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10.12.2015

15:38 Uhr

Opec und das Ölmarkt-Chaos

Die Geschichte wiederholt sich

Der Ölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr, das Opec-Kartell harrt aus. So sah der Markt schon einmal aus, in den 1990er Jahren. Stimmen die Parallelen, müssen sich Anleger keine Sorgen um billiges Öl machen.

Ölkonzerne unter Druck

Darum sinkt der Rohöl-Preis

Ölkonzerne unter Druck: Darum sinkt der Rohöl-Preis

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WienDie Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat es anscheinend aufgegeben, ihren Gründungsauftrag einzuhalten und den Ölmarkt über die Ölfördermenge zu regulieren. Zuletzt ließ das die Benchmark-Sorte Brent auf ein Sechsjahrestief abrutschen. Am Donnerstagmorgen stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar um 34 Cent auf 40,45 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der Sorte WTI stieg auf 37,40 Dollar. Das waren 24 Cent mehr als am Vortag. Für Saudi-Arabiens Ali al-Naimi, den mächtigsten und dienstältesten Ölminister des Kartells, könnte das alles wie eine Wiederholung der Geschichte aussehen.

Es gibt mehrere auffällige Parallelen zwischen der derzeitigen Lage der Opec-Staaten und dem Zeitraum von 1997 bis 1999, als die Organisation die Kontrolle über den Markt verloren hatte und der Ölpreis auf weniger als 10 Dollar je Barrel eingebrochen war. Anleger mögen sich fragen, ob der Markt auch dieses Mal einem ähnlichen Kurs folgen wird - doch sollte man dabei nicht vergessen, dass die Opec nach der Krise den Ölpreis bis auf fast 150 Dollar je Barrel hochschießen sah. Sollten die Parallelen anhalten, könnte dem Markt eine Achterbahnfahrt bevorstehen. Die Parallelen in Überblick.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Große OPEC-Mitglieder steigern Förderung

Vor fast zwei Jahrzehnten gab es in Venezuela einen Wachstumsschub, der die Förderung von 2,2 Millionen Barrel am Tag im Jahr 1992 sechs Jahre später auf 3,5 Millionen Barrel am Tag anschwellen ließ. Saudi-Arabien reagierte darauf mit einer Steigerung der eigenen Produktion, was die Märkte flutete.

Dieses Mal hat Saudi-Arabien den Förderrausch angefangen - das Land pumpte Anfang des Jahres ein Rekord-Volumen von 10,6 Mio. Barrel am Tag -, während der Iran nach der Aufhebung der Sanktionen im kommenden Jahr seine tägliche Förderung um bis zu eine Million Barrel steigern will.

Abkühlung in Asien

Als die Opec ihre Produktion 1997 hochfuhr, befand sich Asien auf dem Weg in die wirtschaftliche Kernschmelze. Die Abwertung des thailändischen Baht im Juli desselben Jahres löste eine Finanzkrise aus, die Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand in eine Rezession stürzte. Das Bruttoinlandsprodukt der Gruppe schrumpfte 1998 um 8,3 Prozent, verglichen mit einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent im Durchschnitt des vorigen Jahrzehnts, wie Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen. Diesmal kollabiert Asien zwar nicht, doch China erlebt das schwächste Wachstum seit 25 Jahren.

Die Indonesien-Verbindung

Im Jahr 1997 beschloss die Opec bei einem Treffen in der indonesischen Hauptstadt, ihre Förderquote zu steigern - just als die asiatische Wirtschaftskrise begann. Das sorgte bei Rohöl für einen Preiseinbruch auf bis zu zehn Dollar. Opec-Veteranen sprechen noch immer vom „Gespenst von Jakarta”, das ihre Entscheidungen heimsucht. Indonesien ist nun wieder ins Zentrum der OPEC gerückt: Das Land trat dem Erdölkartell vergangene Woche wieder bei, nachdem die Mitgliedschaft 2009 auf Eis gelegt worden war.

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