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15.04.2013

20:39 Uhr

Preissturz

Zerbricht der Traum vom Gold?

VonJörg Hackhausen

Der Goldpreis befindet sich im freien Fall. Der Preis sackt weit unter 1.400 Dollar. Wo sind die Schnäppchenjäger, die jetzt kaufen? Sie reden von „hervorragenden Kaufgelegenheiten“, trauen sich aber nicht. Noch nicht.

Der Goldpreis ist unter 1200 Dollar je Feinunze gefallen.

Der Goldpreis ist unter 1200 Dollar je Feinunze gefallen.

Wo sind die Schnäppchenjäger? Und wo sind die Leute, die Gold bei Preisen jenseits der 1.900 Dollar gekauft haben? Die müssten doch jetzt erst recht kaufen, wenn sie von Gold überzeugt sind. „Diese Korrektur war wohl nötig“, sagt der US-Investors Jim Rogers. „Wenn der Preis tief genug fällt, werde ich anfangen zu kaufen.“

Der aktuelle Absturz reicht Rogers noch nicht. Dabei ist Gold seit vergangenem Freitag bereits um zehn Prozent gefallen. Das ist der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Kursrutsch setzte bereits am Freitagnachmittag ein. Am Montag beschleunigte sich die Talfahrt, der Goldpreis sackte um acht Prozent auf 1.356 Dollar ab.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Ein Schuldiger für den Einbruch war schnell gefunden: Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank ließ durchblicken, dass Zypern einen Teil seiner Goldreserven verkaufen könnte, um den Eigenbeitrag zum geplanten Hilfspaket aufzubringen. Nicht dass die zyprischen Goldreserven so groß wären, dass ein Verkauf den Goldmarkt auf den Kopf stellen würde. Zypern besitzt insgesamt 13,9 Tonnen. Doch viele fürchten, dass der Goldverkauf Schule machen könnte. Wenn ein Krisenland wie Italien einen Teil seiner Goldreserven – immerhin 2.500 Tonnen – auf den Markt werfen würde -, wäre das eine ganz andere Dimension.

Neben der Zypern-Frage spielt auch eine Rolle, dass die Konjunktur in den USA zuletzt leicht angezogen hat, was viele Anleger auf ein Ende der Finanzkrise hoffen lässt. „Wo sind auf einmal die ganzen Experten hin, die in den vergangenen Jahren Gold als sicheren Hafen und Inflationsschutz angepriesen haben?“, wundert sich Torsten Gellert, Deutschlandchef des Devisenbrokers FXCM. Weit und breit seien keine Optimisten mehr zu sehen.

In den vergangenen zwei Wochen warnten gleich mehrere Großbanken vor einem Preisverfall bei Gold. Entweder haben die Analysten eine gute Vorahnung gehabt. Oder ihre Prognosen werden nun zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Den Anfang machten die Franzosen von Societe Generale. Der Goldpreis befinde sich im „Blasen-Bereich“, schrieben die Analysten in einer Studie am 2. April. Die Deutsche Bank senkte am vergangenen Dienstag ihre Goldprognose um zwölf Prozent und verwies darauf, dass „sichere Häfen“ nicht mehr gefragt seien.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Einen Tag später legte Goldman Sachs nach. Nach einer zwölfjährigen Rally beschleunige sich der Trendwechsel im Goldpreis-Zyklus, schrieben die Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie in einer Studie. Die Bank setzte ihr Kursziel für zwölf Monate auf 1.390 Dollar. „Eine deutliche Erholung des Goldpreises ist unwahrscheinlich, wenn es nicht unerwartet zu einem abrupten Ende der US-Erholung kommt.“ Die Überzeugung, Gold zu halten, schwinde.

Mehr und mehr Analysten stimmen dem inzwischen zu. „Der Einbruch bei Gold ist erst in einem frühen Stadium”, schreibt Georgette Boele, Rohstoffstrategin bei ABN Amro. „Während sich die Wachstumsaussichten verbessern, werden andere Anlagen deutlich attraktiver.“

Kommentare (86)

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AllesPanikmache

15.04.2013, 13:09 Uhr

...habe gerade SIlber und Gold nachgekauft. Bei solch einem Ausverkauf. Ist hier ja alles Panikmache. Wo haben wir denn hier ne Blase ? Aktienblase, Immobilienblase, Blase hin Blase her. Gold und Silber ist Meine Altervorsorge oder Rente. Basta !

investival

15.04.2013, 13:09 Uhr

Wenn Analysten unisono in einer Richtung posaunen, sind sie in dieser mit Kapital hoch engagiert.
- Wie hoch ist denn das short interest im pog im historischen Kontext, werter Autor?

Offensichtlich basiert der Preiseinbruch (nicht nur) in Gold auf provozierten Vorwärtsverkäufen klammer Minen sowie vl. Zwangsexekutionen (Zypernkontoinhaber betreffend) - was bisher in der Tat gute Kaufgelegenheiten waren.

Im übrigen dürften die wenigsten der bisherigen Goldkäufer 'vom großen Gold geträumt' haben ...
Nun ja - die Zeiten, wo das Handelsblatt seriös in Inhalt und Artikulation war, sind halt vorbei.

Account gelöscht!

15.04.2013, 13:12 Uhr

Liebes HB, BITTE hört doch mit diesem Propagandakäse auf. Was jetzt nicht gekauft wird sind PApiergoldscheine JA, wer ist auch so blöd und würde das jetzt tun?

Der physische Goldkauf im Volk geht jedoch bei denen die informiert sind weiter und jeder der im Moment nicht sieht was da abgezogen wird und das die Hütte hinter der Euro Bühne lichterloh zu brennen scheint, dem ist eh nicht zu helfen.

Die FED haut mal eben 500 Tonen Gold auf den MArkt die sie physisch nicht besitzt...ich sag mal nicht mehr. Zeitgleich läuft auf allen Kanälen die Propaganda gegen böse Steuerhinterzieher die uns ja allen sooo schaden, während die Komiker aus allen Parteien hunderte Milliarden verbrennen.

Zeitgleich dazu will Mario Draghi plötzlich ans Gold von Zypern.

Sorry aber hier ist gewaltig etwas am faulen und das Gold samt Silber sind die besten Indikatoren dafür. Ich werde definitiv nachkaufen, nicht um auf das grosse Geld zu hoffen, sondern von diesem Geld zu fliehen bevor es in Flammen bzw. im Geschwulstmagen unseres kranken Staates verdaut wird.

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