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12.04.2013

17:28 Uhr

Preisverfall

Goldpreis stürzt unter 1.500 Dollar

Der Preis der Feinunze Gold ist am Nachmittag deutlich abgesackt. Im Tagesverlauf gab das Edelmetall um zwischenzeitlich fast vier Prozent nach. Mögliche Goldverkäufe durch ein Euro-Land könnten ein Grund sein.

Ein 1000-Gramm-Goldbarren. dpa

Ein 1000-Gramm-Goldbarren.

DüsseldorfDer Goldpreis ist am Freitagnachmittag heftig unter Druck geraten. Leichte Verluste im Tagesverlauf verstärkten sich nach 16.15 Uhr abrupt und das Edelmetall notierte fast vier Prozent unter dem Vortageswert. Kurzzeitig sackte der Preis einer Feinunze sogar auf unter 1500 Dollar (Tageseröffnung: 1560 Dollar).

Damit sank der Wert des Edelmetalls erstmals seit Juli 2011 unter die runde Marke. Händler machten dafür mehrere Gründe aus. „Grund ist die Erholung der US-Währung“, sagte Andrey Kryuchenkov von VTB Capital in London. Der Dollar hatte im Tagesverlauf zunächst gegenüber dem Euro zugelegt. Zum anderen gilt aber auch Druck der Europäischen Zentralbank auf Zypern als Auslöser.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Das Euro-Land steht möglicherweise vor einem Verkauf von Goldreserven. Dessen Notenbank verwaltet laut Angaben des World Gold Council Goldbestände im Umfang von 13,9 Tonnen. Die Entscheidung über Goldverkäufe werde von der Notenbank getroffen, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Freitag nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Dublin. Es komme indes darauf an, führte Draghi weiter aus, dass eventuelle Erlöse aus dem Goldverkauf zu allererst zur Deckung möglicher Verluste der Notenbank aus ihren ELA genannten Notfall-Liquiditätshilfen für die Geschäftsbanken herangezogen würden.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Zu einem Brief Draghis an Zyperns Präsident Nicos Anastasiades sagte der EZB-Präsident, dass der Brief „sehr, sehr klar“ sei. Die Regierung müsse die Unabhängigkeit der Notenbank bei der Bewirtschaftung der Goldvorräte einhalten, wie es die entsprechenden Regelungen auf europäischer Ebene vorsehen.

Kommentare (82)

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Privatier

12.04.2013, 17:42 Uhr

"Goldpreis stürzt unter 1.500 Dollar"
Na und. Da wird einfach mal Kasse gemacht und Gewinne mitgenommen. Kleinanleger werden wie immer verarscht.
Schaut euch mal die anderen Rohstoffe incl. Silber und Öl an, sind genauso abgestürzt.
What goes up must come down. Ganz normale Spekulation eben. Hat mit Verschwörungstheorie rein gar nichts zu tun. Gewinne hat man eben erst, wenn man sie realisiert!

Cassandra

12.04.2013, 17:58 Uhr

Wie es zu erwarten war, das Ausstiegsszenario aus John Laws Aktiensystem wird von den Market Makers vorbereitet - das Gold Leasing der Zentralbanken macht es den Bullion Bankstern möglich.

Alles läuft bestens im Auftakt zum finalen Akt der Draghödie. Der größe Herdentrieb in Aktien wird gestartet - nur raus aus allen Werten rein John Laws Wundermarkt.

Was für eine Spannung! Der Held, alias Rally Monkey aus dem Goldman Sachs Geschlecht, ist bereits vollkommen der Hybris verfallen und wähnt sich unbesiegbar. Wird er es schaffen dem Schicksal zu entgehen?

Der Draghödie letzter Akt beginnt!

Account gelöscht!

12.04.2013, 18:03 Uhr

Die Geldflutung der Zentralbanken beginnt zu wirken. Zudem trennen sich Krisenstaaten zunehmend von ihren Goldreserven. Es ist auch absehbar dass es, mangels Alternativen, wieder zu einer spekulativen Aktienhausse kommen wird. Natürlich alles von kurzer Dauer da die Realität freilich anders aus sieht. Wie immer eine Frage des Timings. In Gold einzusteigen lohnt sich wohl erst wenn die Aktienhause im vollen Gange ist.

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