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10.02.2015

08:37 Uhr

Prognose der Energieagentur

Ölpreise werden sich nur langsam erholen

Die Ölpreise sind nach einem Plus zum Wochenstart am Dienstag wieder gefallen. Höchstwerte sind vorerst auch nicht in Sicht. Die Internationale Energieagentur gibt aber zumindest zum Teil Entwarnung.

Ölproduktion: Der Preis für Öl sinkt. dpa

Ölförderung in den USA

Ölproduktion: Der Preis für Öl sinkt.

SingapurDie Talfahrt der Rohölpreise wird sich nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur bald abbremsen. Eine Rückkehr zu den Höchstwerten der vergangenen drei Jahre werde es jedoch nicht geben, prognostizierte die in Paris ansässige Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die jüngste Erholung der Ölpreise „in einem vergleichsweise begrenzten Rahmen“ bewegen werde.

Die Ölpreise sind am Dienstag wieder gefallen, nachdem die Ölpreise zum Wochenstart zugelegt hatten. Am heutigen Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 57,54 US-Dollar. Das waren 80 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 77 Cent auf 52,09 Dollar.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Seit dem vergangenen Sommer sackte der Preis für das Fass Öl von fast 110 auf unter 45 Dollar ab, pendelte sich zuletzt jedoch auf rund 53 Dollar ein. Die jüngste Erholung sei mit jenen in der Vergangenheit nicht zu vergleichen, was an der drastischen Erhöhung der Fördermenge durch Staaten liege, die nicht der Organisation Erdölexportierender Länder angehörten, darunter vor allem die USA. Ein weiterer Grund sei die schwache Nachfrage in China und verringerter Kraftstoffverbrauch in Entwicklungsländern.

Anders als in früheren Zyklen sei zudem nicht zu erwarten, dass der niedrige Ölpreis zu einem nennenswerten Schub der Wirtschaftskraft führen werde, hieß es. Der Grund: Die schwache Nachfrage selbst habe zum Teil zum jüngsten Sinkflug der Rohölpreise beigetragen. Die IEA geht inzwischen davon aus, dass die globale Nachfrage nach Öl im laufenden Jahr bei 93,3 Millionen Barrel pro Tag liegen werde – und damit weiter unter den 94,2 Millionen Barrel, die noch in ihrem vorherigen Bericht vorausgesagt worden waren.

Demnach soll die Ölproduktion der USA bis zum Jahr 2020 der weltweit größte Wachstumstreiber bleiben, zumindest laut Angaben der IEA. Allerdings geht sie von einem etwas geringeren Wachstumstempo aus. Der Ölpreisverfall seit Sommer 2014 habe den amerikanischen Schieferöl-Boom bereits gebremst, lautet die Begründung.

Kommentare (2)

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Herr Peter Noack

10.02.2015, 10:33 Uhr

Wieso werden die Ölpreise nur langsam steigen, wenn sie in einer Woche um 20 Prozent steigen können? Das sind in einem Monat kaum 100 Prozent, oder?

Herr Peter Noack

10.02.2015, 10:40 Uhr

Der Angebotsüberschuss der Ölförderung beträgt nach Einschätzung der IEA also 0,9 Mio Fass am tag oder eund ein Prozent. Deshalb hat sich also der Ölpreis halbiert. Die Volkwirtschaftslehre erklärt, warum bei halbem Ölpreis der Verbrauch trotz 3,3 Prozent Wirtschaftswachstum der Welt, nicht steigt. Meinen das die Experten der IEA? Dann wisssen diese Experten überhaupt nichts und haben folglich jegliches Verstrauen verspielt.

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