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30.09.2011

14:12 Uhr

Preiseinbrüche

Anleger fliehen in Scharen aus Rohstoffen

Rezessionsängste und die Euro-Schuldenkrise drücken auf die Stimmung: Einige Edelmetalle haben im September die heftigsten Preiseinbrüche seit der Finanzkrise 2008 verzeichnet. Auch die Ölpreise rutschten ins Minus.

Goldbarren der Deutschen Bundesbank. dpa

Goldbarren der Deutschen Bundesbank.

FrankfurtGleich ob Öl, Kupfer oder Gold - die Preise für Rohstoffe sind im September deutlich in die Tiefe gerauscht. Kupfer und Gold verzeichneten die heftigsten Preiseinbrüche seit den Turbulenzen um die Lehman-Pleite im Herbst 2008. Für Wirbel sorgte vor allem die Angst vor einer weltweiten Rezession und einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise. „Die Stimmung ist einfach schlecht, auch wenn bislang wie beim Öl noch immer genügend Nachfrage aus den Schwellenländern vorhanden ist“, sagte Ker Chung Yang, Rohstoff-Analyst bei Phillip Futures.

Das Nordsee-Öl Brent steuert mit einem Minus von mehr als sieben Prozent auf den größten Quartalseinbruch seit 15 Monaten zu. Der Preis für die US-Ölsorte WTI ging seit Juli um 14 Prozent zurück, der heftigste Einbruch seit dem vierten Quartal 2008. Auch am Freitag rutschte der Ölpreis nach einer kurzen Erholungsphase wieder ins Minus. Brent notierte bei 103,23 Dollar je Fass, WTI bei 81,75 Dollar.

Wirtschaftsdaten aus den USA hatten Händlern zufolge nur kurzzeitig Optimismus versprühen können. Die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war am Donnerstag überraschend unter die 400.000-Marke gefallen und die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal etwas schneller als ursprünglich errechnet.

Nachhaltige Erholung bei Ölpreisen fraglich

Letztlich blieben aber nicht nur die Aussichten für die weltweite Konjunktur, sondern auch der Ausgang der europäischen Schuldenkrise unsicher, erklärten Analysten. Griechenland wartet derzeit auf die nächste Tranche über acht Milliarden Euro aus dem Rettungspaket von EU und IWF. Ohne das Geld kann die Regierung keine Gehälter und Renten mehr auszahlen und würde auf eine Staatspleite zusteuern.

Gegen eine nachhaltige Preissteigerung beim Öl spricht nach Einschätzung der Commerzbank schon allein, dass die OPEC ihre Ölproduktion im September auf 30,25 Millionen Barrel pro Tag gesteigert hat - den höchsten Stand seit knapp drei Jahren. Der Produktionsanstieg sei unter anderem auf eine leichte Ausweitung des Ölangebots aus Libyen zurückzuführen, hieß es. Die US-Energiebehörde EIA habe zudem für Juli eine geringere Ölnachfrage als erwartet bekanntgegeben.

Auch beim Kupfer stand die anfängliche Erholung vom Freitag auf wackligen Füßen. Der Preis rutschte am Mittag wieder um 1,2 Prozent auf 7142 Dollar je Tonne ab. Insgesamt hat das Industriemetall in diesem Monat fast ein Viertel seines Wertes verloren, der größte Einbruch seit der Finanzkrise 2008. „Die entscheidende Frage ist, ob Chinas Wirtschaft auch weiterhin ihre Zugkraft beibehält“, sagte RBS-Analyst Daniel Major. Die chinesische Industrie bekommt derzeit die Abkühlung der Wirtschaft weltweit zu spüren. Im September lag der Einkaufsmanagerindex den dritten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Asiatische Anleger stützen Goldpreis

Auch beim Goldpreis haben Anleger stürmische Wochen hinter sich: Das Edelmetall verbilligte sich im September um rund elf Prozent - heftiger war der Einbruch nur im Oktober 2008 mit einem Minus von 17 Prozent. Die Anleger hatten ihr Bargeld zuletzt lieber gehortet oder in die Weltleitwährung Dollar investiert.

Am Freitag notierte der Goldpreis allerdings wieder 0,4 Prozent fester bei 1620 Dollar je Feinunze. Unterstützung erhielt das Edelmetall laut Händlern von einer starken Nachfrage aus China und Indien. Gerade im weltgrößten Gold-Markt Indien steigt die Nachfrage mit Beginn der Hochzeitssaison deutlich. Goldschmuck für Brautpaare ist hier ein traditionelles Geschenk.

Von

rtr

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