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26.02.2014

13:32 Uhr

Politische Unsicherheit

Ukrainische Währung stürzt auf Rekordtief

Die Bildung einer ukrainischen Übergangsregierung verzögert sich – und die Märkte zittern. Analysten sehen ohne Kabinett keine Gelder der EU oder des IWF fließen. Zudem gibt es Spekulationen über die Bedingungen des IWF.

Die Flagge der EU und der Ukraine vereint: Ein Hilfspaket der europäischen Staaten rückt wieder weiter in die Zukunft. Reuters

Die Flagge der EU und der Ukraine vereint: Ein Hilfspaket der europäischen Staaten rückt wieder weiter in die Zukunft.

Frankfurt/MainDie Furcht vor einem finanziellen Kollaps der Ukraine macht die Anleger immer nervöser. Ein Dollar stieg am Mittwoch um 3,7 Prozent auf ein Rekordhoch von zehn Hrywnia. Nach dem Umsturz kämpft die Ukraine gegen ein Auseinanderbrechen des Landes und eine drohende Staatspleite. Spürbar war die Verunsicherung vieler Anleger auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS). Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets ukrainischer Anleihen verteuerte sich um 76.000 Dollar auf 1,063 Millionen Dollar, wie der Datenanbieter Markit mitteilte.

Da die Bildung einer Übergangsregierung in der Ukraine auf sich warten lasse, rücke ein Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union (EU) wieder weiter in die Zukunft, urteilte Commerzbank-Analysin Thu Lan Nguyen in einem Kommentar. „Ohne neue Regierung in Kiew dürften zunächst keine Gelder fließen.“ Die ursprünglich für Dienstag geplante Wahl einer neuen Regierung ist auf Donnerstag verschoben worden.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

Rohstoffe

Das flächenmäßig nach Russland größte europäische Land besitzt jede Menge davon: Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber. Von Bedeutung ist auch die Landwirtschaft, die mehr zu Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

Wirtschaftskraft

Sie ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt umgerechnet bei etwa 130 Milliarden Euro, in Deutschland sind es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal 3900 Dollar im Jahr. Wuchs die Wirtschaft 2010 um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 noch 0,2 Prozent. 2013 dürfte es nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

Außenhandel

Exportschlager sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wichtigstes Importgut ist Gas. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine könnte aber vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

Industrie

Sie ist von der Schwerindustrie geprägt, besonders von der Stahlindustrie, dem Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Eine Westorientierung und die Übernahme von EU-Rechtsnormen könnte das Land zunehmend zum Produktionsstandort für westliche Firmen machen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjetrepublik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell wichtiger Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen indes im Wege.

Wirtschaftsbeziehungen zur EU

Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

Wiirtschaftsbeziehungen zu Russland

Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland.

Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland, muss dafür aber einen für die Region beispiellos hohen Preis zahlen. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Zusätzlich belastet wurde die ukrainische Währung auch von Spekulationen, dass der IWF als Bedingung für finanzielle Hilfen die freie Handelbarkeit der Währung fordern dürfte.

Von

rtr

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