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29.03.2016

14:25 Uhr

Pfund unter Druck

Die Angst vor dem Brexit

Die britische Notenbank hat abermals vor den Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU gewarnt. Das Referendum sei das „kurzfristig größte Risiko für die Finanzstabilität des Landes“.

Die britische Währung steht seit Monaten unter Druck. Reuters

Britisches Pfund

Die britische Währung steht seit Monaten unter Druck.

DüsseldorfDie britische Notenbank hat vor negativen Folgen eines Austritts des Landes aus der Europäischen Union gewarnt. Sollten die Briten beim Referendum am 23. Juni für ein EU-Aus stimmen, könnten die Kreditkosten steigen, der Kurs des Pfund weiter fallen und die Finanzierungskonditionen für Hauskäufer und -besitzer ungünstiger werden, warnte die Bank of England (BoE) am Dienstag. „Der Ausblick für die Finanzstabilität hat sich seit dem letzten Quartalsbericht vom November verschlechtert.“

Die Zentralbank hatte bereits mitgeteilt, Notfall-Pläne in der Schublade zu haben, sollte es zu finanzpolitischen Instabilitäten kommen. Einer klaren Empfehlung zum Referendum über den sogenannten Brexit hat sie sich aber bislang enthalten. Sie betonte aber, dass das Referendum das „kurzfristig größte Risiko für die Finanzstabilität des Landes“ sei.

Die geplanten EU-Zugeständnisse für GB

VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Aus dem finanzpolitischen Ausschuss hieß es weiter: „Schaut man voraus, so könnte eine verstärkte und länger andauernde Unsicherheit zum Anstieg der Risikoprämien führen, die Anleger für alle möglichen Engagements in Großbritannien fordern“. Das könnte die Kosten und die Verfügbarkeit von Finanzierungen für viele Kreditkunden beeinflussen.

„Die Bank versucht Spielraum nach unten zu schaffen, um Handeln zu können, falls es beispielsweise zu einem Brexit kommt“, erklärte Philip Rush, Ökonom für Großbritannien bei Nomura International Plc in London vor dem Beschluss. Jane Foley, Analysten bei Rabobank International in London, sagte, dass man noch nicht wissen könne, ob es bei einem „Brexit“ mit dem Pfund-Kurs weiter nach unten gehen werde. „Gibt es aber keinen Austritt, dürfte wir eine Börsenrally erleben“, erläuterte sie den alternativen Ausgang der Abstimmung.

Der Pfund-Kurs ist in den vergangenen Monaten immer weiter gefallen. Das erste Quartal 2016 dürfte das schwächste seit 2009 für die britische Währung werden. An den Optionsmärkten gibt es zudem Indikatoren, dass die Währung in den nächsten drei Monaten noch weiter fallen wird. Am Dienstag notierte die Währung bei 1,4284 Dollar für ein britisches Pfund. Seit Jahresbeginn ist der Wechselkurs um 3,3 Prozent gefallen.

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