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11.06.2014

10:23 Uhr

Opec-Treffen

Saudi-Arabien muss liefern

Die Ölförderung im Irak, Iran und Libyen gerät ins Stocken. Damit hat auch die Opec ein Problem. Vor dem heutigen Treffen ist klar: Das Ölkartell kann seine Versprechen nicht halten. Nun kommt es auf Saudi-Arabien an.

Raffinerie südlich des libyschen Küstenorts Bengasi: Nach Protesten auf den Ölfeldern und Streiks an den Exportterminals ging die Fördermenge des Landes auf ein Zehntel der Kapazität zurück. Reuters

Raffinerie südlich des libyschen Küstenorts Bengasi: Nach Protesten auf den Ölfeldern und Streiks an den Exportterminals ging die Fördermenge des Landes auf ein Zehntel der Kapazität zurück.

DüsseldorfNoch vor sechs Monaten hatten die Energieanalysten vorhergesagt, dass die Förderung der Opec-Länder zulegen wird und sich Saudi-Arabien deswegen zurückhalten muss. Mittlerweile haben sie ihre Meinung aber geändert – denn die Förderung in Libyen, Iran und Irak hat sich nicht im erhofften Ausmaß erholt.

Die Lagerbestände in den Industrieländern fielen derweil auf den niedrigsten Stand seit 2008, bezogen auf die Jahreszeit. Vor diesem Hintergrund geht der Berater Energy Aspects davon aus, dass Saudi-Arabien bis Dezember das Rekordvolumen von elf Millionen Barrel am Tag fördern muss, um die Schwächen bei den anderen Ländern auszugleichen.

„Jetzt geht es nicht mehr darum, ob die Saudis mehr Raum geben, sondern darum, ob sie weitermachen und über ausreichende freie Kapazitäten verfügen”, sagte Jamie Webster, Analyst von IHS in Washington. „Der Opec fällt es zunehmend schwerer, ihre Arbeit zu machen und alle notwendigen Barrel zu liefern.”

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Die Opec, die etwa 40 Prozent des weltweiten geförderten Öls produziert, kommt am Mittwoch in Wien zusammen, um über das aktuelle Förderziel von 30 Millionen Barrel am Tag zu beraten. Sowohl die Ölminister von Saudi-Arabien, Angola und Kuwait als auch 22 der 23 von Bloomberg befragten Analysten und Händler sagten, sie rechnen bei dem Ministertreffen mit keiner Änderung der Quote.

In den vergangenen drei Monaten haben Deutsche Bank, Morgan Stanley, Barclays und Citigroup ihre Prognosen für den Brent-Preis in 2014 angehoben und zur Begründung auf Angebotsrisiken verwiesen. Im Median erhöhten die vier Banken die Preisprognose auf 107,75 Dollar je Barrel, von 100,25 Dollar je Barrel am 31. Dezember.

Mehrere Opec-Staaten haben ihre Produktion nicht so ausgebaut, wie es ihre Minister bei der vergangenen Sitzung im Dezember versprochen hatten. Der Irak strebte nach Aussage von Ölminister Abdul Kareem al-Luaibi eine Erhöhung um etwa 30 Prozent in 2014 auf vier Millionen Barrel am Tag an. Libyen wollte innerhalb von zehn Tagen wieder auf die volle Tageskapazität von nahezu 1,6 Millionen Barrel zurückkehren, wie Ölminister Abdulbari al-Arusi sagte. Und Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh versprach die höchste Förderung seit fünf Jahren.

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