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30.04.2013

10:44 Uhr

Preisverfall

Gold-Fonds vor größtem Monatsminus aller Zeiten

Börsengehandelte Gold-Fonds erleben eine beispiellose Talfahrt. Innerhalb eines Monats wurde im Volumen von acht Milliarden Dollar verkauft. Bei physischem Gold ist dagegen ein regelrechter Kaufrausch ausgebrochen.

Gold in Barren zu verschiedenen Größen. Börsengehandelte Gold-Fonds stehen auf der Verkaufsliste. dpa

Gold in Barren zu verschiedenen Größen. Börsengehandelte Gold-Fonds stehen auf der Verkaufsliste.

FrankfurtDas Volumen von Gold in börsengehandelten Fonds und mit dem Edelmetall unterlegten Produkten steuert auf den größten Monatsrückgang zu, der je verzeichnet wurde. Zuvor war es zu einem Ausverkauf bei Gold gekommen angesichts des Optimismus, dass sich die Weltwirtschaft erholt.

Das Volumen der börsengehandelten Produkte sank um 168,22 Tonnen auf 2281,62 Tonnen am Montag und steuert damit, in Tonnen gemessen, auf den größten Monatsverlust zu, wie Bloomberg-Daten zeigen. Auf dem heutigen Preisniveau ist der Wert der Bestände um etwa 8 Milliarden Dollar gesunken. Am Dienstag gab Gold am Kassamarkt um 0,8 Prozent auf 1464 Dollar je Unze nach. Für den April steht der Goldpreis mit einem Einbruch von etwa acht Prozent vor dem größten Monatsverlust seit Dezember 2011.

Gold ist in diesem Monat in einen Bärenmarkt abgerutscht, nachdem die Aktienmärkte angesichts des anziehenden weltweiten Wachstums und der nachlassenden Inflationserwartungen eine Rally hinlegten. Der Goldpreis ist in den zwei Handelssitzungen bis 15. April um 14 Prozent abgesackt, der größte Preisrutsch seit 1983 und erreichte am 16. April ein Tief von 1321,95 Dollar je Unze.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Seitdem hat der Goldpreis am Kassamarkt um 11 Prozent angezogen, nachdem ein Anstieg der physischen Nachfrage die Rekord-Abflüsse bei börsengehandelten Produkten wettmachte. “Es gab eine Menge Verkäufe bei börsengehandelten Produkten und jüngst haben wir eine Menge Käufe physischen Golds gesehen, so dass eine gewisse Umschichtung von börsengehandelten Produkten in physisches Gold zu verzeichnen war”, sagte Frederic Panizzutti, weltweiter Leiter Marketing und Sales bei MKS (Switzerland) SA.

Die weltweiten Bestände sind in diesem Jahr um 13 Prozent gesunken, da das Volumen des SPDR Gold Trust, der größte börsengehandelte Goldfonds, um 20 Prozent abgesackt ist. Das Goldvermögen im SPDR ist am Montag auf 1080,64 Tonnen gefallen, den niedrigsten Wert seit 2009, und kommt für April auf ein Minus von 11,5 Prozent. John Paulson, der größte Investor im SPDR, hält jedoch an seiner Auffassung fest, dass das Edelmetall steigen wird, da es als Absicherung gegen Inflation gefragt sein wird.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

30.04.2013, 12:09 Uhr

man sollte jetzt vorsichtig einsteigen...

kann kein Fehler sein

manu

30.04.2013, 12:55 Uhr

HB schreibt:
"Gold ist in diesem Monat in einen Bärenmarkt abgerutscht, nachdem die Aktienmärkte angesichts des anziehenden weltweiten Wachstums und der nachlassenden Inflationserwartungen eine Rally hinlegten."

Was ein Blödsinn! Wo zieht denn das Wachstum derart nachhaltig an, dass man daraus begründete Schlüsse ziehen kann, dass sich die Weltwirtschaft erholen wird? In Frankreich? In den PIIGS-Staaten? In den USA? In Japan? In China?

Die Japaner heizen mächtig ihre Papierdurckpresse an und heien damit wiederum dem weltweiten Währungsabwertungslauf ein. Die FED wird es sich auch nicht leisten können, die Anleihekäufe ad acta legen zu können. Dazu ist das System noch zu fragil und nicht selbsttragend. Bernanke hat schon Anzeichen dazu gegeben, dass QE-X eben nicht aufhören könnte. Die Taktieren auch nur rum.

Und ist die Welt nach Zypern für europäische Bankguthaben-Besitzer besser und sicherer geworden? Im Leben nicht!

Die FED und mit ihr die verbrecherischen amerikanischen Banken, allen voran Goldman Sachs, wollten Gold abschlachten und ihm den Nimbus des "sicheren Hafens" entziehen, um so die Gelder in andere Assetklassen fließen zu lassen. Aber darüber mal zu berichten, fehlt es leider dem HB an Qualität und Kompetenz, geschweige denn mal an einer eigenen Linie. SCHADE!

Rosenkohl

30.04.2013, 13:37 Uhr

„Qualitäts-Journalismus“
Man kann dem Leser „manu“ zu dessen Kommentar nur gratulieren.

Alle die im Handelsblatt-Artikel genannten Gründe sind für den exorbitanten Rückgang des Goldpreises an nur 2 Handelstagen nicht stichhaltig.

Warum hinterfragen die HB-Journalisten nicht mit einer sachlich fundierten Recherche das Verhalten der FED und der 4 amerikanischen Großbanken an diesen beiden Tagen?

Den Schluss daraus, dass diese Banken-Interessengemeinschaft den Goldpreis
auf ein Niveau bringen wollte, um Goldkäufer zu verunsichern und diese in andere Geldanlagen zu drängen, kann dann jeder Leser selbst ziehen.

Alle anderen im Artikel genannten Gründe sind, zumindest in diesem Falle, überhaupt nicht relevant.

Mit „Journalismus“ hat dieser Artikel aber rein gar nichts zu tun!

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