstand, sonst würden Sie wissen, dass ein Derivat durch Einnahme der Gegenposition glattgestellt wird und hier kein "Computergiralspielgeld" am Werke ist, aber na gut.

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