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12.05.2016

15:04 Uhr

Opec und der Preisverfall

Ölpreis auf dem Weg zur 50-Dollar-Marke

Ist das Ende der Ölschwemme in Sicht? Die Aussicht auf eine geringere Überproduktion treibt die Preise weiter in die Höhe. Dabei erreicht ein Land überraschenderweise fast wieder seine alten Rekordmarken.

Das Öl und seine Folgen

Volatiler Ölmarkt = Volatiler Aktienmarkt?

Das Öl und seine Folgen: Volatiler Ölmarkt = Volatiler Aktienmarkt?

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SingapurDie richtungsweisende Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 47,91 Dollar je Barrel (159 Liter) und näherte sich ihrem Sechs-Monats-Hoch von 48,50 Dollar von Ende April. US-Leichtöl WTI kostete mit 46,63 Dollar 0,9 Prozent mehr. Die Internationale Energiebehörde (IEA) geht von einem geringeren weltweiten Angebot aus, während die Nachfrage nach Öl steigen dürfte. Am Vortag hatten die Ölpreise bereits deutlich zugelegt, nachdem das US-Energieministerium zum ersten Mal seit März sinkende US-Rohölbestände vermeldet hatte.

Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Ölproduktion in diesem Jahr um 800.000 Barrel pro Tag fällt. Bisher stellten die Experten einen Rückgang um 710.000 Barrel in Aussicht. Vor allem aus Nigeria, Libyen und Venezuela sei mit einem geringeren Angebot zu rechnen. Zugleich erhöhte die Behörde ihre Prognose für den globalen Ölnachfrage-Anstieg auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag von zuvor 1,16 Millionen. Als einen Grund dafür nannten die Experten eine wachsende Nachfrage nach Benzin in großen Märkten wie Indien und China.

Gleichzeitig hat der Iran seine Öl-Produktion deutlich hochgefahren: Das Land fördert mittlerweile 3,56 Millionen Barrel am Tag. Diese Menge wurde zuletzt im November 2011 erreicht, noch bevor die Sanktionen deutlich verschärft wurden. Die große Menge an Öl aus Iran überrascht: An dem Ziel, bis Ende Juni vier Millionen Barrel pro Tag zu fördern, haben noch vor zwei Monaten viele Experten gezweifelt.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

Saudi-Arabien hingegen hat seine Menge ungefähr konstant gehalten. Der weltweit größte Produzent des schwarzen Goldes förderte im vergangenen Monat durchschnittlich 10,2 Millionen Barrel pro Tag.

Bereits am Vortag hatte ein überraschender Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA die Ölpreise um jeweils etwa zwei Dollar nach oben getrieben. Experten gehen davon aus, dass ein Ausfall von Öllieferungen aus Kanada wegen starker Waldbrände in der Ölprovinz Alberta dazu geführt hat, dass die USA verstärkt auf die Ölreserven zurückgreifen mussten. Für zusätzlichen Preisauftrieb sorgte ein Rückgang der US-Ölproduktion.

Die Ölpreis ist ein extrem politischer Preis - und schwankt deswegen erheblich. Im Vergleich zu seinem Zwölfeinhalb-Jahres-Tief vom Januar, als Brent noch gut 27 Dollar kostete, ist der Preis um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das US-Öl WTI legte ähnlich stark zu. Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis wegen des weltweiten Überangebots und der mauen Weltkonjunktur allerdings um 70 Prozent eingebrochen.

Und die Terminmärkte erwarten weiter steigende Preise - sogar über die Marke von 50 Dollar. So kostet der Kontrakt für ein Fass Brentöl, das erst im Juni 2017 geliefert wird, aktuell 50,61 US-Dollar.

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